Kubas Wirtschaft

Kubas wirtschaftliche Entwicklung 01:25 Min. Verfügbar bis 23.06.2021

Kuba

Kubas Wirtschaft

Begrenztes Warenangebot, ein blühender Schwarzmarkt, bröckelnde Gebäude Kubas sozialistische Planwirtschaft und das Jahrzehnte währende US-Embargo haben Spuren hinterlassen. Viele Kubaner sehnen sich nach Veränderung. Die Wirtschaftsreformen der Regierung und eine Annäherung an den Westen bringen langsam einen Wandel: Der Markt ist offener geworden.

Zwang zu Reformen

Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 hatte Kuba seinen wichtigsten Wirtschaftspartner verloren. Dennoch hielt der Inselstaat zunächst an seiner Planwirtschaft fest und blieb vom Weltmarkt, auch wegen des US-Embargos, weitgehend isoliert.

Bis heute ist die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln schlecht, Konsumgüter sind kaum erschwinglich. Die schlechte wirtschaftliche Lage zwang die Regierung zu Reformen, um die Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern.

Erste Schritte

Die Duldung privater Kleinunternehmen und die Lockerung der sozialistischen Planwirtschaft waren erste Schritte. Auf den Straßen Kubas verkaufen seit einigen Jahren auch private Händler ihre Ware.

Verkaufsstand auf einer Straße in Havanna.

Private Verkäufer bieten Fleisch auf den Straßen Havannas an

Immer mehr Kubaner nutzen inzwischen die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen. Das ist in etwa 180 Berufen staatlich erlaubt, beispielsweise im Gastronomiesektor, in der Agrarwirtschaft und der Taxibranche – allerdings nur mit starken staatlichen Auflagen und hohen Steuerabgaben.

Seit Januar 2014 können Kubaner außerdem zum ersten Mal seit 50 Jahren fabrikneue Autos ohne staatliche Genehmigung kaufen – das aber nur zu extrem hohen Preisen, die sich der Durchschnittsverdiener kaum leisten kann.

CUC und CUP – Die doppelte Währung

Schwer bezahlbar für einen staatlichen Angestellten ohne Verwandte im Ausland ist auch die Alternativwährung "Peso Cubano Convertible", der Konvertible Peso. Neben dem Kubanischen Peso (CUP) führte die Regierung den Konvertiblen Peso (CUC) 1994 ein. Dieser sollte den 1993 legalisierten US-Dollar ablösen.

Kubanische Geldscheine und Münzen.

Der Konvertible Peso ist begehrt bei Kubanern

Staatliche Angestellte und Rentner werden mit dem Kubanischen Peso bezahlt. Mit ihm können sie einige wenige Grundnahrungsmittel sowie einfache Dienstleistungen erwerben.

Attraktiver ist deshalb der Konvertible Peso. Mit ihm können fast alle Waren und Dienstleistungen bezahlt werden. Er bietet Zugang zu Devisen, also allen ausländischen Zahlungsmitteln außer Bargeld und ist eins zu eins an den Wert des US-Dollars gebunden.

Wer Kubanische Pesos in Konvertible Pesos umwandeln will, muss sich nach dem staatlich vorgeschriebenen Wechselkurs richten. Für Kubaner kostet ein CUC rund 25 CUP. Das doppelte Währungssystem soll nach Angaben der Regierung abgeschafft werden, unklar ist, zu welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt.

Reiseziel Kuba

Stärkster Wirtschaftszweig Kubas ist der Tourismus. Seit Fidel Castro den Tourismus Mitte der 1990er Jahre zu einem der wichtigsten Devisenbringer erklärte, boomen Fremdenverkehrszentren wie Varadero, Hotels schießen in die Höhe. Der Tourismus ist die einzige Branche in Kuba mit soliden Zuwachsraten.

Touristen am Flughafen Havannas.

Touristen am Flughafen Havannas

Nachdem die USA ihre Wirtschaftssanktionen gegen Kuba teilweise zurückgenommen haben, beteiligen sich auch immer mehr ausländische Investoren am Tourismus auf Kuba. Die spanische Hotelkette Meliá besitzt im Jahr 2015 bereits die Hälfte der Hotelbetten auf Kuba. Kritiker befürchten einen "Ausverkauf" der Insel an ausländische Investoren.

Immobilien-Boom

Lange gab es auf dem kubanischen Immobilienmarkt nur die Möglichkeit zu tauschen. 2011 erlaubte die kubanische Regierung erstmals den Kauf und Verkauf von Wohnungen und Häusern. Dieser ist bisher kubanischen Staatsbürgern vorbehalten. Doch Wohnungen im Stadtzentrum von Havanna sind begehrt und es hat sich bereits ein Schwarzmarkt entwickelt: Kubanische Strohmänner setzen gegen Entschädigung ihre Unterschrift auf Kaufverträge und erwerben Immobilien für ausländische Käufer.

Die Privatisierung der Immobilien setzt zwar die überfällige Renovierung von Altbauten in Gang, es werden aber auch stark steigende Wohnungsmieten erwartet. Für Kubaner mit niedrigem Einkommen werden die Wohnungen im Stadtzentrum dann kaum noch erschwinglich sein.

Tabak und Zucker

Nach wie vor ist die Zuckerrohrernte für Kubas Wirtschaft von Bedeutung. Die Zuckererträge sind allerdings rückläufig. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion geriet Kubas Wirtschaft in Bedrängnis. Da ab diesem Zeitpunkt die sowjetischen Subventionen für landwirtschaftliche Produkte wegfielen, war ein Umdenken notwendig.

Im Rahmen wirtschaftlicher Umstrukturierung wurden zahlreiche Zuckerfabriken geschlossen. Die Zuckerproduktion ging deshalb in den 1990er Jahren stark zurück: Während 1990 noch 8,4 Millionen Tonnen erzeugt wurden, waren es 1998 nur noch 3,3 Millionen. Verlässliche Zahlen zu aktuellen Ernten gibt es nicht.

Kubanische Bauern bei der Tabakernte.

Tabakernte in Pinar del Rio

Ein wichtiges Agrarerzeugnis außerdem: der Tabak. Ein wesentlicher Teil der Ernte wird zu den berühmten Havanna-Zigarren verarbeitet und ins Ausland exportiert. Die Zigarre ist zwar eines der begehrtesten Exportprodukte, als wichtigstes Exportgut wurde sie aber schon im 18. Jahrhundert vom Zucker abgelöst. Trotz des hohen Preises, den die kubanischen Zigarren im Ausland erzielen, können sie nur einen kleinen Teil der Devisen einbringen.

Autorinnen: Ildiko Holderer/Britta Schwanenberg

Stand: 06.06.2018, 10:06

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