Wirtschaften nach System "D" in Westafrika

Schattenwirtschaft

Wirtschaften nach System "D" in Westafrika

Vier von fünf Menschen in Nigeria arbeiten im informellen Sektor: Sie zahlen keine Steuern, sind nicht abgesichert, kurbeln aber trotzdem die Wirtschaft ihrer Länder an - mit dem "System D".

Wirtschaften nach "System D"

In vielen Ländern Afrikas wird nach "System D" gewirtschaftet. "System D" steht für "selbstständig" und "pfiffig" (französisch "débrouillard") oder für "sich durchwurschteln" (französisch "se débrouiller").

80 Prozent aller Geschäfte in Nigeria werden nicht verbucht, vier von fünf Menschen arbeiten informell, das heißt: Sie sind nicht registriert, zahlen keine Steuern, sind nicht abgesichert, kurbeln aber trotzdem die Wirtschaft ihrer Länder an.

Welche Probleme haben die Kleinunternehmer?

Kleinhändler in Lagos kämpfen mit ständigen Stromausfällen. Die marode Infrastruktur belastet die Wirtschaft spürbar: Stromausfälle kosten 0,5-2 Prozentpunkte des Wirtschaftswachstums, sagt Professor Michael Grimm, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Passau.

Kredite können sich viele Afrikaner nicht leisten, weil die Banken 20 bis 25 Prozent Zinsen monatlich verlangen und eine sehr schnelle Tilgung.

Aber auch Krankheiten sind ein ernstzunehmendes finanzielles Risiko für Kleinunternehmer. Eine Malaria-Behandlung beispielsweise kostet in Burkina Faso umgerechnet etwa vier Euro. Das entspricht einem Einkommen von drei Tagen.

Trotzdem haben bisher nur fünf Prozent der Kleinunternehmer in Burkina Faso eine Krankenversicherung abgeschlossen. Ein Grund dafür ist der Aberglaube vieler Menschen. Sie denken, dass man Krankheiten nicht einplanen darf, sonst zieht man sie an.

Mikrokredite und Krankenversicherungen

Burkina Faso und Nigeria: Zwei westafrikanische Länder mit florierender Schattenwirtschaft und unterschiedlichen Voraussetzungen für informelle Kleinunternehmer. In Burkina Faso gibt es eine staatliche Unterstützung in Form von Mikrokrediten und eine Krankenversicherung, die die Menschen absichert.

Die Vergabe von Krediten könnte sich auch Nigeria leisten. Das Land ist einer der größten Erdölexporteure und hat damit in den vergangenen 30 Jahren wohl weit mehr als 280 Milliarden Dollar eingenommen.

Doch das Geld kommt beim Großteil der Bevölkerung und bei den meisten Kleinunternehmern nicht an: kein Strom, keine Infrastruktur, keine Wirtschaftshilfe und keine Kredite.

Dabei würden Kredite und Investitionen in die Infrastruktur afrikanischer Länder den Kleinhändlern mehr helfen als die klassische Entwicklungshilfe, die oft nur Regierungen die Taschen füllt.

Das behindert den Aufschwung in diesen Staaten, der derzeit vor allem von den kleinen, pfiffigen Unternehmern mit den großen Ideen ausgeht.

Autoren: Tanja Fieber/Jan Kerckhoff

Stand: 25.11.2016, 15:00

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