Achterbahn

menschen fahren mit der Achterbahn.

Kirmeshistorie

Achterbahn

Zu den imposantesten Fahrgeschäften der Kirmes gehört die Achterbahn. Sie garantiert Kirmesgefühl pur mit dem ultimativen Schwindelgefühl. Die erste Achterbahn in Deutschland war aus Holz und wurde 1908 im Vergnügungspark "Austellung München" eingeweiht. Damals hieß die aufregende Attraktion "Riesen-Auto-Luftbahn".

Der Vorläufer der Achterbahn: die Rutschbahn aus Eis

Im 16. Jahrhundert entstanden in St. Petersburg bis zu 25 Meter hohe Konstruktionen aus Holz, die mit Wasser übergossen wurden und so über Nacht zu einer Art Eisrutsche gefroren. Dort konnte man mit Schlitten prima herunterrutschen.

Wahrscheinlich brachten Napoleons Soldaten diese Idee nach Frankreich, wo man die Berg-und-Tal-Attraktion nach ihrem Herkunftsland benannte: "montagnes russes" – "russische Berge". So heißt die Achterbahn auch heute noch im Französischen. Mit der Zeit wurden die Rutschen länger und mit Kurven ausgestattet. Außerdem ersetzte man die Schlitten, da es meist zu warm für Eis war, durch einzelne Wagen auf Schienen.

Technische Entwicklung der Achterbahn

Bei den historischen Achterbahnen wurden die einzelnen Wagen auf eine bestimmte Höhe gezogen und rasten dann ungebremst der Erde entgegen. Alle frühen Bahnen waren Holzkonstruktionen, für deren Aufbau Zimmermannsleute zuständig waren. Der äußerst aufwendige Auf- und Abbau dauerte mehrere Wochen, weshalb es zunächst nur stationäre Bahnen gab.

Die erste transportable Holz-Achterbahn wurde 1909 in München entwickelt und auf der Oktoberwiese eingeweiht. Erst in den 1960er Jahren gab es in Deutschland Achterbahnen aus Stahl. Die "Hochfahrgeschäfte", wie sie fachmännisch genannt werden, entwickelten sich weiter und nutzten das Prinzip der Schwerkraft für immer neue Bewegungsabläufe wie zum Beispiel den Looping.

Der Looping - auf den Kopf gestelltes Fahrvergnügen

Achterbahn "Big Loop".

Achterbahn mit Looping

Beim Looping gilt folgendes Prinzip: Die Wagen durchfahren eine senkrechte Schleife, wenn sie durch eine vorherige Schussfahrt genug Geschwindigkeit erreicht haben. Nur durch die Fliehkraft werden sie dann in den Schienen gehalten.

Die erste Looping-Konstruktion dieser Art gab es schon in der Mitte des vorletzten Jahrhunderts. Um 1850 ist in London eine solche "Centrifugal Railway" dokumentiert. Auch in Paris muss es zu dieser Zeit im "Hippodrome" eine ähnliche Bahn gegeben haben. Diese Bahnen wurden aber wohl kurz nach ihrer Betriebnahme wieder verboten, weil sie als zu gefährlich galten.

Erst ein halbes Jahrhundert später tauchen sie wieder auf und zwar 1898 in New York, im "Sea Lion Park" in Coney Island. Hier wurde sogar eine Doppelschleife aufgestellt. Heute sind Loopings aus dem Repertoire der Achterbahn-Konstrukteure nicht mehr wegzudenken.

Sprung ins 21. Jahrhundert

In den Bahnen des 21. Jahrhunderts rasen die Fahrgäste mit dem Vier- bis Sechsfachen des eigenen Körpergewichts zu Tal. Das heißt, ein Achterbahnfahrer, der 80 Kilogramm schwer ist, wiegt für einen kurzen Sekundenbruchteil zirka 400 Kilogramm. Länger als ein paar Sekunden könnte ein Mensch das nicht aushalten. Bei einer Belastung, die dem Achtfachen des eigenen Gewichts enstprechen würde, wären Knochenbrüche zu befürchten, die 14-fache Belastung wäre tödlich.

Was den einen erschaudern lässt, macht den anderen süchtig. Die Achterbahn- Begeisterung kennt keine Grenzen und das weltweit. Amerika und Asien liefern sich ein Wettrennen um die ausgefallensten und extremsten Hochfahrgeschäfte. Europa kommt hier erst an dritter Stelle. Kaum steht eine Bahn im aktuellen Guinness-Buch der Rekorde, wird die nächste schon eingeweiht.

Achterbahn-Variationen

Menschen auf der Achterbahn mit freihängenden Füßen.

Achterbahnfahrer verlieren den Boden unter den Füßen

Das Achterbahn-Angebot geht längst über die klassische Variante hinaus, bei der man sich in einen auf Schienen fahrenden Wagen setzt. So bietet zum Beispiel das Fahrgeschäft mit dem treffenden Namen "Poseidon", das im Europa-Park Rust steht, eine Komnibation aus Achter- und Wildwasserbahn.

Auf anderen Bahnen werden die Wagen nahezu senkrecht in die Luft geschossen, um anschließend auf demselben Weg wieder bergab zu rasen. Bei den so genannten "Dueling Coasters" starten zwei Züge gleichzeitig und liefern sich eine Wettfahrt auf zwei parallel verlaufenden Strecken. Wer schließlich völlig freischwebend dahinrasen möchte, dem sind die "Inverted Coasters" zu empfehelen. Die Fahrgäste hängen hier in offenen Sitzen unter der Schiene, verlieren also im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unter den Füßen.

Die Branche im Geschwindigkeitsrausch

Achterbahn "Kingda Ka" bei New York.

Die Achterbahn "Kingda Ka"

In Zukunft sollen die Hochfahrgeschäfte noch schneller werden, manche von ihnen sind schon jetzt über 200 Stundenkilometer schnell. Auch die Position der Fahrgäste könnte sich noch weiter verändern. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Tour im Liegen? Die technischen Möglichkeiten scheinen längst noch nicht ausgeschöpft.

Das einzige was dabei im Weg stehen könnte, sind die hohen Kosten. Der Bau einer modernen Achterbahn, wie zum Beispiel die Hochgeschwindigkeitsbahn "Kingda Ka" bei New York, kostet zwischen 15 und 20 Millionen Euro, manchmal sogar mehr. Die Entwicklung einer solchen Bahn dauert schließlich auch drei bie zwölf Monate und beansprucht mehrere dutzend Menschen.

Autorin: Sabine Coen

Stand: 05.08.2016, 16:00

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