Promi-Stalking – Wenn Liebe zu Hass wird

Ein Mann schreibt einen Liebesbrief.

Stalking

Promi-Stalking – Wenn Liebe zu Hass wird

Los Angeles, 1989: Robert John Bardo ist ein Fan der Schauspielerin Rebecca Schaeffer. Seit dem Beginn ihrer Karriere verfolgt er Schaeffer. Regelmäßig schreibt er ihr Briefe, auf einen antwortet die junge Frau. Doch ihr Fan will mehr. Er findet Schaeffers Adresse heraus und fährt zu ihr. Als die 21-Jährige die Tür öffnet, schießt Bardo ihr in die Brust.

Viele Prominente sind Opfer eines Stalkers

Der Tod von Rebecca Schaeffer löste in den USA eine Debatte darüber aus, wie mit Stalkern umgegangen werden sollte. Als Reaktion auf die Tat richtete die Polizei in Los Angeles eine Anti-Stalking-Einheit ein. Neue Gesetze wurden erlassen – erst in Kalifornien, dann in allen Bundesstaaten Nordamerikas.

Trotzdem blieb Rebecca Schaeffer nicht das einzige Opfer eines Fans, der zum Stalker geworden war. Etwa drei viertel aller Prominenten sind mindestens einmal in ihrem Leben Opfer eines Stalkers. Das sagt zumindest Jens Hoffmann, der das Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt leitet. Schon seit Jahren erforscht er das Stalking von Prominenten.

Menschen, die berühmt sind, werden oft zu Opfern von Stalking, da ihr Leben sich in der Öffentlichkeit abspielt. Viele Stalker können sich mit ihrem Star identifizieren. Sie halten ihr Idol für perfekt. Da er unerreichbar scheint, fühlen sich viele Stalker dazu ermutigt, den Kontakt zu ihrem Star zu suchen.

Auch in Deutschland gibt es relativ viele Fälle von Stalking von Prominenten. Doch nur wenige geraten an die Öffentlichkeit. Viele Prominente befürchten, sie könnten den Stalker provozieren oder andere zum Nachahmen motivieren.

Was unterscheidet den Stalker vom Fan?

Fans bringen in der Regel viel Zeit und Energie für den Menschen auf, den sie bewundern. Manchmal haben sie auch Gefühle für diese Person. Doch sie wissen, dass eine Liebesbeziehung zu ihrem Star immer ein Wunschtraum bleiben wird.

Stalker hingegen richten ihren ganzen Alltag auf den Prominenten aus. Sie distanzieren sich von ihrer Familie und ihren Freunden und beschäftigen sich nur noch mit dem Objekt ihrer Begierde. Stalker sind überzeugt davon, dass der Star, den sie anhimmeln, sie ebenfalls liebt.

"Mir ist ein Fall bekannt, bei dem ein Stalker mit gepackten Koffern vor der Tür einer Prominenten stand und einziehen wollte – in der festen Überzeugung, er sei ihr Ehemann", sagt Hoffmann.

Das erklärt, warum Stalker immer wieder versuchen, ihrem Idol nahe zu kommen. Sie glauben, sie hätten ein Recht dazu. Wenn es darum geht dieses Recht durchzusetzen, können Stalker sehr kreativ werden.

"Es kommt etwa häufig vor, dass Stalker sich Zugang zum persönlichen Umfeld des Prominenten verschaffen", sagt Hoffmann. Ein Stalker habe etwa den Job als Roadie in der Crew eines Musikers angenommen, um so seinem Idol nahe zu kommen.

Mit der Nähe steigt das Risiko für Übergriffe, die gewaltsam sind. Auch das unterscheidet den Stalker vom Fan. Fans wünschen ihrem Idol in der Regel nur Gutes. Bei Stalkern hingegen schlägt die Bewunderung leicht in Hass um. Einige wollen die Person, die sie verehren, verletzen oder sogar töten.

Wie Prominente mit Stalkern umgehen

Für Prominente, die Opfer eines Stalkers sind, kann der Alltag zu einer Belastung werden. Vor allem dann, wenn ungewiss ist, wer der Stalker ist. "Wenn ein Prominenter nicht weiß, ob sich der Stalker vielleicht im direkten Umfeld aufhält, ist das eine enorme psychische Belastung", sagt Jens Hoffmann.

Gleichzeitig warnt der Psychologe davor, den Stalker öffentlich zurückzuweisen. "Man darf einem Stalker nie das Gefühl geben, abgewiesen worden zu sein, denn das kann Enttäuschung und im schlimmsten Fall Gewalt provozieren", sagt Hoffmann.

Schwierig ist das vor allem für Prominente, die täglich viele Zuschriften erhalten, darunter auch Liebesbriefe. Es wäre jedoch falsch, würden die Prominenten auf die Kontaktversuche des Stalkers eingehen. Am besten ist es, sie zu ignorieren.

An einer Wand hängt ein Schild mit der Aufschrift Psychologe.

Oft hilft nur der Gang zum Therapeuten

Das sieht auch Jens Hoffmann so. "Stalker sind oft sehr unglückliche Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl", sagt er. Würden sie ignoriert, wendeten sich viele Stalker anderen Stars zu. Dies könne allerdings lange dauern, sagt Hoffmann. "Ich betreue Prominente, die bereits seit acht bis neun Jahren mit ein und demselben Stalker zu tun haben."

Ein Patentrezept für den Umgang mit Stalkern gibt es nicht. Jens Hoffmann rät Betroffenen, sich Hilfe von anderen zu holen. Menschen, die Oper eines Stalkers sind, sollten sich der Polizei oder Therapeuten anvertrauen – ob prominent oder nicht.

Autoren: Andrea Böhnke/Jennifer Dacqué

Stand: 04.08.2016, 10:00

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