Samurai-Schwimmen

Ein Mann ist in traditioneller Samurai-Kleidung abgebildet. Prominent ist ein langes Schwert an seinem Gürtel zu sehen

Samurai

Samurai-Schwimmen

Von Andrea Wengel

Mit dem Begriff Samurai verbinden wir in erste Linie einen mutigen japanischen Schwertkämpfer. Weitgehend unbekannt ist, dass diese Krieger auch im Wasser Herr der Lage sein mussten und daher das kämpferische Schwimmen zu einer wahren Kunst entwickelten.

Äußerst vielseitige Anforderungen

Bei Samurai-Schwimmen ging es den Kämpfern nicht um Schnelligkeit, sondern um die optimale Einteilung der Kräfte. Die Samurai mussten große Distanzen überwinden und danach immer noch genug Energie für den Kampf haben. Es galt, Seeschlachten zu gewinnen oder Wasserschlösser zu erobern. Sie mussten Schiffbrüche überleben und wenn nötig auch mit Rüstung schwimmen können.

Entsprechend sah der Schwimmstil der Samurai ganz anders aus als der, den wir heute kennen. Sie entwickelten unterschiedliche Techniken, je nach militärischem Bedarf. Entweder hatte der Krieger lange Strecken zurückzulegen oder in einem reißenden Fluss zu kämpfen, er musste aus dem Wasser heraus Bogenschießen oder mit dem Schwert kämpfen. Auch Tauchen oder Gehen auf dem Meeresgrund wurden verlangt.

Die Anforderungen waren äußerst vielseitig. Voraussetzung für die meisten dieser Methoden war es, dass sich der Schwimmer senkrecht im Wasser halten konnte und die Hände frei hatte. Für dieses sogenannte Adels- oder Senkrechtschwimmen war eine kräftige Beinarbeit unverzichtbar.

Im Laufe der Jahrhunderte ging das kriegerische Schwimmen in eher meditative Übungen über. Im Land bildeten sich verschiedene, sehr anspruchsvolle Schwimmschulen heraus.

Der Stil der alten Meister ist wieder gefragt

Noch heute gibt es einige offizielle historische Schwimmschulen in Japan. Dort besinnt man sich zunehmend wieder auf die Tradition der Samurai, nachdem der westliche Stil lange Zeit den japanischen verdrängt hatte.

Immer mehr japanische Eltern lassen ihre Kinder heute den Stil der alten Meister lernen. Meist üben sie in offenen Gewässern und tragen dabei sogar die traditionelle Bekleidung, eine Art Badehose, die aus einem Tuch gewickelt wurde.

Die wichtigsten Regeln, die sie lernen müssen: Der Kopf bleibt immer über Wasser. Statt mit dem ganzen Bein zu paddeln, erfolgt der Beinschlag aus dem Kniegelenk.

Außerdem spielt das Konzentrationstraining eine große Rolle. Es schult die geistige Kraft im Wasser. Dazu balancieren die jungen Schwimmschüler zum Beispiel Gegenstände auf ihrem Kopf durchs Wasser oder müssen ein Tablett mit Suppenschüsseln sicher ans Ufer bringen.

"Unsere Schwimmschule lehrt uns, das Wasser im Wasser zu vergessen", sagt ein alter Schwimmmeister. Das Zentrum des Menschen sei sein Herz und die richtige Art zu schwimmen könne helfen, das Herz rein zu halten. Auch wenn es eine Tradition und nur ein Minderheitensport ist, gibt es heute in Japan sogar Wettkämpfe im Samurai-Schwimmen.

Weiterführende Infos

SWR | Stand: 12.08.2020, 14:56

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