Sechs Fragen zur deutschen Entwicklungshilfe

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Deutsche Entwicklungshilfe

Sechs Fragen zur deutschen Entwicklungshilfe

"Entwicklungszusammenarbeit will Menschen die Freiheit geben, ohne materielle Not selbstbestimmt und eigenverantwortlich ihr Leben zu gestalten und ihren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen", so umreißt Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel im Jahr 2010 die Ziele seines Ministeriums. Doch wie sieht die Umsetzung konkret aus? Planet Wissen hat die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entwicklungshilfe zusammengestellt.

Darum geht's:

  • ODA ist der Betrag, den ein Staat für Entwicklungshilfe ausgibt.
  • Alle Geberländer haben sich zu einem ODA von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens verpflichtet.
  • 2015 hat Deutschland 0,52 Prozent geleistet.
  • Die EU finanziert den Großteil aller Entwicklungsarbeit.
  • Deutschland unterstützt über 150 Länder in der Entwicklung.
  • Der Nutzen: stabile Weltwirtschaft und innere Sicherheit in Deutschland.
  • Selbst helfen kann man durch Spenden, in NROs oder als Freiwilliger vor Ort.

Wie viel Entwicklungshilfe leistet Deutschland?

8,541 Milliarden Euro stehen im Jahr 2017 im Haushaltsplan für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Doch der Haushalt des BMZ ist nicht identisch mit dem, was aus Sicht der OECD als staatliche Leistung für Entwicklungshilfe angerechnet wird. Die Maßeinheit hier nennt sich ODA, eine Abkürzung für den englischen Begriff "Official Development Assistance" (staatliche Entwicklungshilfe).

Darunter fallen alle staatlichen Leistungen für Entwicklungsländer direkt oder an internationale Organisationen, die sie wiederum zugunsten von Entwicklungsländern verwenden.

Um als ODA zu gelten, müssen diese Leistungen zu mindestens einem Viertel Zuschüsse sein, so dass sie also nicht zurückgezahlt werden müssen.

Diese Leistungen müssen aber nicht unbedingt vom Bund kommen. Auch Ausgaben der Länder oder Gemeinden fallen darunter.

So werden zum Beispiel teilweise die Kosten für Studierende aus Entwicklungsländern in Deutschland oder auch die Unterbringung von Flüchtlingen in Deutschland ebenfalls als ODA-Leistungen angerechnet.

Allein die Studienplatzkosten machen jährlich etwa acht Prozent der deutschen ODA aus. Insgesamt lagen die deutschen Netto-ODA-Leistungen im Jahr 2015 bei rund 16 Milliarden Euro.

Wie steht Deutschland als Geberland im internationalen Vergleich da?

Um die Entwicklungshilfe verschiedener Geberländer miteinander vergleichen zu können, setzt man die staatlichen Leistungen (ODA) ins Verhältnis zum Bruttonationaleinkommen. Das nennt man ODA-Quote. Im Jahr 2015 lag die deutsche ODA-Quote bei 0,52 Prozent und damit leicht über dem Durchschnitt der Geberländer.

In einem Seminarraum der Universität Karlsruhe sitzen Studierende aus aller Welt.

Auch Entwicklungshilfe: Studium für Ausländer

Bis 2015 haben sich alle Geberländer eigentlich zu einer ODA-Quote von 0,7 Prozent verpflichtet. Sie wurde in einigen europäischen Ländern 2011 bereits übererfüllt: In Schweden, Dänemark und Luxemburg lag sie bei knapp einem Prozent.

Die USA dagegen sind zwar Haupt-Geberland in absoluten Zahlen, ihre ODA-Quote lag 2013 aber nur bei 0,18 Prozent und damit deutlich entfernt von dem Millenniumsentwicklungsziel von 0,7 Prozent.

Bilaterale Entwicklungshilfe – was bedeutet das?

Darunter versteht man eine Entwicklungszusammenarbeit von Staat zu Staat. Die unterstützenden Gelder fließen direkt und nicht über eine internationale (multilaterale) Organisation wie die EU oder die Weltbank.

Weit mehr als die Hälfte der deutschen staatlichen Entwicklungshilfe wird auf bilateraler Ebene geleistet. So kann Deutschland seine eigenen Schwerpunkte bei der Entwicklungshilfe setzen.

Eine dunkelhäutige und eine hellhäutige Hand treffen sich in der Mitte bei einem jungen Baum.

Bei bilateraler Hilfe fließen die Gelder direkt

Etwa alle zwei Jahre gibt es Regierungsverhandlungen zwischen Mitgliedern der Bundesregierung und den einzelnen Partnerländern. Darin werden Struktur und Umfang der Zusammenarbeit verbindlich festgelegt.

Aber auch im Rahmen der EU oder bei den internationalen Organisationen ist der deutsche Beitrag wichtig: Insgesamt finanzieren die EU und die EU-Mitgliedsstaaten zusammen genommen etwa 60 Prozent der Entwicklungszusammenarbeit weltweit.

Wo hilft Deutschland?

Im Jahr 2016 hatte das BMZ 68 Partnerländer in fünf Regionen. Allein 24 dieser Länder liegen in der Region südlich der Sahara und zählen größtenteils zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt, so zum Beispiel Senegal, Äthiopien oder Malawi.

Aber auch Staaten in Mittel-, Ost und Südosteuropa werden gefördert, vor allem die neuen Balkanstaaten.

Ziel im Nahen Osten und Nordafrika ist vorwiegend, die Kluft zwischen Europa und der arabischen Welt zu überwinden und den demokratischen Aufbruch zu unterstützen.

Lateinamerika und die Karibik sind wichtige Partner unter anderem beim Klimaschutz.

Die asiatischen Länder betrachtet das BMZ sehr differenziert: Sie sind sehr unterschiedlich entwickelt und weisen auch wirtschaftlich ein sehr unterschiedliches Wachstum auf. In den asiatischen Projekten geht es vorwiegend darum, die Entwicklung ökologisch tragfähig und sozial ausgewogen zu gestalten.

Die deutsche Hilfe beschränkt sich jedoch nicht auf diese 68 Partnerländer. Zum einen erhalten insgesamt rund 150 Entwicklungsländer und -gebiete Leistungen aus der weltweiten Gebergemeinschaft. In deren Institutionen – wie zum Beispiel der Weltbank – fließen ja auch deutsche Gelder.

Eine Lehrerin unterrichtet eine große Gruppe kleiner Kinder in einer Schule ohne Tische oder Bänke.

Malawi zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern

Außerdem können auch Nicht-Regierungsorganisationen beim BMZ Zuschüsse und Fördergelder für ihre Projekte beantragen. Diese wiederum müssen nicht zwangläufig in einem der Partnerländer liegen.

Im Gegenteil: Häufig nutzt das BMZ die Chance, über Projekte der NROs indirekt auch in Ländern tätig werden zu können, mit denen Verhandlungen auf Regierungsebene schwierig wären.

Warum tut Deutschland das überhaupt alles?

Vor dem Hintergrund von Terrorismus und Bürgerkriegen in vielen Ländern sieht das BMZ Entwicklungszusammenarbeit als eine Methode an, um Sicherheit und Stabilität auch in Deutschland zu gewährleisten.

Für die Exportnation Deutschland ist aus der Sicht des Ministeriums außerdem eine stabile Weltwirtschaft wichtig, daher nütze es auch Deutschland, wenn Krisen in Afrika oder Asien verhindert werden könnten.

Auch Umweltprobleme können nur global gelöst werden. Wenn in Entwicklungsländern zum Beispiel durch fossile Brennstoffe viel Kohlendioxid produziert wird, hat das negative Auswirkungen auf das Weltklima und kann nicht nur als nationale Angelegenheit abgetan werden.

Die Schwarz-Weißfotografie zeigt einen sogenannten Rosinenbomber nach dem Zweiten Weltkrieg in Berlin, der von einer Menschenmenge erwartet wird.

Auch Deutschland bekam Entwicklungshilfe

Außerdem führt das BMZ gleich eine doppelte moralische Verpflichtung für Deutschland als Begründung für seine Arbeit an: Zum einen die Verantwortung des Starken, dem Schwachen zu helfen und ihn zu unterstützen.

Zum anderen eine historische Verpflichtung: Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland über den Marshallplan selbst Empfänger von Unterstützung in Milliardenhöhe.

Ich will ja auch helfen. Was kann ich tun?

Gerade in der Entwicklungshilfe kann jeder Einzelne einen Beitrag leisten. Das fängt im Alltag schon an, beispielsweise über den Kauf fair gehandelter Produkte.

Man kann auch bei einer der zahlreichen Nichtregierungsorganisationen mitarbeiten oder an sie Geld spenden und dadurch die Projekte unterstützen, die einem selbst sinnvoll erscheinen.

Ein Einkaufswagen mit Fairtrade-Produkten.

Schon beim Einkauf kann der Einzelne helfen

Noch mehr engagieren kann man sich als Freiwilliger, der vor Ort für eine begrenzte Zeit in einem Projekt mitarbeitet. "asa" und "weltwärts" heißen die Programme für junge Erwachsene.

Menschen im Ruhestand können über den Senior Experten Service (SES) ein Stück ihrer beruflichen Erfahrung weitergeben. Für Schüler gibt es ENSA, ein spezielles Austauschprogramm mit Schulen in Entwicklungsländern.

Autorin: Christina Lüdeke

Weiterführende Infos

Stand: 26.07.2017, 13:50

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