Heimweh

Almhütte im Gegenlicht im Berner Oberland, im Hintergrund schneebedeckte Gipfel

Heimat

Heimweh

Kinder auf Klassenfahrt, Studenten im ersten Semester, Geschäftsreisende an fremden Orten – Heimweh kann jeden plötzlich überkommen. Für manche fühlt sich die Sehnsucht nach der Heimat sogar wie Liebeskummer oder Trauer an. Wie ist dieses Gefühl psychologisch zu erklären und wie geht man damit um?

Heimweh – eine Krankheit?

An Heimweh leiden die Menschen schon seit Jahrtausenden. Homer beschreibt am Anfang der "Odyssee", dass sich der Held Odysseus nach Frau und Heimat sehnt. Im 17. Jahrhundert gab man dem Gefühl den Namen "Schweizer Krankheit". Der Schweizer Arzt Johann Hofer schrieb in seiner Doktorarbeit "De Nostalgia oder Heimwehe" über den nachlassenden Kampfeswillen Schweizer Soldaten in der Fremde.

Damals machte man für das Phänomen "La maladie suisse" unter anderem die fehlende Bergluft verantwortlich. Das führte auch zu körperlichen Symptomen: Ärzte stellten bei den Soldaten ermatteten Herzschlag, Leichenblässe, müde Glieder und zusammengeschrumpfte Mägen fest. Nach diesen Untersuchungen wurde Heimweh lange als tödliche Krankheit angesehen.

Ich will nach Hause!

Heute weiß man: Tödlich ist es nicht – aber Heimweh kann sehr intensiv ausfallen, ähnlich wie Liebeskummer oder heftige Trauer. Obwohl Kinder diese Sehnsucht häufiger trifft, sind auch Erwachsene nicht davor gefeit, etwa im Urlaub, nach einem Umzug oder auf Geschäftsreise.

Bei jedem äußert sich Heimweh unterschiedlich. Einige Menschen werden traurig, andere leiden an Nervosität, wieder andere zeigen depressive Symptome oder Bauchschmerzen. Doch allen ist gemein: Sie sehnen sich nach Vertrautheit und Geborgenheit.

Eine Form von Sehnsucht

Stadtzentrum von Meersburg am Bodensee

Wir sehnen uns nach Familie und Freunden - eben nach "zu Hause"

Psychologisch betrachtet, lässt sich Heimweh mit einem schmerzlichen und nach rückwärts gerichteten Gefühl erklären. Wir sehnen uns nach dem, was Psychologen eine sichere Bindung nennen, nach unserer Familie und Freunden – und die sind eben "zu Hause". Das Gefühl der Trennung wird dann als besonders schmerzlich empfunden, wenn es in der "fremden" Umgebung gerade nicht so gut läuft: In der neuen Stadt hat man noch keine Kontakte oder der Geschäftstermin lief nicht gut.

Aber es gibt einen Trost: In einem gewissen Rahmen ist Heimweh ganz normal. Hält es aber länger an, sollte man unter Umständen einen Arzt aufsuchen und abklären lassen, ob nicht doch eine Depression dahinter steckt.

Um eine Erfahrung reicher

Den Schweizer Soldaten verbot man damals die Lieder ihrer Heimat zu singen, um das Heimweh nicht noch zu verstärken. Genauso sollte man auch heute verfahren: Tabu sind daher häufige Heimfahrten nach einem Umzug, ständiges Telefonieren, Nachrichten schreiben oder Skypen. Stattdessen sollte man sich darauf freuen, neue Menschen kennenzulernen.

Wer nur während eines bestimmten Zeitraums weg von zu Hause ist, dem kann es helfen, sich genau das bewusst zu machen. Ebenfalls nützlich ist es, darüber zu reden. Und wir lernen auch noch etwas dabei: Gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen stärkt das Überwinden von Heimat das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.

Autorin: Andrea Wieland

Weiterführende Infos

Stand: 30.06.2016, 15:00

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