Wirtschaftsspionage

Die Grafik zeigt einen Computer, aus dessen Bildschirm Würmer kommen.

Spione

Wirtschaftsspionage

Im 21. Jahrhundert hat die Spionage ein neues Gesicht bekommen. Nicht nur Politik und Militär wollen über das Geheimwissen der Gegenseite verfügen. Auch Unternehmen versuchen, sich durch Wirtschaftsspionage einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen.


Globalisierung begünstigt Wirtschaftsspionage

Neben Militär und Politik zählt die Wirtschaft schon immer zu den Bereichen, in denen spioniert wird. Allerdings hat sich die Wirtschaftspionage seit den 1990er Jahren stark ausgebreitet.

Durch die Globalisierung sind neue Märkte und neue Konkurrenten entstanden, moderne Kommunikations-Techniken sowie veränderte Prioritäten der Nachrichtendienste nach dem Ende des Kalten Krieges haben die Lage für die Unternehmen erheblich verkompliziert.

Gerade wirtschaftlich starke Hightech-Nationen wie Deutschland sind immer stärker ins Visier ausländischer Staaten und Firmen geraten, die sich illegal Wissen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Technik beschaffen.

Besonders Staaten mit Technologierückstand sind häufig in Industriespionage verwickelt. Ihre Strategie: Anstatt Produkte teuer zu entwickeln oder zu lizenzieren, eignet man sich das Knowhow ausländischer Firmen an, die diese oder vergleichbare Produkte bereits herstellen. Dabei stehen oft Fertigungstechniken im Blickpunkt, mit denen kostengünstig Imitate hergestellt werden können.

Spionieren, ohne den Schreibtisch zu verlassen

Zum Einsatz kommt in der Wirtschaftsspionage das ganze Spektrum der Geheimdienste: von der Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen über Abhöreinrichtungen bis zu Satellitenaufnahmen. Auch bei Messen, Kongressen und Symposien wird immer wieder versucht, sich Material zu verschaffen.

Als große Gefahr gelten auch "Innentäter" – eigene Mitarbeiter, die Zugang zu wichtigen Informationen haben und von der Konkurrenz oder einem ausländischen Geheimdienst erpresst oder bestochen werden.

Dazu kommen Computerhacker von außerhalb, die sich durch Schadsoftware Zugang zu Firmennetzwerken verschaffen und sich so sensible Daten aneignen. Diese Form der Spionage ist sehr effizient, zudem ist die Gefahr, entdeckt und zur Rechenschaft gezogen zu werden, relativ gering.

Der lange Arm aus dem Reich der Mitte

Besonders Russland und China sind sehr aktiv im Bereich der Wirtschaftsspionage. In Russland sind die Mitarbeiter der Nachrichtendienste sogar dazu verpflichtet, durch Spionagetätigkeit die heimische Wirtschaft zu stärken.

In China arbeiten laut Verfassungsschutz mehr als eine Million Menschen für die Nachrichtendienste, deren offensive Methoden der deutsche Verfassungsschutz "mit Sorge" betrachtet. So sollen chinesische Agenten hinter den Trojanern stecken, die 2007 in die Netzwerke von Bundeskanzleramt, Wirtschafts- und Forschungsministerium sowie diverser Firmen eingeschleust wurden.

Auch der Großangriff auf den Internet-Giganten Google Anfang 2010 soll von chinesischen Nachrichtendiensten durchgeführt worden sein – auch wenn deren Regierung das bestreitet.

Die Verfassungsschützer raten zu erhöhter Vorsicht. Noch immer seien viele Firmennetzwerke nicht ausreichend gegen Cyber-Attacken gesichert. Doch auch im Bereich menschlicher Quellen ist China sehr aktiv: Immer wieder gibt es Fälle, in denen chinesische Werksstudenten oder Praktikanten sensible Daten in ihren Besitz bringen.

Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes am Flughafen in Peking.

Chinesische Agenten: drei von über einer Million

Proliferation – Beihilfe zum Massenmord

Proliferation bezeichnet die Weiterverbreitung von nuklearen, chemischen oder biologischen Massenvernichtungswaffen und der Produkte, die zu ihrer Herstellung nötig sind – einschließlich deren Trägertechnologie, sprich Raketen.

Besonders im Fall von Krisenländern wie Pakistan, Syrien, Nordkorea, Iran oder Indien kann die Verbreitung solcher Waffen schwere Folgen haben. In den meisten Fällen verfügen diese Länder nicht über die nötige Technik und das Knowhow, und versuchen sich diese mithilfe ihrer Geheimdienste illegal zu beschaffen. Ähnlich wie in der klassischen Wirtschaftsspionage kommen dabei Computer-Attacken sowie menschliche Quellen zum Einsatz.

Auch wissenschaftliche Einrichtungen und universitäre Institute, die sich mit den chemischen und physikalischen Grundlagen beschäftigten, sind Ziel von Spionage. Zudem wird versucht, die Produkte, die zur Herstellung der Waffen nötig sind, direkt zu beschaffen – entweder durch Bestechung der Lieferanten oder durch Vortäuschung falscher Tatsachen.

Es werden Tarnfirmen gegründet oder im Export unerfahrene Firmen angegangen, die möglicherweise mit den Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetzen nicht sehr vertraut sind. Besonders im Fokus sind Firmen, die sogenannte Dual-Use-Produkte herstellen, die sowohl friedlich als auch militärisch genutzt werden können.

Eine Hand in einem schwarzen Handschuh greift nach einer CD-ROM, die mit "geheim" beschriftet ist

Proliferation findet auf vielen Wegen statt

Autor: Ingo Neumayer

Stand: 20.03.2017, 12:00

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