Traumberuf Bodyguard

US-Rocksängerin Anastacia begleitet von ihrem Bodyguard Wayne Newton in Köln.

Die deutsche Polizei

Traumberuf Bodyguard

Madonna und Stephanie von Monaco hatten Affären mit den Männern, die von Berufs wegen ihr Leben beschützten. Popsängerin Anastacia heiratete sogar ihren Bodyguard.
Ein abenteuerliches Leben zusammen mit den Schönen und Reichen, das klingt verlockend. Zumal die vielen Stunden im Fitness-Studio nun plötzlich zur Arbeitszeit dazu zu gehören scheinen. Kein Wunder, dass sich viele junge Männer für den Beruf des Personenschützers interessieren.

Nur zehn Prozent schaffen die Aufnahmeprüfung

Für die Ausbildung zur Personenschutzfachkraft des TÜV-Süd melden sich jedes Jahr rund 100 Personen an – und nur etwa zehn Prozent von ihnen werden angenommen. "Die Anforderungen an einen Personenschützer sind sehr vielfältig, und dieses Profil bringen nur sehr wenige Bewerber mit", sagt Siegfried Baltzer, Ausbilder beim TÜV-Süd und Personenschützer mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Neben den körperlichen Voraussetzungen, die noch viele Kandidaten mitbringen, sind drei Dinge vor allem gefragt: Reaktionsschnelligkeit, eine gute Auffassungsgabe und die Fähigkeit, genau zu beobachten und sich diese Beobachtungen auch merken zu können.

"Daneben ist es absolut notwendig, ein guter Teamplayer zu sein", erklärt Baltzer. Denn meist werde eine Schutzperson durch mehrere Bodyguards bewacht – teils gemeinsam, teils in abwechselnden Schichten. "Gerade in Gefahrensituationen muss man sich auf seine Partner im Team absolut verlassen können."

Ebenfalls wichtig ist ein taktvolles und dezentes Auftreten. Denn der Personenschützer muss nicht nur beim Smalltalk mit Gästen der Schutzperson Fettnäpfchen vermeiden können. Er sollte nach Möglichkeit auch gar nicht als Bodyguard zu erkennen sein, damit eine potenzielle Gegenseite bei einem Angriff möglichst wenig vorausplanen kann.

Mutige Frauen sind heiß begehrt

Da die Berufsbezeichnung "Personenschützer" nicht geschützt ist, gibt es keine verlässlichen Angaben über die Zahl der Beschäftigten. Nach Siegfried Baltzer liegt diese aber höher, als viele denken: Allein im Rhein-Neckar-Raum schätzt er die Zahl der festangestellten Personenschützer auf mehrere Hundert.

Gerade Frauen seien dabei sehr gefragt. Sie bringen öfter das von vielen Kunden geforderte Einfühlungsvermögen mit, sind zur Bewachung von weiblichen Schutzpersonen die erste Wahl und aufgrund ihrer Seltenheit vor allem unauffällig.

Baltzer ermutigt deshalb Frauen, sich für die Ausbildung zur Personenschutzfachkraft zu bewerben – auch wenn die körperlichen Anforderungen während des Trainings oft eine Hürde sind. Noch beträgt das Verhältnis von Frauen zu Männern bei den Bodyguards etwa eins zu 20.

Eine Frau in schwarzer Jacke mit Sonnenbrille führt eine andere Frau eine Treppe hinunter.

Noch selten und sehr gefragt: Weibliche Bodyguards

Ausbildungswege im Berufsfeld "Sicherheit"

Seit 1996 ist es für jeden im Sicherheitsgewerbe Tätigen Pflicht, eine Prüfung bei einer Industrie- und Handelskammer abzulegen. Bei dieser "Unterrichtung" nach Paragraph 34a der Gewerbeordnung stehen vor allem die rechtlichen Vorschriften im Vordergrund. Zudem werden der Umgang mit Menschen und Grundzüge der Sicherungstechnik unterrichtet.

Für Sicherheitspersonal sind hier 40 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten vorgesehen. Gewerbetreibende im Bewachungsgewerbe müssen 80 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten absolvieren.

Wer im Dienst eine Waffe tragen soll, muss zudem eine Sachkundeprüfung nach Paragraph 7 des Waffengesetzes ablegen. Sie ist die Grundvoraussetzung, um eine Waffenbesitzkarte bei den Behörden zu beantragen. Nach der viertägigen theoretischen und praktischen Ausbildung darf man jedoch keineswegs ständig mit einer Knarre am Gürtel herumlaufen – dazu berechtigt noch nicht einmal die offizielle Waffenbesitzkarte.

Je nach Bundesland gelten strenge Regeln, wann es gerechtfertigt erscheint, dass Sicherheitspersonal auf Veranstaltungen oder in der Öffentlichkeit Waffen trägt. Dies muss für jeden Einzelfall beantragt werden.

Master of Security

Eine fundierte Ausbildung im Sicherheitsgewerbe bietet seit 2002 der Beruf "Fachkraft für Schutz und Sicherheit (IHK)", den man innerhalb von drei Jahren im dualen Ausbildungssystem erlernen kann.

Wer bereits über mindestens viereinhalb Jahre einschlägige Berufserfahrung verfügt, kann sich das für die Abschlussprüfung benötigte Wissen auch in Spezialkursen von insgesamt drei Monaten Dauer aneignen und dann eine externe Prüfung ablegen. Mit etwas weniger Aufwand (35 Unterrichtstage) und drei Jahren Berufserfahrung kann man eine Prüfung zur "Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft" absolvieren.

Wie im dualen System der IHK-Berufe üblich, gibt es auch für dieses Berufsfeld eine Meisterprüfung – bis 2004 war dies der "Werkschutzmeister", heute (mit gestiegenen Anforderungen im entsprechenden Lehrgang) darf man sich dann "Meister für Schutz und Sicherheit" nennen.

Menschen mit diesem Abschluss werden in der oberen Führungsebene von Sicherheitsunternehmen oder in den Sicherheitsabteilungen von Großkonzernen eingesetzt.

Ein Werkschutzmitarbeiter telefoniert in einem Kontrollmann mit Überwachungsbildschirmen an der Wand.

Werkschutzmitarbeiter im Kontrollraum

Königsdisziplin Personenschutz

Daneben gibt es mehrere Lehrgänge für spezielle Aufgaben, etwa eine maritime Sicherheitsausbildung oder die "Aviation Security", das Pendant für die Gefahrenabwehr über den Wolken. Kurse dazu bietet etwa der TÜV-Nord an.

Für viele wohl die Königsklasse der Sicherheitsexperten sind die Personenschützer. Bringen sie die eingangs beschriebenen Voraussetzungen mit, können Menschen mit einem Hintergrund in der Sicherheitsbranche (Polizeibeamte, Feldjäger, Fallschirmjäger, Fachkräfte für Schutz und Sicherheit) dazu innerhalb von dreieinhalb Monaten eine Ausbildung absolvieren.

Fehlt solch ein Hintergrund, aber die Kandidaten können trotzdem die gefragten Voraussetzungen erfüllen, dauert die Ausbildung inklusive der rechtlichen und psychologischen Aspekte insgesamt sieben Monate. Siegfried Baltzer leitet diese Kurse an der TÜV-Süd Akademie in Mannheim.

Autor: Wolfgang Richter

Stand: 24.07.2018, 12:00

Darstellung: