Massierte Babys, zufriedene Babys

Ein Baby wird am Rücken massiert

Massagen

Massierte Babys, zufriedene Babys

Berühren, empfinden, sich näher kommen. Die Babymassage ist ein Gespräch ohne Worte zwischen den Eltern und ihrem Kind. Die Gesundheit des Nachwuchses profitiert davon: Die Berührungen können ihm helfen, zu verdauen, sich zu entspannen und einzuschlafen.

Der Ursprung der Babymassage

Die Tradition, Babys zu massieren, kommt vermutlich aus Indien. Über Generationen wurde dort die Technik, die auf den Lehren des Ayurveda aufbaut, von der Mutter an die Tochter weitergegeben. Der französische Gynäkologe Frederick Leboyer brachte die Kunst der "sanften Hände" Ende der 1970er Jahre nach Europa. Daraus entwickelten sich die westlichen Massagetechniken.

Die Amerikanerin Vimala Schneider entwickelte eine Methode, die die schwedische mit der indischen Massagetechnik sowie dem Yoga und der Reflexzonenmassage kombinierte. Die Methode wird bis heute angewandt.

Eine gute Massage ist kurz und intensiv

Babys können in der Regel ab der sechsten Lebenswoche massiert werden. Die Kleinen reagieren unterschiedlich auf die Massage. Während die Berührungen das eine Kind anregen, machen sie das andere müde und schläfrig.

Eine Babymassage dauert nicht lange: Zehn Minuten reichen häufig. Selbst für die Kinder, die an Massagen gewöhnt sind, ist oft schon nach einer Viertelstunde Schluss. Der Reiz für den kleinen Körper ist stark. Wenn das Baby nach wenigen Minuten zeigt, dass es ihm reicht, sollte darauf eingegangen werden.

"Babymassage ist ein bisschen wie Sport", sagt die Massagelehrerin Margit Holtschlag aus Düsseldorf. "Man kann nicht sofort durchstarten, die Massage sollte langsam aufbauen." Das bedeutet, die Massagezeiten sind zunächst kurz und werden dann allmählich verlängert. Ist ein Kind müde, gereizt oder krank, sollten seine Eltern es nicht massieren.

Ein Baby wird am Fuß massiert

Ein Babymassage sollte kurz und intensiv sein

Auf das Baby eingehen

Respekt vor dem kleinen Gegenüber: Das ist die oberste Regel für die Babymassage. Es sollte nie gegen den Willen des Babys massiert werden.

Wer nach der Methode von Vimala Schneider vorgeht, fragt das Kind vor jeder Massage um Erlaubnis. Dreht sich das Kind weg, möchte es demnach in Ruhe gelassen werden. Wendet es sich zu, streckt es die Hände und Füße entgegen, ist es offenbar für die Massage bereit.

Die Babymassage beginnt an den Beinen. Die Masseurin oder der Masseur umschließt je ein Fußgelenk mit der Hand und streicht – ruhig mit etwas Kraft – aufwärts zum Bauch.

Nach der Vimala-Schneider-Methode gibt es für jedes Körperteil Massagebewegungen, die jeweils sechsmal wiederholt werden. Die Griffe haben ungewöhnliche Namen wie "Wasserrad", "Baum" und "Sonnenmond". Sie wirken unterschiedlich: Während das Kneten der oberen Ohrmuschel das Baby anregt, beruhigt das Ausstreichen der Ohrläppchen.

Holtschlag empfiehlt, ein geruchsfreies Massageöl zu verwenden, damit das Kind nicht einen fremden Duft wahrnimmt, sondern den Geruch der massierenden Person – und diesen mit der Massage verbindet. Es empfiehlt sich zudem, das Öl zuvor in den Händen aufzuwärmen. Das ist angenehmer für das Kind.

Eine Mutter verreibt das Massageöl in den Händen.

Das Massageöl sollte kurz angewärmt werden

Durch Massagen entspannen lernen

Die Babymassagen sind gut für das Körpergefühl und fördern die Motorik des Kindes. Die Überkreuzbewegungen der Arme und Beine etwa regen die Nervenverbindungen des noch jungen Gehirns an. Die Berührungen trainieren die Reizverarbeitung und stärken das Immunsystem.

Schreibabys und Kinder mit Verdauungs- und Durchschlafstörungen können durch Massagen lernen, sich zu entspannen und sich im Tag-Nacht-Rhythmus besser zurecht zu finden.

Hat ein Kind starke Koliken, reicht eine auf Wellness ausgerichtete Babymassage oft nicht aus. Hier kann eine therapeutische Massage helfen, zu der die Eltern fachkundig angeleitet werden müssen.

Eine Massage ist Kommunikation ohne Worte.

Eine Massage ist Kommunikation ohne Worte

Massieren lässt sich lernen

Die Eltern brauchen keine ausgefeilte Technik, um ihr Baby zu massieren. Es gibt zahlreiche Bücher, die den Einstieg in die Babymassage erleichtern. Zudem bieten manche Hebammen oder etwa die Deutsche Gesellschaft für Babymassage Kurse an, die in Krankenhäusern, Volkshochschulen oder Familienbildungsstätten stattfinden.

Wer einen solchen Kurs besuchen will, sollte darauf achten, dass dieser nicht zu voll ist. Die Trainerin sollte genügend Zeit haben, sich um jeden individuell zu kümmern. Kursempfehlungen geben Hebammen und Kinderärzte. Die Kosten für die Kurse tragen die Eltern in der Regel selbst.

Autorin: Barbara Garde

Stand: 05.12.2017, 11:36

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