Traditionslokale

Brauchtum

Traditionslokale

In jeder deutschen Region gibt es Lokale, die stark mit regionalen Traditionen verbunden sind. Dort wird noch nach alten überlieferten Rezepten gekocht. Viele dieser Lokale stecken hinter historischen Fassaden, bei anderen ist es nur noch die Inneneinrichtung, die einen Bezug zur Vergangenheit spüren lässt. Planet Wissen unternimmt von Nord nach Süd einen kulinarischen Streifzug durch Deutschland und stellt einige besondere Traditionslokale vor.

Fisch auf den Tisch

Was von außen anmutet wie ein unansehnlicher Wohncontainer, beherbergt in Wirklichkeit eines der urigsten Restaurants Hamburgs. Die "Veddeler Fischgaststätte" ist seit vielen Jahrzehnten eine Institution in der Hansestadt. Blankgescheuerte Holztische und ein paar verloren wirkende Fischnetze als maritime Alibi-Dekoration an den Wänden verleihen der ansonsten schmucklosen Gaststube ein ganz eigenes Ambiente.

Das Lokal ist das letzte seiner Art. Früher gab es viele solch einfacher Fischlokale in der Nähe des Hamburger Hafens. Dort konnten sich hungrige Hafenarbeiter und Seeleute auf Landgang für wenig Geld an großen Fischportionen satt essen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis in der "Veddeler Fischgaststätte" scheint auch heute noch zu stimmen. Immerhin landete die kultige Fischkneipe bei der Umfrage einer Hamburger Tageszeitung im Jahr 2009 auf dem ersten Platz. Gesucht wurde das beliebteste Fischspezialitätenlokal, in der an Fischgaststätten reichen Hansestadt.

Selbst verwöhnte Feinschmecker, die man sonst eher in der gehobenen Restaurantkategorie findet, schwören auf die Fischspezialitäten des beliebten Szenelokals, das in einem Flachbau auf der Elbinsel untergebracht ist. Die kultige Fischkneipe wurde 1932 eröffnet und gilt damit als ältestes Fischrestaurant Hamburgs.

Der Eingangsbereich der Veddeler Fischgaststätte in Hamburg, ein schmuckloser eingeschossiger Flachbau.

Kein schmucker Bau - die Veddeler Fischgaststätte

Mephisto, Faust und Goethe

Mit "Auerbachs Keller" verfügt Leipzig über eine gastronomische Touristenattraktion, die weltweit bekannt ist, und die vor allem bei Gästen aus den USA sehr beliebt ist. Die wandeln bei ihren Besuchen in der Alten Welt gerne auf den Spuren der Geschichte. In "Auerbachs Keller" kommen sie voll auf ihre Kosten.

Wie der Name des Restaurants verrät, befinden sich die Gasträume im weitläufigen Kellergewölbe des historischen Hauses. Bereits im Jahr 1438 hat es dort einen Weinausschank gegeben. Damaliger Besitzer war der Stadtrat und Medizinprofessor Dr. Stromer, der wegen seines oberpfälzischen Geburtsortes "Dr. Auerbach" genannt wurde.

Damals besuchten vor allem trinkfeste Studenten das beliebte Weinlokal in der Universitätsstadt. Unter ihnen auch Johann Wolfgang von Goethe, der in Leipzig von 1765 bis 1768 Jura studierte. In seinem berühmten Werk "Faust" lässt er eine Szene in seiner ehemaligen Studentenpinte spielen. Eine literaturgeschichtliche Besonderheit, die von den heutigen Besitzern des Traditionslokals werbewirksam genutzt wird.

Schon am Eingang des Lokals wird man von Dr. Faust und Mephisto in Form von Bronzestatuen empfangen. Und neben sächsischer Küche und gutem Wein kann man auch kulturelle Veranstaltungen rund um Goethe und sein Werk genießen.

Ein fensterloser Gastsaal in einem Rundgewölbekeller. Die Decke ist aufwändig bemalt.

Der Goethe-Raum im Auerbachs Keller

Flüssiges Studentenfutter

In Bonn-Bad Godesberg steht ein historisches Gasthaus, das sich einst vor allem bei Studenten größter Beliebtheit erfreute. Aennchen Schumacher, die legendäre Wirtin des Hauses, hatte ein Herz für die jungen Leute und gewährte auch schon mal großzügig Kredit, wenn jemand nicht bei Kasse war.

Die Gastwirtin, 1860 geboren, war gerade 18 Jahre alt, als ihr Vater starb und sie die Führung des "Gasthofes zum Godesberg" übernehmen musste. Durch ihre liebenswerte Art, aber auch wegen ihrer Leidenschaft für die Musik, wurde das Gasthaus bald zum Anziehungspunkt für Studenten aus dem In- und Ausland.

Aennchen tat sich als eifrige Sammlerin von Studentenliedern hervor, die in ihrem Haus lauthals angestimmt wurden. Darunter auch das Stück von der "Lindenwirtin", das zu einer Hymne wurde.

Jeden Abend fanden sich einige hundert Studenten der unterschiedlichen Verbindungen bei Aennchen ein. Als die beliebte Wirtin ihren 75. Geburtstag feierte, kamen über 5000 Glückwünsche aus aller Welt. Auch der im niederländischen Exil lebende ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. war unter den Gratulanten.

Aus der Studentenkneipe von damals ist heute ein edles Restaurant geworden, in dem man auf Spurensuche zur deutschen Studentengeschichte gehen kann. Speisenangebot und Weinsortiment entsprechen allerdings eher dem Geldbeutel eines etablierten Akademikers.

Ein einstöckiges altes Eckhaus. Die Fassade ist zum Teil dicht mit Efeu bewachsen.

Das ehemalige Studentenlokal "Aennchen"

Sauer macht lustig

Urig geht es im Apfelweinlokal "Zum Gemalten Haus" in Frankfurt am Main zu. Das Viertel Sachsenhausen ist bekannt für seine Kneipenszene, die sich noch stark der Apfelweintradition verbunden fühlt. Schrullige Kellner im weißen Dienstjackett servieren dort in ihrer bekannt derben Art die derben Spezialitäten des Hauses, die man sich auf jeden Fall erklären lassen sollte. Nicht jeder weiß schließlich, was sich hinter "Rindersolber", "Haspel" oder "Spundekäs" verbirgt.

Die Geschichte des mit bunten Fresken reich verzierten Gasthauses geht zurück bis ins 19. Jahrhundert. Seitdem wird im Fasskeller jedes Jahr neuer Apfelmost angesetzt und zur Reife geführt. Die sauren Schoppen sind für Nicht-Apfelwein-Experten schon etwas gewöhnungsbedürftig, sind aber im Sommer die idealen Durstlöscher.

Wer Getränke ohne Alkohol vorzieht, kommt in dem Frankfurter Traditionshaus auch auf seine Kosten. Im Herbst werden die regionalen Äpfel tonnenweise angeliefert, die dann zu süßem Apfelsaft verarbeitet werden, der täglich frisch gekeltert wird.

Außenbereich der Frankfurter Apfelweinschänke "Zum Gemalten Haus". Ein Kellner mit weißer Jacke und schwarzer Hose bedient die Gäste.

Hausgekelterter Apfelwein auf der Terrasse "Zum Gemalten Haus"

Oans, zwoa, g‘suffa…

"In München steht ein Hofbräuhaus…". Wer kennt nicht die Hymne des weltweit bekanntesten Biertempels?! Seine Gründung geht auf den bayerischen Herzog Wilhelm V. zurück, der 1589 den Bau eines Braubetriebes veranlasste, der den Wittelsbacher Hof mit Bier versorgen sollte.

Die geschäftstüchtigen Wittelsbacher erkannten schnell, dass man am großen Bierdurst der Untertanen verdienen konnte. Sie verlagerten und vergrößerten die Braustätte, steigerten die Produktion und verkauften das Hofbräu-Bier im großen Stil.

Da sich der Gersten- und Weizensaft großer Beliebtheit erfreute, beschloss König Ludwig I. 1828, neben dem Braubetrieb auch eine öffentliche Gaststätte zu betreiben.

1896 wurde unter Prinzregent Luitpold die Brauereianlage ausgelagert. In dem auf diese Weise neu gewonnen Platz entstanden prachtvolle Gasträume, die zwar im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, aber im alten Stil wieder aufgebaut wurden.

Heute bietet die bayerische Institution, die dem bayerischen Staat gehört, aber von einem Pächter betrieben wird, Platz für zirka 5000 Gäste. Die setzen sich aus bayerischen Originalen und aus tausenden von Tagestouristen zusammen, die auf eine Maß Bier, Knödel mit Schweinsbraten und viele Erinnerungsfotos vorbeischauen.

An einem Holztisch im Münchener Hofbräuhaus sitzt eine bunt gemischte Gruppe junger Menschen. Sie prosten sich mit gefüllten Maßkrügen zu.

Junge Touristen im Hofbräuhaus

Autor: Alfried Schmitz

Stand: 20.12.2016, 15:12

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