Unternehmensinsolvenz

Geschlossene Schlecker-Filiale

Schulden

Unternehmensinsolvenz

Pleite und Insolvenz müssen nicht das Ende eines Unternehmens bedeuten. Manchmal sind sie auch ein neuer Anfang. Selbst Traditionsunternehmen sind nicht vor dem wirtschaftlichen Untergang gefeit. Manche verschwinden für immer, andere behalten nur ihren Namen, und manche schaffen einen Neustart.

Pfaff – Nähmaschinen und modernste Technik

Der Name Pfaff war lange Zeit das Synonym für Qualität und moderne Technik. Die Arbeitsplätze in Kaiserslautern galten als sicher und das Unternehmen für Nähmaschinen florierte.

In den 1980ern begann der Anfang vom Ende des Traditionsunternehmens, wenn auch in einem schleichenden Prozess. Damals waren rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt, Ende der 1990er arbeitete nur noch knapp ein Drittel davon bei der Firma.

1999 musste Pfaff zum ersten Mal Insolvenz anmelden. Dann gab es immer wieder hoffnungsvolle Monate und Jahre – trotzdem ist der Neustart langfristig nicht gelungen.

2008 stand das Unternehmen erneut vor der Pleite. Alle Versuche, Pfaff auf Vordermann zu bringen, schlugen fehl – weder eine neue Geschäftsleitung noch staatliche Subventionen oder ein Neubau konnten die Firma vor der Pleite retten. Schließlich ging das Unternehmen in die Insolvenz.

Nach der Insolvenz meldeten verschiedene Investoren ihren Wunsch an, das Unternehmen zu übernehmen. Der mittelständische Maschinenbauunternehmer Joachim Richter aus Konken bekam am Ende den Zuschlag. Damit rettete ein Pfälzer das rheinland-pfälzische Unternehmen.

Seit dem 16. April 2009 trägt das von Richter übernommene Unternehmen den Namen "Pfaff Industriesysteme und Maschinen AG". Mit 160 Mitarbeitern startete er im Kaiserslauterer Stammwerk Industrienäh- und Textilschweißmaschinen erneut die Produktion.

Im März 2013 wurde das komplette Unternehmen an den chinesischen Nähmaschinenhersteller Shanggong Group Co., Ltd. verkauft.

Arbeiter vor dem Haupttor der Firma Pfaff

Nach schweren Zeiten hat es der Nähmaschinenhersteller Pfaff geschafft

Schiesser – Feinripp im Niedergang?

135 Jahre lang stattete das Unternehmen Schiesser deutsche Männer und Frauen mit Unterwäsche aus. Wer kennt nicht die weißen Unterhosen und Unterhemden, die das Wort "Feinripp" in den Sprachgebrauch brachten.

Die Menschen vertrauten der Marke Schiesser – stand sie doch für langlebige, solide Qualität. Dennoch geriet die Firma 2007 aufgrund einer fehlerhaften Software für Bestellungen in Turbulenzen und musste schließlich 2009 Insolvenz anmelden.

Verschiedene Investoren wurden für das Unternehmen gehandelt, es gab immer wieder neue Ansätze, Schiesser zu retten. Zwischenzeitlich war sogar der deutsche Modedesigner Wolfgang Joop im Gespräch, der als Kreativdirektor das Unternehmen neu erfinden sollte.

Auch von einem Börsengang war die Rede, der allerdings nie stattfand. Trotz aller Turbulenzen bekam der Insolvenzverwalter am Ende das Unternehmen aus der Insolvenz heraus, sodass Schiesser 2010 neu starten konnte.

Der Unterwäschehersteller schreibt mittlerweile wieder schwarze Zahlen, hat einen neuen Marktauftritt und ein neues Image entwickelt. Nur der Börsengang wurde vollständig abgesagt. Bestandteil des Börsenplans war, dass Wolfgang Joop dem Unternehmen als Kreativdirektor zur Seite steht. Doch der sprang ab, weil der neue Marktauftritt ohne ihn entwickelt wurde und er für sich keine kreativen Möglichkeiten mehr sah.

Dennoch schaffte es Schiesser auch ohne Joop, sich neu zu etablieren. 2012 wurde die Firma dann an das israelische Unternehmen Delta Galil verkauft. Mit dem so eingebrachten Kapital konnten die Forderungen der Gläubiger vollständig beglichen werden.

Wolfgang Joop vor dem Firmenemblem von Schiesser

Wolfgang Joop sollte bei Schiesser einsteigen

Märklin – Mit der Modelleisenbahn in die Sanierung

Märklin ist der Name für Modelleisenbahnen. Was vor mehr als 150 Jahren begann, entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit von einer kleinen Fabrik für Blechspielzeug zu einem global bekannten Unternehmen.

Grundstein für den weltweiten Erfolg des schwäbischen Unternehmens sind die originalgetreuen Nachbildungen unterschiedlicher Schienenfahrzeuge. Über die Jahrzehnte schlich sich das Unternehmen in die Herzen der kleinen und großen Eisenbahnliebhaber und wurde zum Inbegriff für Modelleisenbahnen.

Aber die Wirtschaftskrise ging auch an Märklin nicht vorbei. Trotz einer langen Erfolgsgeschichte strauchelte Märklin und musste schließlich 2009 Insolvenz anmelden.

Insolvenzverwalter Michael Pluta setzte auf Unternehmenssanierung. Er verhandelte mit den Banken und anderen Gläubigern und entließ rund 430 Mitarbeiter, um die Kosten des Unternehmens zu senken. Nach zwei Jahren gelang ihm die Sanierung.

Die Inhaber der Firma waren die früheren Gläubiger, die Märklin so lange in ihren Händen behalten wollten, bis auch die letzten Schulden abgebaut waren. Damit gelang dem Insolvenzverwalter letztlich eine Sanierung ohne neue Investoren und frisches Kapital. Das ist selten und ungewöhnlich.

Im März 2013 übernahm der Fürther Spielwarenkonzern Simba-Dickie schließlich das Traditionsunternehmen. Damit ist die Zukunft Märklins bis auf Weiteres gesichert.

Drei Märklin-Eisenbahnen

Die Märklin-Eisenbahnen fahren weiter

Bauknecht – Kühlschränke mit Tradition

1919 entwickelte Gottlob Bauknecht in seiner eigenen kleinen Werkstatt einen speziellen Nähmaschinenmotor für die Textilindustrie. Das war der Beginn des Traditionsunternehmens.

1933 entstand in Stuttgart das erste Bauknecht-Werk. Von da an baute der Unternehmer seine Firma immer weiter aus. Bauknecht hat das alltägliche Arbeiten im Haushalt kontinuierlich verbessert und vertreibt mittlerweile weltweit Spülmaschinen, Waschmaschinen und andere Haushaltsgeräte.

1976 starb der Firmengründer und hinterließ die Firma seinen Söhnen. Ihnen gelang es nicht, Bauknecht zu halten. Falsche Investitionen im Ausland und geschäftliche Fehlentscheidungen sorgten schließlich dafür, dass man einen Vergleich beantragen musste und die Deutsche Philips AG das Unternehmen wenige Monate später übernahm.

1989 wurde Bauknecht an das US-Unternehmen Whirlpool weiterverkauft, das weiterhin in Schorndorf und im Saarland Standorte betrieb. Anfang 2012 übernahm ein Automobilzulieferer aus Friedrichshafen das Werk in Neunkirchen – aus den Mitarbeitern, die bislang dort gearbeitet haben, wurden per Umschulung Experten für Fahrzeuggetriebe.

Frau in einer Produktionshalle von Waschmaschinen

Mit der Firma Bauknecht ging es seit den 1970ern stetig bergab

Salamander – Schuhe für Millionen

Salamander gibt es seit 1904. Seitdem besitzt das Unternehmen ein eingetragenes Warenzeichen für Schuhwerk. Gegründet wurde es als kleine Ein-Mann-Firma von dem Schuhmacher Jakob Sigle im schwäbischen Kornwestheim. Wenige Jahre später kam sein Kompagnon Max Levi dazu, und gemeinsam brachten sie das Unternehmen schnell zum Erfolg.

Das Wahrzeichen des Traditionsunternehmens ist ein kleiner schwarzer Lurch. Für die Kinder wurde später noch das Symbol Lurchi entwickelt, eine Comicversion des ursprünglichen Logos, das als monatliches Heftchen die Kunden begeistern sollte. Mitte des 20. Jahrhunderts war Salamander Europas größte Schuhmanufaktur und stattete Millionen von Menschen mit Schuhen aus.

Anfang der 1990er kam das Unternehmen durch sein Engagement in Osteuropa in finanzielle Schwierigkeiten. Die Schuhproduktion wurde nach und nach geringer – die Gewinne sanken. Deshalb musste der Konzern im Jahr 2000 an die EnBW (Energie Baden-Württemberg AG) verkauft werden.

Davon erholte sich Salamander offenbar nie ganz und konnte über die Jahre sein Verlustgeschäft bei seinem Kernprodukt, den Schuhen, nicht verringern. 2004 schließlich musste die Firma Insolvenz anmelden.

Es folgten der Verkauf an EganaGoldpfeil, wieder eine Insolvenz und schließlich der Verkauf an die Schuhgruppe Ara. Deren Geschäftsleitung brachte 2010 in einem Joint-Venture zusammen mit dem Unternehmen Tamaris eine neue Lurchi-Kollektion für Kinder auf den Markt. Die Marke hat sich etabliert und seitdem ist die Firma wieder auf Erfolgskurs.

Salamander-Filiale in Frankfurt am Main

Bei Salamander läuft's wieder

Schlecker – Ein Riese geht in Konkurs

Zur wohl größten und spektakulärsten Firmeninsolvenz in Deutschland kam es Anfang 2012. Die Drogeriemarktkette Schlecker war am Ende. Rund 25.000 Mitarbeiter bekamen die Kündigung, die noch existierenden 5400 Märkte wurden geschlossen.

Zu Boom-Zeiten waren es rund 11.000 Filialen in Deutschland gewesen. Dazu kamen die Schlecker-Auslandstöchter und die Kette "Ihr Platz".

Das Unternehmen hatte schon ab 2003 gekränkelt; jegliche Versuche, es zu modernisieren und den angekratzen Ruf zu verbessern, kamen zu spät. Auch eine Teilrettung der Kette scheiterte. Was blieb, waren rund 22.000 Gläubiger und Forderungen in Milliardenhöhe, tausende Arbeitslose sowie leer stehende Ladengeschäfte.

Autorin: Petra Haubner

Stand: 12.07.2017, 15:23

Darstellung: