Geschichte der Fernsehnachrichten

Das Logo der Nachrichtensendung "Tagesschau", wie es ab 1952 verwendet wurde

Fernsehnachrichten

Geschichte der Fernsehnachrichten

Von Gabriele Trost

1952 schlug in Ost- und Westdeutschland die Geburtsstunde des Fernsehens. Von Anfang an dabei waren die Fernsehnachrichten, die zunächst unregelmäßig und alles andere als aktuell über Ereignisse aus Deutschland und der Welt berichteten. Im Laufe von fast 70 Jahren hat sich hier viel getan.

Die "Tagesschau" – eine deutsche Institution

Jeder kennt sie, die Titelmelodie der "Tagesschau". Ab dem Ende der 1950er Jahre war die Sendezeit zwischen 20 Uhr und 20.15 Uhr in vielen Familien "Tagesschau-Zeit". Telefonanrufe und andere Störungen von Freunden und Verwandten versuchte man in dieser Viertelstunde zu unterbinden.

Am 26. Dezember 1952 flimmerte die erste Tagesschau über den Bildschirm. Die Anfänge der Sendung lagen in Hamburg, wo der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) seit 1948 eine Fernsehversuchsanstalt betrieb. Aus dem NWDR gingen später der Westdeutsche Rundfunk (WDR) und der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hervor.

Die Idee, Nachrichten für das Fernsehen und nicht für das Kino zu produzieren, hatte sich in Deutschland erst langsam durchgesetzt. Wie vieles in jenen Jahren ist diese Entwicklung dem Einfluss aus den USA zuzuschreiben. Empfangen werden konnten die Sendungen zunächst aber nur von einigen Gerätebesitzern, die im Einzugsbereich von Sendestationen in Hamburg, Hannover, Berlin und Köln lebten – in der ersten Zeit waren das nur einige Tausend Menschen.

Anfangs wurde die Tagesschau dreimal pro Woche gesendet – jeweils Montag, Mittwoch und Freitag. Jede Ausgabe wurde am folgenden Tag wiederholt. Ab dem 1. Oktober 1956 hatte sie von Montag bis Samstag ihren festen Platz im Programm, im September 1961 kam die Sonntagsausgabe hinzu.

Nachrichtenbilder im Fernsehen

Bis März 1955 verwendete die Tagesschau-Redaktion das Filmmaterial der "Neuen Deutschen Wochenschau", besaß aber seit 1953 auch einen eigenen Kameramann, der mit den deutschen Staatsmännern die Welt bereiste. Auf der Basis eines Fernsehvertrags, der damals sechs Landesrundfunkanstalten (BR, HR, NWDR, RB, SDR und SWF) umfasste, lieferten ab 1954 auch die übrigen ARD-Sender Beiträge aus ihrem Sendegebiet.

ARD-Nachrichtensprecher Karl Heinz Köpcke sitzt in einem schwarzen Anzug im Tagesschau-Studio (1984).

"Mister Tagesschau" Karl Heinz Köpcke

Umständlich war in den frühen Jahren der Tagesschau allerdings der Filmtransport. Bis zur Einführung der Magnetischen Bildaufzeichnung (MAZ) im Sommer 1959 konnten Filmbeiträge nicht überspielt werden: Das belichtete Filmmaterial musste von einem Kurier vom Aufzeichnungsort zum Sendestudio gebracht werden – je nach Entfernung per Fahrrad, Auto, Zug oder Flugzeug. Selbst innerhalb Deutschlands konnten so von der Aufzeichnung bis zur Sendung bis zu 24 Stunden vergehen.

Bis Ende der 1950er Jahre wurden die Filmbeiträge "aus dem Off" betextet, das heißt: Der Sprecher war nicht im Bild zu sehen. Erst 1959 betrat "Mister Tagesschau" Karl-Heinz Köpcke das Nachrichtenstudio – und wurde schnell zum Markenzeichen der ARD-Nachrichten.

"heute" – die Nachrichten-Alternative des ZDF

Mit Gründung des ZDF im Jahre 1963 und dem Start der Nachrichtensendung "heute" wurden die Tagesnachrichten zum umkämpften Programmformat. Das ZDF war bewusst als Konkurrenz zur ARD konzipiert, und das zeigte sich auch im Nachrichtenbereich. Die Sendezeit von "heute" lag immer vor der Tagesschau – ab 1973 fest auf 19 Uhr. Das ZDF warb mit dem Spruch: "Im ZDF, passt auf, ihr Lieben, weiß man das Neueste schon um sieben!"

Flottere, weniger steife Moderatoren und magazinähnliche Filmbeiträge machten das Profil der heute-Sendung aus und brachten die Tagesschau in den 1970er Jahren unter Quotendruck.

Die Einführung des Privatfernsehens

Im Januar 1984 strahlten die Sender Sat1 und RTL Plus in einem Teil der Bundesrepublik erstmals ihr Programm aus – der Beginn des kommerziellen Fernsehens in Deutschland. Eine Nachrichtensendung gehörte bei allen neuen Sendern von Anfang an zum täglichen Programm.

Inzwischen gibt es eine solche Vielzahl verschiedener Nachrichtenangebote, dass der Überblick schwer fällt. Aber natürlich gibt es Unterschiede in der Berichterstattung und der Aufbereitung der Nachrichten: Bei den Privaten nimmt die politische Berichterstattung zum Beispiel weniger Raum ein als bei ARD und ZDF.

Stattdessen werden verstärkt Themen aus dem Alltag der Zuschauer und sogenannte "Human Interest"-Themen aufgegriffen. Unterhaltungselemente, lockerere Kleidung und Verhaltensweisen der Moderatoren oder Sprecher und Studio-Live-Inszenierungen haben die Spannbreite dessen, was eine typische Nachrichtensendung ausmacht, erheblich erweitert.

"Aktuelle Kamera" – Nachrichten im Osten

Weniger vielfältig war die Nachrichtenlandschaft in der DDR. Pünktlich zu Stalins 73. Geburtstag wurde am 21.12.1952 in der DDR die "Aktuelle Kamera" ausgestrahlt, die erste öffentliche Nachrichtensendung. Sie bestand in der Anfangszeit aus einigen Dias, zu denen Nachrichtentexte verlesen wurden. Der Schwerpunkt der Berichterstattung lag auf innen- und wirtschaftspolitischen Themen – Staatsempfänge und Erfolgsmeldungen aus der Produktion füllten das Programm.

Auch aus den so genannten "sozialistischen Bruderländern" wurde berichtet, wobei man heikle Themen wie die Erfolge der Gewerkschaftsbewegung Solidarność in Polen oder das Gorbatschow-Programm von Glasnost und Perestroika gerne vermied.

Stand: 23.07.2018, 09:17

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