Auf der Suche nach ein bisschen Rendite

Ein Sparschwein steht auf dem Kopf

Geldanlegen im Zinstief

Auf der Suche nach ein bisschen Rendite

Von Anke Fricke

Was Banken und Sparkassen derzeit ihren Anlegern für Tagesgeld, Sparbriefe und Festgeld bieten, ist mehr als mickrig. Oft gleicht der Ertrag des Geldes kaum die Inflationsrate aus. Dennoch: Ein Vergleich der Angebote lohnt sich.

Seit die Europäische Zentralbank mit billigem Geld die krisengeschüttelte europäische Wirtschaft ankurbeln will, ist es um den deutschen Sparer schlecht bestellt: Er muss sich mit Renditen abgeben, die oft eine Null vor dem Komma haben. Lohnt sich das Sparen überhaupt noch?

Immer einsatzbereit: Die eiserne Reserve

Bevor man Geld anlegt, müssen die Unwägbarkeiten des Lebens abgesichert sein. Idealerweise sollte jeder zwei bis drei Monatseinkommen - mindestens 5.000 Euro - als eiserne Reserve im Rücken haben. Damit ist man gut gerüstet, wenn plötzlich die Waschmaschine kaputt geht, eine neue Brille her muss oder das Auto nicht mehr fahren will. Denn keine Geldanlage kann die Kosten eines teuren Dispokredits kompensieren. Da der "Notgroschen" jederzeit verfügbar sein sollte, gehört er auf ein Tagesgeldkonto, das bei den meisten das klassische Sparbuch abgelöst hat.

Tagesgeld: Nur wenige bieten mehr als ein Prozent

Zahlen eines Kontoauszugs mit einem Stift

Zinszahlungen schrumpfen immer mehr

Beim Tagesgeld machen sich die Zinssenkungen auf breiter Front bemerkbar. Die Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest wertet fortlaufend die Angebote deutscher Institute und ausländischer Banken mit deutschen Webseiten aus. "Nur die Top-Institute bieten Mitte Februar noch eine Eins vor dem Komma", fasst Uwe Döhler, Anlageexperte der Stiftung Warentest die Marktlage zusammen. Die besten Angebote finden sich ausschließlich im Internet, wer Online-Banking ablehnt, muss sich derzeit mit weniger als einem Prozent zufriedengeben. Die meisten Sparkassen und Volksbanken bewegen sich laut Döhler mit ihren Zinsversprechen Richtung Nulllinie. Schon der 20. im Ranking von "Finanztest" bietet lediglich noch 0,8 Prozent.

Die besten Angebote für Tagesgeld
BankZinssatz in Prozent
PSA Direktbank1,5
Sberbank Direct1,3
Moneyou1,05
NIBC Direct1,05
CosmosDirekt1,05
(Quelle: Finanztest, Stand 19.02.2015)

Beim Top-Anbieter PSA Direktbank handelt es sich um ein klassisches Lockangebot: Die französische Bank, die zum Autokonzern Peugeot und Citroen gehört, will auf dem deutschen Markt Fuß fassen. Das derzeitige Zinsversprechen ist auch nur noch bis Ende Februar garantiert. "Danach muss man sehen, wie hoch das Anschlussangebot ausfällt", sagt Döhler.

Festgeld zu zwei Prozent

Wer sein Kapital in nächster Zeit nicht braucht, kann es für ein oder mehrere Jahre fest anlegen. "Für einjährige Anlagen ist derzeit die Obergrenze bei 1,4 bis 1,5 Prozent, bei zweijährigen bei 1,5 bis 1,7 Prozent", sagt Döhler. Bei Dreijährigen finden sich Mitte Februar noch einige Institute, die immerhin Zinsen mit einer Zwei vor dem Komma bieten. Dabei handelt es sich um zwei Töchter russischer Banken, Sberbank Direct und VTB Direktbank. Diese fallen nicht unter die EU-Sanktionen gegen Russland, haben ihren Sitz in Wien und unterliegen damit der österreichischen Einlagensicherung.

Höhere Zinsen nur gegen Risiko

Porträt Uwe Döhler

Finanzexperte Uwe Döhler

Ins Ranking von "Finanztest" kommen grundsätzlich nur Institute, die der Einlagensicherung der Europäischen Union unterliegen. Die Zeitschrift listet derzeit allerdings keine Banken aus Bulgarien, Estland und Lettland auf, obwohl sie verlockende Konditionen aufweisen. Grund: "Finanztest" ist skeptisch, dass diese Länder im Falle einer Bankeninsolvenz die EU-Vorgaben schnell und problemlos umsetzen können. "Es nützt nichts, wenn ich bei einer Insolvenz zwar einen Rechtsanspruch auf mein Geld habe, aber länger darauf warten muss", begründet Döhler den Ausschluss.

Auch die Verbraucherzentrale NRW ist skeptisch, wenn Banken weit über dem Durchschnitt liegende Zinsen anbieten. "Dahinter stecken entweder Lockangebote oder aber ein höheres Risiko", erklärt Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. Während bei Ersterem lediglich die Gefahr besteht, künftig mit Werbung überhäuft zu werden, kann bei Instituten mit schlechterer Bonität das Geld ganz oder teilweise verloren gehen.

Anleihen und Indexfonds

Als absolut sicher gelten deutsche Bundesanleihen, die sich aber aktuell nicht lohnen. "Sie rentieren sogar im negativen Bereich", sagt Döhler. Seit die Bundesregierung die früher beliebten Bundesschatzbriefe abgeschafft hat, müssen Privatanleger Bundesanleihen über die Börse kaufen - mit den üblichen Gebühren. Und auch bei Anleihen - egal ob von anderen Staaten oder Unternehmen gilt: mehr Rendite gibt es nur für Risiko.

Standardbild Börse

Ein bisschen Risiko kann fast jeder

Wer allerdings ein wenig mehr wagt, sollte in Aktien investieren. Die Verbraucherzentrale NRW rät Börseneinsteigern zu sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs). Diese kopieren die Zusammensetzung eines Börsenindizes beispielsweise des Deutschen Aktienindex (DAX) oder auch des MSCI World-Index, der die Kursbewegungen von mehr als 1.600 internationalen Aktien abbildet. Damit können Anleger an der Entwicklung der Börsen teilhaben, ohne sich auf eine Aktie festzulegen. Zudem fallen im Vergleich zu normalen Aktienfonds geringere Kosten an.

Edelmetalle mit Risiko behaftet

Zur Vorsicht mahnt die Verbraucherzentrale NRW dagegen bei Investments in Gold, Silber oder Platin. Edelmetalle bieten keine Zinsen oder Dividenden, Gewinne machen Anleger nur, wenn der Kurs steigt. Bestes Beispiel dafür ist der Goldkurs: Nachdem er zehn Jahre lang gestiegen war, brach er 2013 um ein Drittel ein. "Wer in Edelmetallen investiert, sollte das nur mit einem kleinen Anteil am Gesamtvermögen machen", sagt Finanzexperte Scherfling. Auch bei den derzeit stark beworbenen Wind- und Solarparks, Schifffonds oder Waldinvestments sollten sich Anleger den damit verbundenen Gefahren bewusst sein. Hier droht im schlimmsten Fall der Verlust des angelegten Geldes.

Der Rat der Experten

Ein Strumpf mit Geldscheinen und Münzen

Zurück zum Sparstrumpf?

Wohin also mit dem Geld? Zurück unters Kopfkissen, wie die Großeltern es gemacht haben? Keine gute Alternative. Das mögliche Verlustrisiko durch Diebstahl oder Zerstörung ist beim heimischen Horten nicht zu unterschätzen. Solange die Zinsen so niedrig sind, empfehlen die Finanzexperten eine breite Streuung über unterschiedliche Produktklassen und Laufzeiten. So bleibt man flexibel und kann bei Zinsänderungen mit einem Teil des Geldes reagieren, sichert sich bei weiter fallenden Renditen für den anderen Teil das derzeitige Niveau.

Die viel diskutierten negativen Zinsen für Geldanlagen drohen Sparern aber noch nicht. "Strafzinsen" richten sich bislang lediglich an institutionelle Investoren mit sehr hohen Anlagesummen. Aber wann sich der Wind dreht und es mit den Zinsen wieder aufwärtsgeht, mag niemand mehr prognostizieren. "Wir sagen schon seit Jahren, die Zinsen können eigentlich nicht weiter fallen. Doch sie sind trotzdem weiter gesunken", sagt Verbraucherberater Scherfling.

Stand: 23.02.2015, 00:00

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