Düsseldorf – Japans deutsche Hauptstadt

Japanisches Kleinod in Düsseldorf 03:08 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Deutsch-japanische Beziehungen

Düsseldorf – Japans deutsche Hauptstadt

Von den rund 30.000 Japanern, die in Deutschland leben, haben sich mehr als 7000 in Düsseldorf niedergelassen. Dazu sind in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt mehr als 490 japanische Firmen mit ihren Niederlassungen vertreten.

Japanische Wirtschaftsmetropole am Rhein

Nachdem sich im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts erst einmal Hamburg mit seinem bedeutenden Überseehafen und Berlin als Hauptstadt des damaligen Deutschen Reichs zu den wichtigsten Knotenpunkten deutsch-japanischer Beziehungen entwickelt hatten, erlangte nach dem Zweiten Weltkrieg Düsseldorf eine noch wichtigere Stellung.

Japan benötigte zum Wiederaufbau und zur Ankurbelung der heimischen Wirtschaft Rohstoffe, Maschinen und Fachwissen aus Deutschland. Die Industrie, die diese Güter produzierte, war damals zum großen Teil im Ruhrgebiet ansässig und Düsseldorf galt als der "Schreibtisch des Ruhrgebietes".

Auf dem Bürgersteig vor einem japanischen Restaurant sieht man japanische Passanten.

Japanisches Restaurant in Düsseldorf

In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt wurden viele wichtige Entscheidungen getroffen. Außerdem saßen dort die Firmenzentralen einiger bedeutender Industriekonzerne. Düsseldorf bot sich damit als idealer Standort für japanische Firmen und Firmenvertretungen an.

Nachdem 1952 die ersten japanischen Wirtschaftskundschafter an den Rhein gekommen waren, um den Standort Düsseldorf in Augenschein zu nehmen, ließ sich schon drei Jahre später das japanische Unternehmen Mitsubishi in der Stadt nieder. Der Beginn einer intensiven Zuwanderung war die Folge, begünstigt durch den Sonderstatus der Japaner, die in Deutschland hohen sozialen Status genießen und in der Regel keine besondere Arbeitserlaubnis benötigen.

Heute haben sich in der Düsseldorfer Region rund 490 japanische Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen niedergelassen, darunter Unternehmen aus der Elektrotechnik, aus der Chemie und aus dem Maschinen- und Fahrzeugbau. Es gibt auch viele japanische Dienstleistungsunternehmen in der rheinischen Metropole, die aus der Werbe- und Finanzbranche kommen. Es sind aber vor allem die vielen japanischen Einzelhandelsbetriebe und die japanischen Restaurants, die dem Straßenbild Düsseldorfs ostasiatisches Flair geben.

Ein Stück Japan mitten in Düsseldorf

Heute leben und arbeiten circa 7000 Japaner in Düsseldorf. Um sich ein Stück Heimat am Rhein zu schaffen, wurde schon 1964 der Japanische Club gegründet, der über 5500 Mitglieder zählt und zu den größten Vereinen der Stadt zählt. Der elitäre Club hilft japanischen Neuankömmlingen bei offenen Fragen und Problemen sowie bei der Eingewöhnung in die neue Heimat am Rhein.

Ein Jahr später, 1965, wurde in Düsseldorf ein japanisches Konsulat eröffnet, das mittlerweile zum Generalkonsulat aufgewertet wurde. Wegen der großen Zahl japanischer Unternehmen kam dann 1966 noch die japanische Industrie- und Handelskammer hinzu, die sich speziell um die Belange der japanischen Betriebe kümmert.

Natürlich kamen viele Japaner nicht alleine an den Rhein, sondern brachten ihre Familien mit. Für den Nachwuchs wurde daher 1971 eigens eine japanische Schule eingerichtet, die nach dem japanischen Schulsystem gegliedert ist. Dort werden um die 600 Mädchen und Jungen von Lehrkräften unterrichtet, die aus Japan nach Deutschland entsandt wurden. Für die Vorschulkinder der japanischen Gemeinde in Düsseldorf stehen mittlerweile vier Kindergärten zur Verfügung.

Damit sich die vielen Japaner in Düsseldorf so richtig wie zu Hause fühlen, gibt es eine Ikebana-Schule (Blumensteckkunst), einen eigenen Golfclub, eine Bonsaiwerkstatt, einen Origami-Treff (Papierfaltkunst), eine Samurai-Gruppe und einige Karaoke-Bars. Mitten in der Innenstadt entstand 1978 das "Deutsch-Japanische Center".

Der große Komplex, der im fernöstlichen Baustil errichtet wurde, beheimatet neben vielen japanischen Firmen auch die japanische Industrie- und Handelskammer, das japanische Generalkonsulat, eine Zweigstelle der berühmten japanischen Warenhauskette Mitsukoshi, ein Büro der Japan Airlines, ein 600-Betten-Hotel und einige japanische Restaurants.

Deutsch-japanische Begegnung am Rhein

Wegen der Sprach- und Kulturunterschiede und der oftmals nur begrenzten Aufenthaltsdauer von fünf Jahren in Deutschland kommen Beziehungen zwischen Deutschen und Japanern nur schleppend in Gang. Viele Japaner leben fast wie in ihrer eigenen kleinen Welt in Düsseldorf. Als wichtige Einrichtung für die Förderung von Kontakten dient die Deutsch-Japanische Gesellschaft, die 1964 gegründet wurde.

Als Zeichen der Dankbarkeit für die Gastfreundschaft der Düsseldorfer finanzierte und errichtete die japanische Gemeinde 1975 einen japanischen Garten. Die 5000 Quadratmeter große Parkanlage ist ein exotisches Stück Düsseldorf geworden, das von vielen Bürgern zur Erholung genutzt wird.

Inmitten einer japanischen Gartenanlage mit Teich steht ein Hauskomplex, der in traditionellem japanischen Pagodenstil erbaut ist.

Das EKO-Haus der japanischen Kultur

Ein Zentrum des Kulturaustausches ist das "EKO-Haus der japanischen Kultur". Es ist der einzige von Japanern erbaute buddhistische Tempel in Europa. Finanziert wurde die große Anlage, die neben dem Tempel noch aus einem Kindergarten und aus einer Bibliothek besteht, von einem japanischen Großindustriellen. Der Unternehmer Yehan Numata ist der Begründer einer Organisation, die sich um die Verbreitung buddhistischer Lehren und die Völkerverständigung bemüht.

Die Tempelanlage ist zu einer deutsch-japanischen Begegnungsstätte geworden. Dort werden Ausstellungen veranstaltet, es finden Lesungen und Konzerte statt. Außerdem werden Kurse abgehalten, bei denen man einen Einblick in die japanische Blumensteckkunst (Ikebana), die Schönschreibkunst und die Geheimnisse japanischer Teezeremonien bekommt. Auch Meditationsübungen stehen auf dem Programm.

Die Tempelanlage wurde als Holzhaus im typisch japanischen Stil erbaut und 1992 eröffnet. Der 30 Meter lange und 17 Meter hohe Bau umfasst auch einen Glockenturm, der von japanischen Zimmerleuten errichtet wurde, die eigens auf den Tempelbau spezialisiert sind. In der Silvesternacht wird die in Japan gegossene Glocke 108 Mal geläutet, um die nach buddhistischer Lehre bestehenden 108 menschlichen Leiden zu vertreiben.

Umgeben ist die Tempelanlage von einer zweiteiligen Gartenanlage, die aus einem typischen japanischen Stein- und einem Teichgarten besteht. Der Kindergarten auf dem Gelände steht, der völkerverbindenden Idee folgend, deutschen und japanischen Kindern offen.

Bei den Erwachsenen wird die deutsch-japanische Annäherung durch viele Sprachkurse gefördert. An den Universitäten von Düsseldorf und der Nachbarstadt Duisburg werden Japan-Studiengänge angeboten. Höhepunkt des deutsch-japanischen Miteinanders sind aber die "Japanischen Wochen" und der "Japan Tag". Dieses jährliche Straßenfest zieht Hunderttausende von Besuchern an. Mit zahlreichen Darbietungen sollen japanisches Leben und japanische Kultur vermittelt werden.

Drei Mädchen habe sich als Mangafiguren verkleidet, ihre Haare sind pink, lila und Blau und die Anziehsachen in ebenso auffälligen Farben.

Zum Japan-Tag verkleiden sich viele als Mangafiguren

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 22.08.2017, 13:00

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