Nordseekrabben

Männer beim Krabben pulen in einer Halle in Tanger.

Marokko

Nordseekrabben

Warum treiben Nordseekrabben die marokkanische Wirtschaft an?

Die globalisierte Weltwirtschaft macht es möglich. Weil das Pulen hierzulande zu teuer ist, schicken große Anbieter von Nordseekrabben ihre Fänge zum Pulen nach Marokko und lassen sie dort zu Dumpinglöhnen weiterverarbeiten.

Ein Zentrum zur Verarbeitung von Nordseekrabben ist das marokkanische Tanger. Hier werden die kleinen Meerestiere tonnenweise von ihrer Schale befreit, bevor sie sich wieder auf die lange Heimreise gen Norden machen.

Eigentlich kennt man die Tiere in Marokko gar nicht, aber die Arbeiterinnen haben das Pulen mittlerweile perfektioniert. Bezahlt werden sie nach Menge und so kommen sie auf etwa sechs Euro Tageslohn. Diese geringen Lohnkosten sind der Grund, warum es sich für deutsche und niederländische Unternehmen lohnt, ihre Krabben 2500 Kilometer über die Weltmeere zu schippern.

Dieses Wirtschaftsmodell funktioniert nur, solange die Kosten für den Transport gering sind. Der steigende Ölpreis und politische Bestrebungen zum Klimaschutz könnten folglich dafür sorgen, dass Krabben bald wieder dort gepult werden, wo sie herkommen.

Ein mit Phosphat beladener Güterzug.

Phosphat wird in riesigen Mengen transportiert

Was in Deutschland Umweltschützer begeistert, würde für die Arbeiterinnen in Tanger den Verlust ihrer Arbeit bedeuten. Zum Glück sind die Krabben nicht die einzige wichtige Einnahmequelle Marokkos. Neben der Landwirtschaft ist vor allem der Bergbau eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Das Land ist reich an Bodenschätzen und besitzt Vorkommen an Phosphat, Blei-, Mangan-, Zink-, Kobalt-, Kupfer- und Eisenerzen sowie Steinkohle, Erdöl und Erdgas.

Neben den USA und China ist Marokko der wichtigste Exporteur von Phosphat weltweit. Der vorwiegend für die Düngerproduktion verwendete Stoff wird in der Region um die Stadt Khouribga abgebaut und über die Häfen von Casablanca und Safi in alle Welt verschifft. Auch der Tourismus wird als Einnahmequelle immer wichtiger. Vor allem Europäer machen sich auf, die Strände von Agadir zu bevölkern und die Gassen von Marrakesch zu entdecken.

Autorin: Katrin Tonndorf

Stand: 23.08.2016, 10:00

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