Gemüse der Zukunft

Kampf um Nahrungsmittel

Gemüse der Zukunft

Von Tanja Fieber und Doris Tromballa

Das Gemüse der Zukunft könnte die Alge werden. Es gibt etwa 200 essbare Arten. In Asien weiß man die Nährstoffpakete bereits seit langem zu schätzen. Was hat die Alge zu bieten?

Algen könnten das Gemüse der Zukunft werden

Während Algen bei uns einen leichten Ekel-Faktor wie etwa Insekten haben, sind sie in Asien seit langem ein beliebtes, traditionelles Lebensmittel. Noch sind Frischalgen als Gemüse ein Nischenprodukt in Europa. Doch die Nachfrage steigt.

An der Ostseeküste in Dänemark kultivieren zwei Biologen seit 2012 an langen Seilen das Meeresgemüse. Vier Tonnen Algen verkauften die beiden Dänen im ersten Jahr, inzwischen sind es schon zehn Tonnen.

  • Vorteil: Algen stecken voller Eiweiß und Vitamine und können leicht im Meer angebaut werden. Sie sind nach der Ernte sofort verzehrfertig.
  • Nachteil: Leichter Ekel-Faktor

Gemüse-Anbau: Stadtfarm und ...

Ansonsten wird es beim Gemüse künftig wohl beim Anbau spannend. Die Stadtfarm ("Urban Farming") könnte sich in Großstädten ausbreiten. Vorbild ist die US-Stadt Detroit, wo auf Dachterrassen, Balkonen und in Vorgärten großflächig Gemüse angebaut wird.

Die Idee wurde aus der Not geboren: Nach dem Niedergang der ortsansässigen Automobilbranche geriet die Stadt in eine Wirtschaftskrise und ging pleite. Jobs und Supermärkte verschwanden, die Lebensmittel wurden knapp. Doch die Bewohner von Detroit gaben nicht auf und krempelten die Ärmel hoch.

  • Vorteil: Anbau in der Stadt, individuelle Auswahl und Eigeninitiative möglich.
  • Nachteil: Die Anbaubedingungen spielen eine große Rolle (Klimazone, Bodenbeschaffenheit, Unwetter).
Urban Gardening - Gemüseanbau auf dem Balkon.

Urban Gardening – Gemüseanbau auf dem Balkon

... Turmgewächshäuser

Das so genannte "Vertical Farming" (zu deutsch: "senkrechte Landwirtschaft") setzt dagegen auf Turmgewächshäuser, bei dem Gemüse im großen Stil in Hochhäusern angebaut wird. In Singapur wurde 2014 eine kommerzielle "Vertikalfarm" in Betrieb genommen.

  • Vorteil: Durch den geschlossenen Kreislauf beim Anbau wird deutlich weniger Wasser verbraucht und weniger Dünger eingesetzt. Die Entwicklung der LED-Lampe könnte die Beleuchtung in den Turmgewächshäusern revolutionieren und viel Energie sparen.
  • Nachteil: Der Anbau ist meist noch recht teuer.

Einschätzung Professor Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin

Beim Gemüse-Anbau sieht Professor Hauner vor allem in Asien ein großes Wachstumspotenzial für Algen. Bei uns und in großen Ballungsräumen könnten Stadtfarmen ("Urban Farming") an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung von "Vertical Farming" sei dagegen schwer vorherzusehen, weil die Methode noch sehr teuer sei, meint der Ernährungsmediziner. Eines sei für Forscher aber ganz klar: Das Essen der Zukunft solle gesünder werden.

Stand: 19.09.2018, 08:59

Darstellung: