Deutsche Entwicklungshilfe

Wirtschaft

Deutsche Entwicklungshilfe

Wasserversorgung in Nordafrika, erneuerbare Energie in Peru, Friedensinitiativen in Sri Lanka: Deutsche Entwicklungshilfe unterstützt viele verschiedene Projekte. Schon kurz nach Gründung der Bundesrepublik wandte Deutschland den Blick nach außen, um ärmeren Ländern zu helfen. Heute spricht man auf staatlicher Seite eher von Entwicklungszusammenarbeit als von -hilfe, betont Selbstverantwortung und Nachhaltigkeit. Bis zu dieser Politik war es jedoch ein langer Weg.

Darum geht's:

  • Seit den 1950ern gibt es in der BRD Entwicklungspolitik.
  • 1961: Gründung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.
  • Ziel: Förderung des Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern
  • 1982: Deutschland verändert seine entwicklungspolitische Haltung.
  • Man förderte den Markt und nahm Einfluss auf politische Strukturen.
  • 1992: Beschluss der Agenda 21
  • Zentraler Punkt: Nachhaltigkeit in der Wirtschafts- und Umweltpolitik
  • 2000: Beschluss von acht Milleniumsentwicklungsziele bis 2015.
  • Die Bilanz der Entwicklungsziele fällt ernüchternd aus.

Die Anfänge: Wachstum ist das Wichtigste

Anfang der 1950er Jahre gab es die ersten entwicklungspolitischen Aktivitäten der noch jungen Bundesrepublik. Damals leistete Deutschland einen finanziellen Beitrag zum "Erweiterten Beistandsprogramm der Vereinten Nationen". Zunächst waren wechselnde Ressorts für Entwicklungspolitik zuständig.

Im Jahr 1961 wurde das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gegründet. Ein eigenes Ministerium für entwicklungspolitische Fragen – das war neu in Europa. Erster Minister war der spätere Bundespräsident Walter Scheel.

In den 1950er und 1960er Jahren stand die Förderung des Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern im Vordergrund. Mit dem Wachstum, so glaubte man, würde auch der Wohlstand für die Bevölkerung kommen.

Bis 1973, als die Bundesrepublik und die DDR in die Vereinten Nationen aufgenommen wurden, galt in der Entwicklungspolitik außerdem die Hallstein-Doktrin.

Sie besagte, dass nur die Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches diplomatische Vertretungen im Ausland unterhalten dürfe. Nahm nun ein Entwicklungsland Beziehungen zur DDR auf, brach die Bundesrepublik in der Regel die entwicklungspolitischen Beziehungen zu ihm ab.

Erste Ernüchterung und neue Ziele

Anfang der 1970er Jahre stellte man fest, dass die wachstumsorientierte Entwicklungspolitik ihr Ziel oft verfehlte. Entweder kam es in vielen Entwicklungsländern gar nicht erst zu dem erwünschten Wachstum. Oder es profitierten nur Teile der Bevölkerung davon, andere blieben arm.

Die "Beseitigung absoluter Armut", wie es der Präsident der Weltbank Robert McNamara 1973 formulierte, wurde international zum neuen Ziel der Entwicklungspolitik.

"Krankheit, Analphabetentum, Unterernährung und Verwahrlosung" sollten beseitigt werden. Wissenschaftler bezeichnen diesen Ansatz, den auch Deutschland aufgriff, als "bedürfnisorientierte Politik".

Porträt der Entwicklungshilfeministerin Marie Schlei aus dem Jahr 1977.

Entwicklungshilfeministerin Marie Schlei 1977

Vor allem die erste Frau an der Spitze des BMZ, Marie Schlei, lenkte den Blick auch auf die Rolle der Frau im Entwicklungsprozess. Im Jahr 1982 schließlich verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Grundsatzerklärung zur Entwicklungspolitik.

Darin wurden unter anderem die Verwirklichung der Menschenrechte und die Unterstützung beim Aufbau demokratischer Strukturen zu wichtigen Zielen erklärt.

Markt und Politikdialog sollen es richten

Nach der politischen Wende 1982, bei der Helmut Kohl (CDU) nach einem konstruktiven Misstrauensvotum den sozialdemokratischen Bundeskanzler Helmut Schmidt ablöste, wandelte sich Deutschlands entwicklungspolitische Grundhaltung jedoch wieder.

Eine dunkel- und eine hellhäutige Hand umfassen sich im Handschlag.

Der "Politikdialog" war Mittel zur Einflussnahme

Die konservativ-liberale Koalition betonte die Bedeutung des Marktes stärker und förderte vermehrt privatwirtschaftliche Initiativen.

Um die Entwicklungszusammenarbeit wirksamer zu gestalten, setzte man auf "Politikdialog": Dabei versucht das Geberland Einfluss auf politische, wirtschaftliche und soziale Strukturen zu nehmen.

Nachhaltig und global

Nach der Wiedervereinigung musste die Bundesrepublik unter anderem die Abwicklung von DDR-Entwicklungshilfeprojekten übernehmen. Zusätzliche Länder wurden in die Liste der von Deutschland unterstützten Partnerländer aufgenommen, unter anderem osteuropäische und Länder aus Zentralasien.

Außerdem setzte sich seit den 1990er Jahren weltweit in der Entwicklungspolitik der Gedanke der Nachhaltigkeit immer weiter durch. Man erkannte, dass Armut die Ursache war für Umweltschäden, die wiederum Auswirkungen auf die gesamte Welt hatten, so zum Beispiel das Abholzen von Regenwald in Brasilien.

Das Foto zeigt kuppelförmige rauchende Holzkohleöfen, auf einem abgeholzten Waldgelände in Brasilien.

Im gerodeten Regenwald rauchen Holzkohleöfen

1992 wurde in Rio de Janeiro die Agenda 21 verabschiedet mit Zielen, die sowohl für die Industrie- als auch die Entwicklungsländer galten. Zentraler Punkt dabei war die Nachhaltigkeit in der Wirtschafts- und Umweltpolitik. Auf einer weiteren internationalen Konferenz in Kairo 1994 ging es um Bevölkerungsentwicklung.

Unter anderem wurde dort ein Programm verabschiedet, das allen Menschen den Zugang zu Aufklärung, Familienplanung und Gesundheitsvorsorge in der Schwangerschaft ermöglichen sollte. Beide Konferenzen prägten die Entwicklungspolitik der 1990er Jahre.

Millenniumsentwicklungsziele

Im Jahr 2000 kamen Vertreter von 189 Ländern in New York zu einer Versammlung der Vereinten Nationen zusammen. Aus den Ergebnissen dieses Treffens wurden anschließend die acht Millenniumsentwicklungsziele abgeleitet.

So wurde gefordert, bis zum Jahr 2015…

… den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, zu halbieren.

… allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen.

… die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern und die Rechte von Frauen zu stärken.

… die Kindersterblichkeit zu verringern.

… die Gesundheit der Mütter zu verbessern.

HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten zu bekämpfen.

… den Schutz der Umwelt zu verbessern.

… eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufzubauen.

Diese Ziele sind seither wesentliche Leitlinien für die deutsche Entwicklungspolitik.

Welche Ziele wurden erreicht? Eine Bilanz.

Die Bilanz im Jahr 2015 fällt ernüchternd aus. Nicht in allen Ländern und Regionen konnten gleichmäßig Fortschritte erzielt werden. Zudem bestehen oft große Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten.

Das große Ziel, den Anteil der extrem armen Menschen zu halbieren, wurde laut UN bereits vor Ablauf der Frist erreicht. Der prozentuale Anteil der Menschen, die in den Entwicklungsregionen von weniger als 1,25 US-Dollar am Tag leben sank von 47 Prozent im Jahr 1990 auf 22 Prozent im Jahr 2010.

Auch beim zweiten Ziel konnten wesentliche Fortschritte erzielt werden. 90 Prozent der Kinder weltweit erhalten eine Grundschulbildung. Mädchen haben zudem bessere Chancen eine Schule zu besuchen und auch bei der Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose wurden Fortschritte gemacht. Die Zielvorgaben für 2015 wurden dennoch nicht erreicht.

Der Großteil der anderen Zielvorgaben droht ebenfalls zu scheitern. Große Probleme bereitet es vor allem den weltweiten Hunger zu bekämpfen, die Gesundheit von Müttern zu verbessern und die ökologische Nachhaltigkeit zu sichern.

Trotz erheblicher Fortschritte in fast allen Punkten wurden die ehrgeizig gesteckten Ziele in den meisten Punkten nicht erreicht.

Autoren: Christina Lüdeke/Tobias Aufmkolk

Stand: 26.07.2017, 12:10

Darstellung: