Im Reich der Masken

Masken

Im Reich der Masken

Von Tanja Fieber/Angelika Lizius

Im schwäbischen Diedorf kann man eine der größten Maskensammlungen der Welt bestaunen. Herr der Masken ist Michael Stöhr. Der ehemalige Kunstlehrer hat ein paar exotische Masken-Exemplare ins Studio mitgebracht und erzählt, welche Funktion sie haben.

Maskenmuseum Diedorf

In Diedorf im Landkreis Augsburg stellt Michael Stöhr 8.000 Masken aus aller Welt in einem ehemaligen Bauernhaus aus. Gefunden hat er die authentischen getragenen Masken meist auf Reisen in weit entfernte Länder wie Afrika und Asien. In der Sammlung gibt es aber auch 4.000 europäische Krampus-, Perchten- und Faschingsmasken.

Stöhr und seine Frau sammeln seit rund 25 Jahren Masken und haben das Museum eröffnet, weil "die Masken daheim nicht mehr reingepasst haben".

Form folgt Funktion

Masken haben so viele verschiedene Formen, weil sie auch viele verschiedene Funktionen haben. So gibt es zum Beispiel Schutzmasken und Theatermasken sowie Initiations-, Krankheits-, Fruchtbarkeits- und Totenmasken.

Comedia dell'Arte-Masken

Viele Masken, die heute im venezianischen Karneval getragen werden, gehen auf die Comedia dell'Arte zurück, das italienische Stehgreiftheater, entstanden Mitte des 16. Jahrhunderts. Es bestand aus einem festen Figurenpersonal und stereotypen Handlungen kombiniert mit improvisierten Szenen.

Venezianische Karnevalsmaske

Venezianische Karnevalsmaske

Die fünf bekanntesten Figuren trugen Masken (Dottore, Pantalone, Colombina, Brighella, Arlecchino). Das Liebespaar (Amorosi) blieb unverkleidet, denn über die Liebe machte man sich in Italien vor 500 Jahren nicht lustig.

Der Clown

Die rote Nase ist sein Markenzeichen und "die kleinste Maske der Welt", wie Studiogast Professor Weihe sagt. Der Clown ist universell verständlich. Er kann gut, aber auch böse sein. Poetisch leise, aber auch laut. Wahrscheinlich hat er sich aus einer Figur der Comedia dell'arte entwickelt, dem Arlecchino (Harlekin).

Klinikclowns - Dr. Schlaubi und Dr. Belladonna

Klinikclowns

Der Begriff Clown stand in England Mitte des 16. Jahrhunderts wohl für 'Landei' oder 'Hinterwäldle'', sagt Professor Weihe. Das Wort ist wahrscheinlich abgeleitet vom isländischen 'klumpi', das 'Landarbeiter' heißt und auf die Erdklumpen an den Füßen anspielte.

Der Horrorclown

Böser Clown. Das Phänomen des Horrorclowns gibt es schon lange. Bereits die Figur des Arlecchino (Harlekin) in der italienischen Comedia dell'arte und der französische Pierrot hatten brutale Züge. Befeuert wurde der Trend zum bösen Clown immer wieder durch Bücher und Filme wie "Es" von Stephen King (Buch 1986, Neuverfilmung 2017) und dem Joker in Comics und im Batman-Film "The Dark Knight" (2008).

Joker, Batmans Widersacher

Joker, Batmans Widersacher

Die Angst vor Clowns nennt man übrigens Coulrophobie. Internet-Videos von Horrorclowns, die Menschen jagen, sind übrigens oft gestellt.

Die Bauta

Eine Maske venezianischer Adliger. Mit Bauta, einem langen schwarzen Seidenumhang und einem Dreispitz auf dem Kopf schützten sich Adelige vor neugierigen Blicken und gingen in Venedig ihren Geschäften inkognito nach.

Bauta - Maske des venezianischen Adels

Bauta, Maske des venezianischen Adels

Die Pestmaske

Die Pestmaske ist eine venezianische Schutzmaske. Der lange Schnabel der Maske, in dem mit Öl getränkte, parfümierte Tücher steckten, sollten vor dem Gestank in den Kanälen von Venedig schützen. Man hielt ihn für die Ursache der Pest.

Moderatorin Caro Matzko mit Pestmaske

Pestmaske

Andererseits hat die Maske auch Ähnlichkeiten mit dem Vogel Waldrapp, der als Götterbote angesehen wurde und die Kinder bringt, sagt Studiogast Michael Stöhr.

"Agamemnon"-Maske

Masken

Maske des Agamemnon

Goldene Totenmaske aus Mykene in Griechenland, aus der Zeit um 1.000 vor Christus. Unklar ist, ob sie wirklich Agamemnon, den sagenhaften König von Mykene zeigt. Die Maske wurde toten Königen aufs Gesicht gelegt und war im Original nicht so flachgedrückt.

Dionysos-Maske

Dionysos-Maske

Dionysos-Maske

Theatermaske, die den griechischen Gott Dionysos (lateinisch Bacchus) oder einen seiner Gefolgsleute (Satyr) zeigt. Sie wurde für Festspiele zu Ehren des Wein- und Fruchtbarkeitsgottes Dionysos eingesetzt, bei denen ausschweifend gefeiert wurde. Im Mittelalter wurde die Maske von Christen als Bild des Teufels umgedeutet.

Exotische Masken

Bauchmaske aus Benin, Westafrika

Die Moderatoren mit Bauchmaske, Benin

Bauchmaske aus Benin, Westafrika, getragen vom Gellede-Kult und immer von mehreren Männern. Maske für Fruchtbarkeitsriten.

Gesichtsmaske aus Zaire

Gesichtsmaske, Zaire

Gesichtsmaske aus Zaire (früher Demokratische Republik Kongo), getragen vom Volksstamm der Pende, um Krankheiten abzuschrecken.

Links: Gesichtsmaske mit Haaren von den Iroqois aus Nordamerika

Links: Gesichtsmaske, Nordamerika

Gesichtsmaske mit Haaren von den Iroqois aus Nordamerika. Mit dieser Maske sollen auch Krankheiten vertrieben und gleichzeitig Kranke aufgeheitert werden.

Stand: 14.02.2018, 09:04

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