Recherchieren, schreiben, managen

Aufnahme einer Bundespressekonferenz.

Fernsehnachrichten

Recherchieren, schreiben, managen

Von Beate Krol

Journalisten gelten als "Vierte Gewalt" im Staat. Sie sollen die Mächtigen kontrollieren und die Bürger mit Informationen versorgen. Was sind das für Menschen, die diese Aufgaben übernehmen? Wie werden sie ausgebildet? Und wie arbeiten sie?

Nicht alle Journalisten sind angestellt

In Deutschland arbeiten etwa 36.000 angestellte Journalistinnen und Journalisten. Dazu kommt ein großes Heer von freiberuflichen Journalisten, deren genaue Zahl allerdings niemand kennt. Ausgehend von alten Erhebungen dürften es aber mindestens 25.000 sein.

Aufnahme einer Redaktionskonferenz.

Redaktionskonferenz

Während die Freiberufler überwiegend als Autoren tätig sind, stellen die angestellten Journalisten sicher, dass die Zeitungen, Zeitschriften und Sendungen wie geplant erscheinen. Bei einer Zeitung bedeutet das beispielsweise, dass sie Themen festlegen, Artikel und Fotos in Auftrag geben, Meldungen zusammenstellen und schreiben und sich am Computer um das Layout der Seiten kümmern.

Zusätzlich schreiben beziehungsweise produzieren feste Redakteure oft noch eigene Geschichten und Sendungen – je nachdem, wie groß das Budget für freie Autoren ist.

Journalisten brauchen gute Nerven

Weil die journalistische Arbeit nur bedingt planbar ist, verlangt der Beruf sowohl von festen wie von freien Redakteuren eine hohe Flexibilität und Belastbarkeit. So kommt es bei Nachrichtenmagazinen immer wieder vor, dass innerhalb von zwei Tagen eine neue Titelgeschichte recherchiert, fotografiert und geschrieben werden muss, weil plötzlich etwas Wichtiges passiert ist. Nacht- und Wochenendarbeit ist dann normal. Beim Fernsehen sind es "ARD-Brennpunkte", die innerhalb von wenigen Stunden entstehen.

Frontalaufnahme einer Brennpunkt-Moderatorin.

Der Beruf verlangt eine hohe Flexibilität und Belastbarkeit

Auch bei Tageszeitungen, aktuellen Online-Medien und Nachrichtenagenturen ist der Zeitdruck hoch. Agenturjournalisten schreiben und versenden ihre Artikel, während die Pressekonferenz läuft. Wer langsamer ist, muss sich intern rechtfertigen.

In den Tageszeitungen bestimmt die sogenannte Deadline die Arbeit. Bis dahin müssen alle Artikel und Seiten fertig sein, sonst geht die Zeitung nicht rechtzeitig in Druck. Bei den Online-Medien kommt der Druck von den Usern, die die verschiedenen Angebote ständig vergleichen und für die Schnelligkeit ein entscheidendes Auswahlkriterium ist.

Der journalistische Nachwuchs

Zudem müssen Journalisten handwerklich sauber arbeiten. Während es früher üblich war, sich das journalistische Handwerkszeug durch "Learning by Doing" anzueignen – also alles Nötige durch die praktische Arbeit in einer Redaktion zu lernen –, absolvieren angehende Journalisten heute Volontariate, die zwischen anderthalb und zweieinhalb Jahren dauern.

Zeitungsartikel.

Journalisten müssen handwerklich sauber arbeiten

Wie in anderen Berufen auch wechseln sich in der Ausbildung Theorie- und Praxisphasen ab. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem Recherche- und Interviewtechniken, journalistische Formate wie Reportage, Kommentar und Bericht, Presserecht, Fotografie und "Mobile Reporting", also den Videodreh mit dem Smartphone.

Bei Radio- und Fernsehvolontariaten gehören auch Sprechtrainings und Moderationstechniken dazu. Journalistenschulen bilden meist medienübergreifend aus.

Weil der Journalistenberuf lange als Traumberuf galt, haben die Verlage, Sender und Journalistenschulen die Anforderungen an die Bewerber in den vergangenen Jahrzehnten immer höher geschraubt. Offiziell reicht zwar ein Realschulabschluss aus, um sich um ein Volontariat zu bewerben. Trotzdem haben heute nahezu alle Volontäre mindestens ein Studium abgeschlossen und bereits journalistisch gearbeitet. Viele sind fließend mehrsprachig und haben im Ausland gelebt.

Ein rotes Mikrofon wird in der Hand gehalten

Die Anforderungen an die Bewerber werden immer höher

Das hat nicht nur positive Seiten. Studien haben ergeben, dass Journalisten fast ausnahmslos aus der oberen Mittelschicht und Oberschicht kommen, weil nur die sich eine derart lange Ausbildung leisten können. Entsprechend schwach ist oft ihr Gespür für die Themen und Probleme anderer sozialer Milieus.

Weil sich allerdings zunehmend herumspricht, dass junge Journalisten nur noch selten eine Festanstellung bekommen und freiberufliche Journalisten wenig verdienen, sind die Bewerberzahlen deutlich zurückgegangen – möglicherweise öffnet sich der Beruf dadurch wieder für Menschen aus anderen Schichten.

Freiberufler müssen knapsen

Und wie viel verdienen Journalisten nun? Im Vergleich zu angestellten Kolleginnen und Kollegen liegt das Einkommen der freien Journalisten oft niedriger – vor allem dann, wenn sie ausschließlich journalistisch arbeiten. Die Tageszeitungshonorare sind so gering, dass man davon auch bei einer 60-Stunden-Woche nicht leben kann. Auch wer viel recherchiert oder investigativ arbeitet, landet oft nur beim Mindestlohn.

Filmkameras stehen mit Journalisten in einer Reihe.

Das Einkommen der freien Journalisten liegt im Vergleich zu angestellten Kolleginnen und Kollegen ziemlich niedrig

Viele Freiberufler bauen sich deshalb zusätzliche Standbeine auf. Sie schreiben für Firmen- und Verbandsmedien, machen Öffentlichkeitsarbeit, moderieren Veranstaltungen oder geben Seminare. Auch das Bücherschreiben ist ein typisches Arbeitsfeld.

Aber selbst dann verdienen Berufsanfänger oft durchschnittlich nur um die 1800 Euro brutto im Monat. Steuern und Sozialbeiträge gehen davon noch ab. Demgegenüber verdienen angestellte Tageszeitungs- und Zeitschriftenjournalisten ohne besondere Aufgaben knapp 4800 Euro brutto im Monat. Redakteure bei öffentlich-rechtlichen Sendern kommen auf ähnliche Summen.

Stand: 23.07.2018, 09:21

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