Tunnelbohrmaschinen

Ein riesiger runder Bohrkopf ist durch eine Steinmauer gebrochen, auf dem Geröll steht ein Bauarbeiter

Tunnel

Tunnelbohrmaschinen

"Gabi" und "Trude" fressen sich durch den Untergrund: Die beiden Tunnelbohrmaschinen zählen zu den größten und modernsten der Welt.

Mit "TRUDE" unter der Elbe durch

Kürzere Wege sowie die Entlastung der Erdoberfläche und von Verkehrs-Nadelöhren sind beim Tunnelbau das vorrangige Ziel. Mit "TRUDE" (Tief Runter Unter Die Erde), einer der größten Tunnelbohrmaschinen der Welt, wurde deshalb von 1997 bis 2000 die vierte Röhre des Elbtunnels gegraben. Rund 2,5 Kilometer weit musste sich "TRUDE" bei diesem spektakulären Tunnelbau-Projekt unter der Elbe durchfressen.

Die Mega-Tunnelbohrmaschine mit einem Gewicht von mehr als 2000 Tonnen räumte dabei knapp 600.000 Kubikmeter Sand, Geröll und Stein aus dem Weg. 14 Meter Durchmesser hatte Trudes riesiges Schneidrad, das mit 111 Schälmessern und 31 Rollenmeißeln bestückt war. Sie sorgten dafür, dass alle Hindernisse im Untergrund überwunden werden konnten – von Schlick über lehmhaltige Böden bis zu Weich- und Hartgestein.

Bereits vor Baubeginn war mithilfe von akustischen Reflexmessungen das geologische Profil der geplanten Trasse unter der Elbe hindurch ermittelt worden. Sogar die Lage von Findlingen oder Störzonen war den Ingenieuren und Technikern bis ins Detail bekannt.

Zwischen sieben und 13 Metern Erde hatte die Maschine über sich. Das abgebaute Material wurde durch die 60 Meter lange Maschine hindurch nach hinten weg und an die Erdoberfläche gepumpt. Findlinge konnte ein Steinbrecher direkt hinter dem Schneidrad in transportfähige Stücke zerkleinern.

Blick auf die Elbe in Hamburg mit den Landungsbrücken.

"TRUDE" fraß sich unter der Elbe durch

Mit "Gabi" durch den Gotthard

Bei einer Tunnelbohrmaschine für Hartgestein, also Fels, fällt ständig Abbruchmaterial an. Das von den Meißeln abgeschlagene Felsgestein fällt in ein Schaufelrad und wird über ein Förderband durch die Maschine nach draußen gefahren. Die Tunnelbohrmaschine ist eine komplette Fabrik unter Tage: Die gesamte Materialzufuhr zur Versorgung der Maschine und der Abtransport des Abraummaterials läuft durch die Maschine hindurch.

Das neu entstandene Tunnelstück wird sofort gesichert, entweder mit halbrunden Baustahlmatten, die die Maschine über Kopf montiert oder – falls erforderlich – mit sogenannten Felsankern, die mit zwei unabhängig manövrierbaren Bohrgestellen gleich hinter dem Bohrkopf rundum in den Fels gebohrt werden können.

Während die Maschine vorne bohrt, spuckt sie hinten Beton. Im "Nachläufer", dem hinteren Teil des Tunnelbohrers, befindet sich ein Betonspritzroboter. Bei den Gotthard-Maschinen "Gabi I" und "Gabi II" sitzt er 60 Meter hinter der Stahlmattenmontage. Die vorne montierten Bewehrungsmatten werden hier mit einer Schicht aus Spritzbeton überdeckt.

In anderen Situationen ist es erforderlich, die Röhre mit Stahlringen zu sichern oder durch sogenannte Tübbinge. Das sind Betonfertigteile, mit denen die Röhre rundum ausgekleidet wird. Die Tübbinge werden in der Maschine nach vorne gefahren und dann von einem Roboter gegriffen, der sie an der richtigen Stelle an die Wand setzt und befestigt.

Viele Tunnelbohrmaschinen wurden unter Tage aus bis zu 90.000 Einzelteilen zusammengesetzt. Diese "Unter-Tage-Fabriken" bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 40 Metern pro Tag vorwärts.

Tunnelbohrmaschine vor der Einfahrt in die Röhre.

"Gabi" ist eine komplette Fabrik unter Tage

Autorin: Ulrike Wilhelm

Weiterführende Infos

Stand: 13.08.2018, 13:00

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