Geschichte Kubas bis 1959

Die Geschichte Kubas Planet Wissen 06.06.2018 03:29 Min. Verfügbar bis 06.06.2023 WDR

Kuba

Geschichte Kubas bis 1959

Spanische Kolonialherrschaft, Sklaverei, Unabhängigkeitskriege – Kubas Geschichte hat weit mehr zu bieten als Fidel Castro und die Revolution. 1492 entdeckte Christoph Kolumbus die Insel. Es folgte die brutale Unterwerfung Kubas. Lange kämpften die Kubaner um ihre Unabhängigkeit, die sie erst 1902 erreichten. Und auch dann nur mit Einschränkungen.

Kolumbus entdeckt Kuba

"Die schönste Insel, die Menschenaugen jemals erblickten", so schrieb es Christoph Kolumbus in sein Bord-Tagebuch. Am 27. Oktober 1492 entdeckte er Kuba, als er im Auftrag der spanischen Krone einen Seeweg nach Indien finden sollte. Kuba ist die größte Insel der Antillen mit zentraler Lage am Eingang zum Golf von Mexiko, nur 90 Meilen entfernt von Florida. Haiti, die Bahamas und Jamaika liegen in der Nachbarschaft.

Die Insel war also nicht nur schön, sondern auch von strategisch bedeutsamer Lage zur Eroberung Amerikas. Schnell galt Kuba als "Schlüssel zur neuen Welt". Bevor Kolumbus die Insel entdeckte, lebten laut Schätzungen 200.000 Ureinwohner auf Kuba. Archäologische Funde geben Hinweise darauf, dass die ersten Bewohner vor mehr als 10.000 Jahren die Insel betraten. Kolumbus nannte die Einwohner "Indios", weil er glaubte, in Indien zu sein.

Die spanischen Eroberer

1510 begann Diego Velázquez im Auftrag der spanischen Krone, Kuba zu unterwerfen. Mit nur 300 Mann zog er los, doch mit Brutalität und überlegener Technik schafften es die Eroberer, die Kubaner zu besiegen. Die meisten Einwohner wurden getötet, zu Arbeitsdiensten gezwungen, oder sie starben an eingeschleppten Krankheiten wie Pocken. Nach vier Jahren war die Insel erobert.

Zeichnung: Sklaven bei der Verarbeitung von Zuckerrohr.

Das Zuckerrohr brachte den Aufschwung

Vornehmliches Ziel der Spanier war es jetzt, Gold und Silber auf der Insel zu finden – ohne Erfolg. Dafür florierte im 17. Jahrhundert zum ersten Mal der Tabakanbau. Doch erst das Zuckerrohr in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sollte die Insel zu besonderer Blüte bringen. Die Arbeitskräfte dafür kamen aus Afrika und so stieg die Zahl der Sklaven auf der Insel ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts enorm an.

Sklaverei auf den Zuckerplantagen

Die Nachfrage nach Zucker war in Übersee Ende des 18. Jahrhunderts groß und Kuba konnte liefern. Die spanische Krone bereitete den Weg für die Ausweitung der Zuckerproduktion und der Massensklaverei. Bis 1840 war die Antillen-Insel bereits weltgrößter Produzent raffinierten Zuckers geworden.

Zeichnung: Sklaven werden zum Kauf angeboten.

Sklavenmarkt in Havanna

Ebenso rasant stieg auch die Zahl der Sklaven auf den Zuckerplantagen an. 1841 waren es über 435.000. Zwar gab es vereinzelt Aufstände der Sklaven. Doch meist blieben sie auf den Plantagen, lebten in Hütten und schufteten unter menschenunwürdigen Bedingungen bis zum frühen Tod. Auch in anderen Bereichen wurden Sklaven eingesetzt, zum Beispiel in der Hauswirtschaft und im Eisenbahnbau.

Die afrikanischen Wurzeln der Sklaven prägten die kubanische Kultur enorm – nicht zuletzt durch ihre Götter. Noch heute ist die so genannte Santerie verbreitet Religion, eine Mischung aus afrikanischen Schützgöttern und Heiligen sowie christlichen Elementen.

Unter dem Einfluss des US-amerikanischen Bürgerkrieges 1865, in dem die Nordstaaten die Sklaven haltenden Südstaaten besiegten, verebbte auch der Menschenhandel nach Kuba. 1886 wurde die Sklaverei endgültig aufgehoben. Das Land und seine Wirtschaft mussten neu organisiert werden.

Der erste Unabhängigkeitskrieg

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versuchte die einheimische Herrschaftsschicht der "Criollos" (auf Kuba geboren, aber von spanischer Abstammung), der spanischen Regierung Reformen abzuringen. Mehr Handelsfreiheit und mehr politische Autonomie für die Insel sowie die Abschaffung der Sklaverei waren Forderungen. Doch die diplomatischen Anstrengungen scheiterten.

1868 begann auf Kuba der erste Unabhängigkeitskrieg. Den Anfang machte unter anderem ein Plantagenbesitzer, der seinen Sklaven die Freiheit schenkte und in einer Rede die Unabhängigkeit Kubas proklamierte. Immer weiter breitete sich der Krieg auf der Insel aus. Zehn Jahre dauerte es, bis Spanien die kubanischen Rebellen schließlich besiegte. Gründe waren die zahlenmäßige Überlegenheit der Spanier, aber auch interne Konflikte unter den Rebellen, Erschöpfung und Hunger.

Nur einer wollte die Bedingungen der Spanier nicht annehmen und den Krieg beenden: der Halbafrikaner Antonio Maceo. Er bot den spanischen Kolonialherren noch zwei Jahre weiter die Stirn. Das brachte und bringt ihm bis heute unter den Kubanern Ruhm ein.

Der zweite Unabhängigkeitskrieg

Nach dem ersten Unabhängigkeitskrieg von 1868 bis 1878 ging es der Wirtschaft und dem Land zwar zunächst schlecht. Jedoch hatte der gemeinsame Kampf die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammengeschweißt. So fanden die Rebellen im zweiten Unabhängigkeitskrieg auf Anhieb stärkere Unterstützung in der Bevölkerung.

Schwarzweiß-Foto eines Mannes mit großem Schnurrbart

José Martí

Eine der zentralen Figuren wurde José Martí. Weil er sich gegen Spanien auflehnte, wurde er schon in jungen Jahren zu Zwangsarbeit verurteilt und ging schließlich ins Exil. Der Dichter, Schriftsteller und Journalist Martí führte in den USA die Exilkubaner an. Er mobilisierte seine Landsleute für die militärische Befreiung Kubas.

Auf der Insel verwehrte Spanien den Kubanern weiterhin mehr Autonomie. So kam es am 24. Februar 1895 zum Aufstand, mit Martí als zivilem Führer und maßgeblichem Strategen. Allerdings wurde er bereits am 19. Mai 1895 bei einem Gefecht mit spanischen Truppen getötet. Martí wurde endgültig zum Helden und Märtyrer, ein Mythos war geboren.

Nach drei Jahren endete der zweite Unabhängigkeitskrieg, allerdings weder mit einem Sieg der Spanier, noch mit dem der Kubaner. Die USA griffen ein. Die Amerikaner hatten schon länger ein Auge auf die Nachbarinsel geworfen und sahen jetzt die Chance, dort mehr Einfluss zu nehmen. Die spanische Flotte wurde niedergekämpft, am 17. Juli 1898 gaben die Kolonialherren schließlich in Santiago de Cuba auf.

Zeichnung: Soldaten landen an einem Strand.

US-Truppen greifen ein

Doch die Kubaner, die die USA im Kampf unterstützt hatten, bekamen keinen Grund zur Freude. Die USA schlossen die Kubaner einfach vom Prozess der Neuordnung aus. Bei der spanischen Kapitulation in Havanna wurde kein einziger Kubaner eingeladen, es wehte die amerikanische Flagge. Kuba wurde bei den Friedensverhandlungen in Paris, an denen ebenfalls keine kubanischen Vertreter teilnahm, an die USA übertragen.

Unabhängigkeit mit fadem Beigeschmack

Von 1899 bis 1902 stand Kuba unter der Militärverwaltung der USA, bevor 1902 die unabhängige Republik gegründet und der Kubaner Estrada Palma Staatspräsident wurde.

Doch ein fader Beigeschmack blieb: Die USA behielten sich mit einem Verfassungszusatz, dem sogenannten "Platt-Amendment", erhebliche Eingriffsrechte vor. Politisch und wirtschaftlich dominierten die USA die Insel, nahmen zum Beispiel auch Einfluss auf die kubanischen Präsidentenwahlen.

Nachhaltig änderte sich das Verhältnis Kubas zu den USA erst 1959 mit Fidel Castro. Mit seiner Revolution ging der mittlerweile zurückgetretene "Máximo Líder" auf jahrzehntelangen Konfrontationskurs zur benachbarten Supermacht.

Autorin: Martina Schuch

Weiterführende Infos

Stand: 06.06.2018, 10:18

Darstellung: