Marrakesch – die Perle des Südens

Blick über das Treiben auf dem Platz Jemaa el Fna.

Marokko

Marrakesch – die Perle des Südens

Generationen von Reisenden hat die Stadt in ihren Bann gezogen. In der Stadt der Berber und Nomaden trifft orientalische Tradition auf moderne Lebensart, eine Mischung, die das kulturelle Leben der Stadt stets beflügelt hat.

Die Stadt der Hippies

Vom Zauber des exotischen Anderen berauscht, ließen sich schon im 19. Jahrhundert Künstler wie Eugène Delacroix und Henri Matisse in Marrakesch nieder. Später folgten auf ihren Spuren Dichter der Hippie-Generation. Auf ihrer Suche nach Wahrheiten, die über den Rationalismus der westlichen Welt hinausgingen, ließen sie sich von den Düften und Klängen der fremden Kultur umgarnen. Nicht wenige fanden auf ihrer Reise durch das mystische Marrakesch ihren Weg zum Islam.

Neben Indien und Afghanistan entwickelte sich Marokko Mitte der 1960er Jahre zu einem der beliebtesten Reiseziele der Hippies. Marrakesch nannten sie die "Stadt der vier Farben": blau für den Himmel, weiß für die schneebedeckten Berggipfel in der Ferne, rot für die Mauern der mittelalterlichen Befestigungsanlagen und grün für die Palmenhaine am Rande der Stadt.

Neben der exotischen Kultur war auch das große Angebot an Marihuana ein Grund für die Beliebtheit des Landes bei den Blumenkindern. Marokko war und ist auch heute noch einer der weltweit größten Produzenten der Droge.

Die Stadt der Jetsetter

Mitte der 1970er Jahre wurde der konservativen Führungsschicht des Landes das Treiben zu bunt. König Hassan reagierte mit verschärften Einreisevorschriften gegen den nicht enden wollenden Andrang der Blumenkinder.

Der Innenhof eines traditionellen Stadthauses mit Springbrunnen im Zentrum.

Im Innenhof eines Riads befindet sich immer ein Springbrunnen

Heute füllen Bustouristen aus dem nahegelegen Strandort Agadir die Stadt. Und auch so mancher Rucksacktourist träumt von den vergangenen Zeiten der Ruhe und spirituellen Besinnung. Die finden heute nur noch betuchte Aussteiger und Rentner in den Innenhöfen teuerer Hotels und stilvoll sanierter Altstadtvillen.

Immer mehr Ausländer lassen sich sogar dauerhaft in Marrakesch nieder. Tausende Franzosen, Belgier, Schweizer und Deutsche haben sich in der zinnenbewehrten Medina (Altstadt) schon einen Riad, ein mehrstöckiges Altstadthaus mit prächtig gekacheltem Innenhof gekauft.

Auch der internationale Jetset hat die Stadt für sich entdeckt. Mittlerweile besitzen Naomi Campbell, Madonna, Mick Jagger und viele andere Häuser in der Stadt. Doch was zieht all die Künstler, Stars und Weltenbummler nach Marrakesch? Was macht die Stadt so einzigartig?

Die Stadt der Berber

Im Gegensatz zu den arabischen Städten des Nordens ist Marrakesch eine Gründung der Berber. Das Wort für Stadt in der Berbersprache ist "mraksch". Nicht nur im Namen, sondern auch in der besonderen Architektur der Stadt spiegelt sich dieses Erbe wider. Einige Straßenzüge der Medina scheinen sich in ihrem Verlauf an den Bauten der berberischen Oasensiedlungen zu orientieren.

Auch der Platz Jemaa el Fna in der Innenstadt ist einmalig in Marokko. Eine derartige Platzarchitektur kommt so in keiner der arabisch geprägten Städte des Nordens vor. Der dreieckige Platz, dessen Name übersetzt "Versammlungsort der Toten" bedeutet, wurde ursprünglich als Hinrichtungsstätte genutzt. Die konservierten Köpfe der Hingerichteten wurden noch monatelang auf dem Platz zur Schau gestellt.

Ein Feuerspucker spuckt eine große Flamme aus.

Ein Feuerspucker auf dem Platz Jemaa el Fna

Heute ist der Platz wegen des bunten Treibens von Händlern, Musikern, Gauklern und Feuerspuckern bei Touristen sehr beliebt. Auf dem Jemaa el Fna wird deutlich, dass die Kultur der Berber trotz der Vorschriften des Korans viel Platz für Spiel, Lust und Selbstdarstellung bietet. Dass dieses Märchen aus 1001 Nacht zu einem nicht geringen Teil extra für die Touristen inszeniert ist, stört die wenigsten.

Die Stadt der Könige

Als eine der vier Königsstädte Marokkos bietet Marrakesch dem Besucher eine Vielzahl beeindruckender Paläste und Moscheen. Bei einem Spaziergang durch die Medina kann der Besucher viele dieser geschichtsträchtigen Bauten bewundern und sich von der legendären Aura der Stadt verzaubern lassen.

Eines der wichtigsten Gebäude in der Medina ist für viele Muslime die Moschee Be Yousouf. Sie wurde im Jahr 1120 unter dem gleichnamigen Sultan fertiggestellt.

Ihr direkt gegenüber liegt die Koubba Barudiyn, ebenfalls aus dem Jahr 1120. Ursprünglich war die Koubba Barudiyn das Zentrum einer Brunnenanlage für die Waschungen der Gläubigen vor dem Gebet. Nachdem der Bau jahrhundertelang unter Schutt verborgen lag, wurde er erst 1948 wieder freigelegt. Dies hatte die Erhaltung des Gebäudes in seiner ursprünglichen architektonischen Ausführung zur Folge und macht es für Kenner der arabischen Architektur extrem bedeutsam.

Altes Tor mit dem Minarett der Koutoubia-Moschee im Hintergrund.

Das alte Tor vor der Koutoubia-Moschee

Nur etwa 150 Meter von diesen beiden Gebäuden entfernt, liegt die Medersa Ben Youssouf. Diese schon Mitte des 14. Jahrhunderts gegründete Koranschule stellte erst 1960 ihren Lehrbetrieb ein. Heute ist die restaurierte Medersa mit ihrem wunderschönen hölzernen Portal und den zahlreichen Kachelmosaiken für Besucher geöffnet. Überragt wird die gesamte Medina vom Minarett der Koutoubia-Moschee – einem der Wahrzeichen Marokkos, das jeder Besucher gesehen haben sollte.

Doch nicht nur zur Ehre Allahs, auch zur Demonstration ihrer eigenen Größe ließen die Herrscher Marrakeschs gewaltige Bauwerke errichten. Von der Macht der ehemaligen Herrscher kündet der hinter den Mauern des Kasbah-Viertels gelegene Palais el Badi. Die einst größte Palastanlage Marokkos wurde Ende des 16. Jahrhunderts aus Stampflehm errichtet. Heute sind nur noch Reste des einstigen Glanzes erhalten.

Die Überreste des einst so prächtigen Palais el Badi.

Im Innenhof des Palais el Badi gibt es heute Kulturveranstaltungen

Ein weiterer imposanter Bau innerhalb der Mauern des Kasbah-Viertels ist die Kasbah-Moschee, deren Minarett mit kunstvollen Rautenmotiven und Kachelmosaiken dekoriert ist. An der dem Minarett gegenüberliegenden Seite der Moschee befindet sich der Eingang zu den Saadier-Gräbern. Erst 1917 von den Franzosen wiederentdeckt, zeugt diese schönste Grabanlage Marokkos vom Reichtum seiner einstigen Herrscher.

Heute bilden sich vor den Toren des Mausoleums lärmende Touristenschlangen. Doch erst einmal geblendet von der prunkvoll mit Gold verzierten Grabstätte, fühlt sich der Besucher zurückversetzt in die Zeit der Sultane und Konkubinen.

Die Stadt der Händler und Handwerker

Nicht nur die Hinterlassenschaften der einstigen Herrscher sind für den Besucher von Marrakesch sehenswert. Auch das Leben der einfachen Bevölkerung ist von einer faszinierenden Andersartigkeit. Wohl deshalb sind auch die Souks zu einer der Hauptattraktionen der Stadt avanciert. In den engen Marktgassen mit ihren kleinen Läden und Werkstätten werden noch heute viele Produkte des täglichen Lebens auf traditionelle Art und Weise hergestellt.

Ein Blick in eine der engen Marktstraßen der Altstadt.

Die Marktgassen sind oft mit Holzbrettern oder Stoff abgedeckt

Das Warenangebot ist bis auf den heutigen Tag weitgehend nach Vierteln geordnet, so weiß jeder Käufer, wo er seinen Bedarf an Gewürzen, Lebensmitteln oder Kleidung decken kann.

Besonders in den Abendstunden lohnt es sich für Touristen, einen Ausflug in dieses Getümmel zu wagen und mit den Händlern um die besten Preise zu feilschen. Ob nun billige Souvenirs für die Lieben zu Hause oder exquisite Einrichtungsgegenstände für das neue Haus in der Medina: Orientalischen Flair gibt es in jeder Preisklasse zu erwerben.

Autorin: Katrin Tonndorf

Stand: 23.08.2016, 10:00

Darstellung: