Japan – das Land der Naturphänomene

Blick auf die Skyline von Tokio mit dem Berg Fuji-san im Hintergrund

Asien

Japan – das Land der Naturphänomene

Von Andrea Böhnke

Brodelnde Vulkane, riesige Flutwellen vor den Küsten und Taifune, die übers Land tosen: Japan kann auf den ersten Blick unbewohnbar erscheinen. Trotzdem ist der Mensch vor tausenden Jahren auf die Inselkette im Pazifik gekommen – und geblieben.

Viele Inseln mit vielen Bergen

Japan ist eine Inselkette im Pazifik, die wie eine 3.000 Kilometer lange Banane vor der Ostküste Asiens liegt und sich gen Ozean krümmt. Sie reicht von Russland im Norden bis China im Süden. Die vier größten Inseln Japans heißen Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu.

Zum ostasiatischen Staat gehören zwar insgesamt fast 7.000 Inseln, doch nur etwa 400 davon sind bewohnt. Das liegt vor allem daran, dass etwa 80 Prozent Japans aus Bergen bestehen, nach Angaben der Japan Meteorological Agency (JMA), dem japanischen Wetterdienst, sind darunter 110 aktive Vulkane. Die JMA definiert alle Vulkane als aktiv, die ausbrechen könnten.

Der höchste Berg ist der Vulkan Fuji-san auf der Insel Honshu; er misst 3.776 Meter und liegt etwa in der Mitte des Landes, sozusagen an der krummsten Stelle der Banane.

Am Fuß des Fuji-san erstreckt sich das größte Flachland Japans: die Kantō-Ebene, die in etwa so groß ist wie Schleswig-Holstein und im Schnitt sechs Meter über dem Meeresspiegel liegt. Nur dort konnte ein Ballungsraum wie Tokio entstehen.

Die Kantō-Ebene ist heute fast vollständig besiedelt. Die Hauptstadt Tokio bildet zusammen mit den anderen Millionenstädten Kawasaki, Saitama und Yokohama die Metropolregion Tokio – mit 38 Millionen Einwohnern die derzeit größte der Erde.

Eine politische Karte von Japan mit den Grenzen sowie wichtigen Städten und Flüssen

Japans größte Hauptinsel ist Honshu, etwa in der Mitte des Landes

Tokio – vom Fischerdorf zum Wirtschaftszentrum

Jeder vierte Japaner lebt heute im Großraum Tokio. Zwar siedeln bereits seit der Antike Menschen in der Region, doch erst ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich das kleine Fischerdorf mit dem Namen Edo zu einer Stadt.

1868 wurde diese in Tokio umbenannt und nach Kyōto zur neuen Hauptstadt Japans erklärt. Tokio bedeutet wörtlich übersetzt "östliche Hauptstadt". Durch ihre Lage am Pazifik entwickelte sich die Stadt rasant zum Handelszentrum des Landes. Ende des 19. Jahrhunderts zählte Tokio bereits eine Million Einwohner.

Die US-Amerikaner bombardierten Tokio während des Zweiten Weltkriegs mehrfach und zerstörten große Teile der Stadt. Doch die Wirtschaft erholte sich nach dem Krieg schnell.

Heute zählt Tokio zu den größten Finanzplätzen und Japan zu den größten Exportnationen der Welt. Das Land verkauft vor allem elektronische Geräte und Fahrzeuge ins Ausland.

Eine Einkaufsstraße in Tokio, in der sich zahlreiche Menschen dicht an dicht drängen

Tokio ist derzeit die größte Metropolregion der Erde

Leben mit Naturkatastrophen

Japan erstreckt sich über zwei Klimazonen: von den kalt-gemäßigten Breiten im Norden bis zu den Subtropen im Süden. Ein bestimmender Faktor für das Klima ist die warme Kuroshio-Strömung im Pazifik. Durch diese erwärmt sich die Luft, sie nimmt Feuchtigkeit auf und steigt auf.

Im Sommer, wenn das Meer aufgeheizt ist, strömt sehr viel feuchte Luft nach oben. Durch die Rotation der Erde kommt es vor, dass sich die aufsteigenden Luftmassen zu drehen beginnen. Ein Taifun entsteht.

Im Schnitt treffen jedes Jahr drei Taifune auf Japan. Elf weitere nähern sich dem Inselstaat bis auf 300 Kilometer und auch sie richten bereits große Schäden an. Die Taifune, die das Land erreichen, regnen sich an den steilen Gebirgsketten sintflutartig ab. An einem Tag kann dann mehr Niederschlag fallen als etwa in Berlin in einem ganzen Jahr.

Um die Überschwemmungen zumindest etwas abzumildern, hat die japanische Regierung unterhalb von Tokio ein spezielles Flutwassersystem eingerichtet. In 65 Meter hohen unterirdischen Hallen wird das Wasser gesammelt und in den Ozean zurück gepumpt.

Ein Mann läuft zwischen meterhohen Säulen in einer unterirdischen Halle

Das unterirdische Flutwassersystem Tokios schützt die Stadt vor Überflutungen

Schneebedeckte Berge und paradiesische Strände

Für die Japaner gehören Taifune zum Leben dazu. Sie betrachten die Stürme weniger als eine Naturkatastrophe und eher als eine Jahreszeit, ähnlich wie die Kirschblüte im Frühling oder den Schnee im Winter.

Sogar in der eher warm-gemäßigten Mitte des Landes, die etwa auf Höhe Spaniens liegt, schneit es im Winter – und zwar viel. Am Berg Tateyama fräsen dann riesige Bagger bis zu 20 Meter hohe Schluchten in den Schnee, um die Gebirgsstraße wieder freizulegen; eine beliebte Touristenattraktion.

Einige Menschen laufen über eine Straße, zwischen 17 Meter hohen Schneewänden zu beiden Seiten

Die Schneemauern im Hida-Gebirge locken zahlreiche Touristen an

Im Süden Japans sorgt die warme Kuroshio-Strömung hingegen dafür, dass die Wassertemperatur nie unter 20 Grad Celsius sinkt. In der Sekiseishoku-Lagune konnte so ein Korallenriff entstehen, das ähnlich groß ist wie das Great Barrier Reef in Australien.

Doch wie sein australisches Pendant ist auch das japanische Riff durch den Klimawandel bedroht. Das nationale Umweltministerium gab 2017 bekannt, dass bereits etwa 70 Prozent der japanischen Korallen ausgeblichen sind.

Ausgeblichene Korallen, im Hintergrund ein Taucher

Aufgrund der steigenden Wassertemperaturen ist ein Großteil der Korallen in der Sekiseishoku-Lagune ausgeblichen

Vulkanausbrüche und Erdbeben

Taifune und meterhohe Schneemassen sind nicht die einzigen Naturschauspiele, mit denen die Japaner Tag für Tag leben. Unterhalb der Inselkette schieben sich vier Erdplatten auf- und untereinander; sie verhaken und lösen sich wieder. In der Folge kommt es immer wieder zu Vulkanausbrüchen und Erdbeben.

Eines der verheerendsten Beben erschütterte am 11. März 2011 das Land. Es hatte die Stärke neun und löste eine bis zu 40 Meter hohe Tsunami-Welle aus, die Japans Ostküste überrollte. 18.500 Menschen starben.

Die gewaltigen Wassermassen fluteten auch das Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi; der Strom fiel aus und nach einer Serie von Störfällen kam es schließlich zur Kernschmelze. 150.000 Menschen mussten aufgrund der atomaren Verstrahlung ihre Heimat verlassen.

Das Bild vom 12. März 2011 zeigt brennende Häuser, Trümmer und Schiffe, die durch den Tsunami an Land gespült wurden

Ein Tsunami verwüstete 2011 weite Teile der japanischen Küste

(Erstveröffentlichung: 2021)

WDR | Stand: 22.04.2021, 11:45

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