Resistente Keime

Resistente Keime

Wie gefährlich sind die Bakterien?

Resistente Keime

Staphylococcus aureus kommt fast überall in der Natur vor. Ein Drittel der Menschen tragen den Keim auf der Haut und im Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann sich der Keim ausbreiten. Auf der Haut verursacht er relativ harmlose Entzündungen. Gelangt er aber in den Körper, kann es zu gefährlichen Muskelerkrankungen, Lungenentzündung, Wundinfektionen oder im schlimmsten Fall sogar zu einer tödlichen Blutvergiftung kommen. Das große Problem bei der Behandlung einer Staphylokokken-Infektion ist, dass viele Varianten Methicillin-resistent (MRSA) sind und dadurch nahezu alle Antibiotika wirkungslos bleiben! (Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig)

Staphylococcus aureus kommt fast überall in der Natur vor. Ein Drittel der Menschen tragen den Keim auf der Haut und im Nasen-Rachen-Raum, ohne zu erkranken. Erst wenn das Immunsystem geschwächt ist, kann sich der Keim ausbreiten. Auf der Haut verursacht er relativ harmlose Entzündungen. Gelangt er aber in den Körper, kann es zu gefährlichen Muskelerkrankungen, Lungenentzündung, Wundinfektionen oder im schlimmsten Fall sogar zu einer tödlichen Blutvergiftung kommen. Das große Problem bei der Behandlung einer Staphylokokken-Infektion ist, dass viele Varianten Methicillin-resistent (MRSA) sind und dadurch nahezu alle Antibiotika wirkungslos bleiben! (Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig)

Streptokokken der Gruppe A besiedeln die Haut und den Rachenraum bei gut einem Drittel der Bevölkerung ohne Krankheitssymptome auszulösen. Eine Gefahr stellen die Keime erst dann dar, wenn sie, durch einen Einstich, bei Immunschwäche oder auch durch offene Wunden in den Körper gelangen. Kommt es zu einer Infektion, so verursacht dieses Bakterium Mandel- und Hautentzündungen, Lungenentzündung oder auch Karies. Zu den gefährlichen Folgen einer Infektion zählt eine rheumatische Herzerkrankung und bei allen Infektionen kann es zu einer lebensbedrohlichen Sepsis kommen. Die Bakterien produzieren ein Zellgift, das Gewebe angreift.

Streptococcus mutans ist eine Variante der Streptokokken, die im Speichel zu finden ist und den wichtigsten Erreger der Karies darstellt. Sie haben die Fähigkeit sich mithilfe von Zuckern, die sie aus dem Speisebrei bilden, an den Zahnschmelz anzuheften. Dort erzeugen sie einen Biofilm, den man als Zahnplaque bezeichnet. Außerdem können diese Bakterien den Säurewert des Speichels senken, was den Zahnschmelz zusätzlich angreift. Eine gute Mundhygiene ist die beste Prophylaxe, um diese Bakterien im Zaum zu halten. Verschiedene Mittel erschweren das Anheften der Bakterien an den Zahnschmelz. Auch wenn Antibiotika grundsätzlich ansprechen, so muss der Plaque mechanisch entfernt werden, da Antibiotika den Biofilm nicht durchdringen können. (Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig)

Clostridium difficile ist normalerweise ein harmloser Darmbewohner. Er kommt vermehrt in Krankenhäusern und Altenheimen vor, wird über Fäkalien übertragen. Wie der Name schon vermuten lässt, ist dieser Keim aber nicht ungefährlich und gegen bestimmte Antibiotika resistent. Bei einer Antibiotika-Behandlung werden die meisten Darmbakterien abgetötet, die resistenten Clostridium difficile-Stämme jedoch nicht. Sie vermehren sich stark und bilden ein Gift, das zu schweren bis tödlich verlaufenden Durchfallerkrankungen führen kann.

Das in der Kurzform als EHEC bekannte Bakterium ist die gefährliche Variante eines harmlosen Darmbewohners namens Escherichia coli, das beispielsweise für die Vitamin K-Produktion wichtig ist. Es gibt verschiedene pathogene und somit für den Menschen gefährliche E. coli-Stämme. Das enterohämorrhagische E. coli-Bakterium, kurz EHEC, ist hoch infektiös und wird meist durch verunreinigte Nahrung übertragen. So können beispielsweise Varianten des EHEC, die für Rinder ungefährlich sind, über das Fleisch zum Menschen gelangen.
EHEC produziert ein Gift, das heftige Entzündungen im Darm auslöst und zu schweren Durchfallerkrankungen führt. Außerdem kann es das Blutsystem angreifen, Blutgerinnsel hervorrufen, die die Gefäße verstopfen und als Folge auch zu Nierenschädigungen oder sogar zum Tod durch Nierenversagen führen. Auch wenn Antibiotikaresistenzen bestehen, gibt es wirkungsvolle Mittel zur Behandlung von EHEC. Dennoch wird die Behandlung mit Antibiotika nur in der Anfangsphase der Infektion genutzt, um die Anzahl der Keime zu reduzieren. Bei einer späteren Antibiotikabehandlung kann es durch eine verstärkte Produktion des Toxins allerdings zu Komplikationen kommen. (Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig)

Salmonellen sind Verwandte von Escherichia coli und kommen ebenfalls im Darm von Menschen und Tieren vor. In Deutschland ist vermutlich jeder Fünfte Salmonellenträger. Die hartnäckigen Keime überleben auch außerhalb des Körpers lange Zeit. Eine Infektion kann über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser, über den Verzehr von Fleisch infizierter Tiere oder über Kot von Mensch zu Mensch stattfinden. Meist kommt es zu schweren Durchfallerkrankungen, die insbesondere für kleine Kinder und geschwächte Personen gefährlich sein können. Immer mehr Stämme tragen inzwischen Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika. Bei manchen Stämmen wirken gar keine Antibiotika mehr!

Pseudomonas aeruginosa ist ein sehr widerstandsfähiges Bakterium, das fast überall in der Umwelt vorkommt. Problematisch ist dieser Keim im Krankenhaus. Gelangt Pseudomonas durch Katheter oder Beatmungshilfen in den Körper kann es zu schweren und oft sogar tödlich verlaufenden Infektionen führen. Hartnäckig kann es sich im Körper halten und vor dem Immunsystem verstecken. Der Trick des Bakteriums: Es lagert sich mit vielen anderen Bakterien zusammen, bildet eine Schleimschicht und wird dadurch auch durch Antibiotika nicht angreifbar. Einige Pseudomonas-Stämme sind außerdem resistent gegen Antibiotika wie Ampicillin. (Bildrechte: Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig)

Sie sind die häufigsten Verursacher von Durchfallerkrankungen. Das Bakterium Campylobacter jejuni wird über verunreinigte Lebensmittel oder Trinkwasser vom Tier auf den Menschen, oder auch von Mensch zu Mensch durch Schmierinfektion übertragen. Der Keim bildet ein Gift, das neben Durchfall auch zu Bauchschmerzen, Fieber und Erbrechen führt. Es wurden bereits Bakterienstämme mit Resistenzen gegen mehrere Antibiotikagruppen beschrieben. Glücklicherweise ist eine Therapie mit speziellen Antibiotika noch möglich, meist jedoch gar nicht notwendig. Viele dieser Bakterieninfektionen können nämlich auch symptomatisch behandelt werden und heilen nach einer Weile auch ohne Antibiotika aus.

Klebsiellen sind Bakterien, die im Boden, in Gewässern und auf Getreide vorkommen. Als Bewohner des Magen-Darm-Traktes ist Klebsiella pneumoniae medizinisch relevant und ein gefährlicher Krankenhauskeim, der Infektionen der Harn- und Atemwege verursacht. Besonders gefürchtet sind Stämme, gegen die Antibiotika machtlos sind. Die starke Resistenzbildung kommt dadurch zustande, dass ein Bakterium sein Resistenzgen direkt an das benachbarte Bakterium weitergeben kann.
Ein in den Medien als Superkeim bezeichneter Klebsiella-Stamm (NDM-1) kommt vermehrt in Ländern wie Indien vor und ist gegen fast alle Antibiotika resistent. Dies macht eine Behandlung des Erkrankten unmöglich und kann das Todesurteil bedeuten.

Auch wenn Acinetobacter als Bakterium im Boden vorkommt und dort wichtige Aufgaben bei der Mineralisierung übernimmt, so sind Unterarten wie Acinetobacter baumannii vor allem als gefährliche Krankenhauskeime bekannt. Sie werden im Krankenhaus durch mangelnde Hygiene übertragen und führen zu Wundinfektionen, Lungenentzündung und Meningitis. Um die Verbreitung von besonders gefährlichen multiresistenten Acinetobacter-Stämmen einzudämmen, müssen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden, da Antibiotikatherapien nicht mehr wirksam sind.

Stand: 13.08.2018, 09:28 Uhr

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