Ethik der Banken

Kursmakler sitzen im neu gestalteten Handelssaal der Wertpapierbörse in Frankfurt

Banken

Ethik der Banken

Von Lothar Nickels

Waghalsige Spekulationsgeschäfte ohne Risikodeckung gepaart mit Wirklichkeitsverlust sind Zutaten für die Finanzkrise 2007 in den USA. Die Folgen müssen wir alle tragen. Mit welchen Objekten gehandelt wird, scheint den Brokern an der Börse egal zu sein.
Ob Nahrungsmittel, Waffen oder Immobilien – all das sind Platzhalter in einem Spiel, bei dem es nur ein Ziel gibt: maximale Gewinnerwirtschaftung. Wer dabei auf der Strecke bleibt, hat Pech gehabt. Doch es gibt auch Alternativen, die zeigen, dass es auch anders geht.

Gewissenlose Geschäfte

Die US-Bankiers haben mit ihren Machenschaften um faule Kredite nicht nur den weltweiten Geldfluss ins Stocken gebracht. Sie haben auch dafür gesorgt, dass das Ansehen von Banken allgemein starken Schaden genommen hat. Das Vertrauen vieler Anleger ist nachhaltig gestört.

Moralische Grundsätze scheinen vielen Bankern abhandengekommen zu sein. Anders ist es kaum zu erklären, dass alten Menschen Wertpapiere mit extrem langen Laufzeiten verkauft wurden. Von verantwortungsvollem Beraten kann hier keine Rede sein. Solche skrupellosen Geschäfte sind Auswüchse eines menschenverachtenden Finanzwesens.

Alternativen in der islamischen Welt

Seit den 1970er Jahren hat sich in der islamischen Welt ein Finanzwesen entwickelt, das versucht, die Gier des Menschen auszubremsen. Beim sogenannten "Islamic Banking" gibt die Scharia vor, welche Geldgeschäfte erlaubt sind und welche nicht.

Im Koran finden sich etliche Verbote, die auch für die Arbeit der islamischen Banken heute gelten. Danach hat der Prophet Mohammed es untersagt, mit Geld Geld zu verdienen – also Zinsen zu verlangen. Das war im Judentum und Christentum ursprünglich auch so.

Im Laufe der Jahrhunderte – spätestens seit der Aufklärung – wurde das Zinsverbot immer mehr aufgeweicht. Weiterhin ist es gläubigen Muslimen nicht erlaubt, etwas zu verkaufen, das sie nicht tatsächlich besitzen und was noch nicht existiert. Es können also nur reale Produkte gehandelt werden.

Dazu zählen Derivate – Termingeschäfte, deren Preis oder Eintreten noch ungewiss ist – definitiv nicht. Denn diese hochspekulativen Geschäfte haben sehr viele Gemeinsamkeiten mit Glücksspiel oder Wetten. Beides ist im Islam verboten. In Unternehmen zu investieren, die mit Alkohol, Schweinefleisch oder Pornografie zu tun haben, ist ebenfalls tabu.

Geteiltes Risiko – geteilter Gewinn

Möchte ein Kunde nach islamischem Recht ein Haus kaufen, geht er nicht zur Bank, nimmt einen Kredit auf und zahlt ihn zurück. Es ist die Bank, die das Haus kauft, um es schließlich mit einem Aufschlag an den Kunden weiterzuverkaufen.

Dabei achtet die Bank sehr genau darauf, ob der zukünftige Besitzer finanziell dazu in der Lage ist. Denn beim Islamic Banking teilen sich beide Seiten das Risiko, aber auch den Gewinn eines Geschäfts. Deshalb müssen auch Unternehmen, die bei der Bank für ihre Investitionen Unterstützung suchen, über genügend Eigenkapital verfügen. Mit 30 Prozent liegt diese Sicherheit um einiges höher als im westlichen Finanzwesen.

Es seien genau diese und andere Regeln der Verantwortung, die die islamische Geldwelt nicht in den Strudel der westlichen Finanzkrise gezogen hätten, sagen die einen. Kritiker meinen aber, dass auch islamische Banken nicht verschont geblieben seien. Sie seien lediglich von ihren potenten Regierungen finanziell unterstützt worden.

Sie hegen auch Zweifel daran, dass islamische Banken wirklich ausschließlich nach der Scharia wirtschaften. Oft genug würde lukrativen Geschäften gerne der Mantel der Scharia umgehängt, um sie der gläubigen Kundschaft als moralisch einwandfrei zu präsentieren.

Trotz der – vielleicht berechtigten – Einwände hält das Islamic Banking einige Prinzipien bereit, die dem westlichen Bankwesen gut täten. Das Geschäft mit dem Geld würde kontrollierbarer und moralisch vertretbar.

Mit Geld Gutes tun

Einen ähnlichen Ansatz verfolgen sogenannte alternative Banken. Sie ordnen ihre Geschäfte der Nachhaltigkeit und Verträglichkeit für Mensch und Umwelt unter. Bei Instituten wie der Ethikbank, Umweltbank oder GLS Bank können Kunden Giro- und Tagesgeldkonten einrichten.

Darin unterscheiden sie sich nicht von konventionellen Banken. Sehr wohl aber bei der Verwaltung von Wertpapieren. Die alternativen Banken legen ihren Kunden nahe, ausschließlich in Unternehmen zu investieren, die sich mit ihrer sozial-ökologischen Anlagephilosophie decken.

Ein Beratungsgespräch in einer Filiale der PSD Bank Westfalen-Lippe

Alternative Banken ordnen ihre Anlagen der Nachhaltigkeit unter

Die Umweltbank nimmt es damit am genauesten: Wertpapiere, die einen fragwürdigen Hintergrund haben, gibt es hier nicht. Dazu gehören beispielsweise Aktien von Unternehmen, die Menschenrechte missachten oder die die Umwelt verschmutzen.

Auch Wertpapiere aus der Waffen- oder Atomindustrie stehen auf der "Schwarzen Liste". Dahinter steckt die Motivation, keine Firmen oder Projekte finanziell zu unterstützen, die der Gesellschaft oder der Natur schaden. Das Geld soll verantwortlich und nachhaltig angelegt werden – etwa in soziale Einrichtungen oder Umweltprojekte.

Stand: 20.07.2018, 15:00

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