Die italienischen Mafia-Syndikate

Vier mutmaßliche Mörder des Gewerkschafters Salvatore Carnevale hinter Gittern.

Organisierte Kriminalität

Die italienischen Mafia-Syndikate

Von Claudia Heidenfelder

Der Begriff Mafia ist inzwischen zu einem Synonym für organisiertes Verbrechen geworden. Ihren Ursprung hat die Mafia vermutlich auf Sizilien, wo sie "Cosa Nostra" genannt wird. Doch nicht nur auf Sizilien, auch in den anderen süditalienischen Regionen Kampanien, Kalabrien und Apulien betreiben Mafia-Syndikate ihre kriminellen Geschäfte.

Cosa Nostra auf Sizilien

Die Ursprünge der italienischen Mafia liegen in Sizilien. Dort herrscht die Cosa Nostra, was so viel bedeutet wie "unsere Sache". Von Sizilien aus hat sich das Modell der Mafia auf den Süden Italiens ausgebreitet. Cosa Nostra nennt sich außerdem der Ableger der sizilianischen Mafia in den USA.

Die Organisationsstruktur der Cosa Nostra ist streng hierarchisch und pyramidenförmig: Alle Mitglieder der Cosa Nostra sind in sogenannte Familien aufgeteilt, mit jeweils einem Capo als Boss. Über allen anderen steht der "Capo dei capi", der Boss der Bosse. Geschätzt wird die Cosa Nostra auf 5000 Mitglieder.

Bis heute ist die Schutzgelderpressung eine der Haupteinnahmequellen, etwa 70 Prozent der sizilianischen Unternehmer sind davon betroffen. Schmuggel und Waffenhandel spielen ebenfalls ein Rolle und vor allem der Handel mit Heroin, das die Cosa Nostra seit den 1960er Jahren in Amerika und Europa vertreibt.

Ihre Rolle als mächtigste Mafia-Organisation Italiens soll die Cosa Nostra eingebüßt haben. Nach zahlreichen Attentaten auf hochrangige Staatsvertreter, unter anderem den Morden an den beiden Richtern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino 1992, ist der Druck der Behörden auf das organisierte Verbrechen Siziliens nach wie vor am größten.

'Ndrangheta in Kalabrien

Die 'Ndrangheta, die auch hinter den Duisburger Rachemorden steckt, hat ihren Sitz in Kalabrien, der Stiefelspitze Italiens. Sie gilt heute als die reichste, mächtigste und einflussreichste Mafia-Organisation der Welt. Ihr Jahresumsatz wird auf 35 Milliarden Euro geschätzt.

Im Gegensatz zur Cosa Nostra auf Sizilien ist die 'Ndrangheta wie ein loses Netzwerk von mächtigen Familien organisiert. Zwischen den Städten Catanzaro und Reggio di Calabria herrschen knapp 150 Clans. Schutzgelderpressung, Waffenschmuggel und vor allem der Handel mit Kokain sind die klassischen Geschäfte der kalabresischen 'Ndrangheta.

Das Wort 'Ndrangheta stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Männlichkeit" und "Heldentum".

Camorra in Neapel und Kampanien

In Neapel und Kampanien herrscht die Camorra, die oft nur "das System" genannt wird. Die Camorra ist ein Zusammenschluss lokaler Bündnisse beziehungsweise Clans. Diese Clans bekriegen sich gegenseitig im Kampf um Geld und Macht.

Neben einem bestellten Feld in der Nähe von Neapel stapelt sich Müll.

Die Umwelt rund um Neapel leidet unter der Mafia

In den vergangenen Jahren geriet die Camorra vor allem durch ihre Müllgeschäfte in die Schlagzeilen. Sie verhindert den Bau von Müllverbrennungsanlagen, um ihre Herrschaft über die bestehenden Deponien zu wahren. Auf diesen Deponien wird illegal Giftmüll entsorgt, was dazu geführt hat, dass der Boden in der Gegend um Neapel stark verseucht ist.

Neben der Abfallwirtschaft kontrolliert die Camorra den Handel mit gefälschten Markenprodukten, den Drogenhandel und die Bauwirtschaft bis hinauf nach Norditalien.

Sacra Corona Unita in Apulien

Die jüngste Mafia-Organisation ist in Apulien aktiv: die Sacra Corona Unita (SCU). Sie entstand erst in den 1980er Jahren durch Zusammenschluss zweier großer Banden. Die Sacra Corona Unita ist eine vergleichsweise kleine Organisation mit etwa 1800 Mitgliedern.

Die SCU unterhält enge Kontakte zur organisierten Kriminalität in Osteuropa und lebt unter anderem vom Drogenhandel, der Zwangsprositution und der Einschleusung illegaler Einwanderer, vor allem aus Albanien.

Stand: 31.01.2018, 09:16

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