Das Korrespondentennetz der ARD

Krisenberichterstattung

Das Korrespondentennetz der ARD

Die ARD unterhält eines der größten Korrespondentennetze weltweit – es bringt Radiohörern und Fernsehzuschauern aktuelle Nachrichten und Hintergründe bis in den hintersten Winkel Deutschlands. Korrespondenten haben einen abwechslungsreichen Job, aber auch einen harten. Sie müssen heute schneller auf Sendung sein als noch vor 15 Jahren. Das Internet erhöht den Aktualitätsdruck.

Egal, ob in Brüssel etwas passiert, in Peking oder in Kairo: Die Auslandskorrespondenten der ARD berichten darüber und erklären den Deutschen, was in der Welt los ist. Jeden Tag. Ganz aktuell. Weltweit arbeiten mehr als hundert Journalisten fest angestellt bei der ARD als Korrespondenten für Hörfunk und Fernsehen.
Rolf Dieter Krause

Rolf Dieter Krause

Vor allem die Fernsehjournalisten sind vielen Menschen bekannt - zum Beispiel das Gesicht von Rolf-Dieter Krause, dem ARD-Korrespondent in Brüssel oder von Jörg Armbruster, der bis Ende 2012 für die ARD aus Kairo über die arabische Welt berichtete.

Die Auslandskorrespondenten der ARD beliefern Tagesschau und Tagesthemen ebenso wie Morgen-, Mittags- und Nachtmagazin. Bereits seit 1963 haben sie mit dem "Weltspiegel" ein eigenes Fernsehmagazin, das Hintergrundberichte zeigt. Bis heute sei der Weltspiegel "ein unverwüstliches Erfolgsformat", urteilt Das Erste, wo die Sendung läuft. "Jeden Sonntag schaltet ein Millionenpublikum ein, wenn die Weltspiegel-Fanfare ertönt", schreibt der Sender.

30 Auslandsstudios liefern Berichte

Seinen Ursprung hat das ARD-Korrespondentennetz in den 1950er Jahren. Die ersten Korrespondenten gab es in Großbritannien, Frankreich, Schweden, Italien und den USA. Mitte der 50er Jahre ging der erste Hörfunkkorrespondent nach Moskau, 1975 eröffnete die ARD ein Studio in Ostberlin. Derzeit unterhält die ARD 30 Auslandsstudios und hat damit international eines der größten Korrespondentennetze.

Blick auf Gebäude des ARD-Studios DDR in der Masurenallee

Das ARD-Studio in Ostberlin

Während eine Reihe anderer Medien sich keine eigenen Auslandskorrespondenten mehr leisten will oder kann, hält die ARD bislang weitgehend an ihrem Korrespondentennetz fest. Ohne die unabhängigen öffentlich-rechtlichen Sender "entstünden immer mehr weiße Flecken auf der Weltkarte", urteilt die Chefredakteurin des NDR-Hörfunks, Claudia Spiewak. Sie fürchtet allerdings Einschritte wegen der steigenden Kosten. "Eine Bestandsgarantie für das große Korrespondentennetz der ARD ist in diesen Zeiten alles andere als selbstverständlich", schreibt sie in der Zeitschrift "epd-Medien".

ARD-Korrespondenten: viel unterwegs, wenig frei

Strassenbild in Kairo

Der SWR betreut ein Korrespondentenbüro in Kairo

Bei der Auslandsberichterstattung herrscht Arbeitsteilung - die Sender in der ARD haben die Welt unter sich verteilt. Der WDR betreut zum Beispiel die Studios in Brüssel und Moskau, der SWR ist unter anderem für die Studios in Kairo und Rio de Janeiro zuständig. Die Berichtsgebiete der einzelnen Auslandsstudios sind teilweise sehr groß. So müssen die beiden Fernsehkorrespondenten im Studio Kairo 15 Länder im Blick haben, darunter etliche Krisenherde wie Ägypten, Irak und Syrien.

Der Arbeitsalltag von Auslandskorrespondenten ist sehr anstrengend - sie müssen sich rund um die Uhr auf dem Laufenden halten und sind viel auf Achse. "Eigentlich sind wir eher ein Reisebüro, weil wir immer unterwegs sind“, erklärt der ehemalige ARD-Korrespondent in Mexico-City, Peter Puhlmann, in einem Interview mit "AIM - Ausbildung im Medienberufen". Das Studio Mexico-City betreut mehr als 20 Länder, darunter Mexiko, Zentralamerika, die Karibik und das nördliche Südamerika. "Als ich der einzige Korrespondent der ARD in Kairo war, hatte ich tatsächlich überhaupt kein Wochenende", berichtet Armbruster. Seit 2012 gibt es zwei Korrespondenten im ARD-Studio Kairo - da kann einer von beiden auch mal freimachen.

Arbeiten unter der Aufsicht von Geheimdiensten

Personenkontrolle in Damaskus

Personenkontrolle in Damaskus

In der Regel arbeiten Auslandskorrespondenten drei bis fünf Jahre an einem Standort, dann kehren sie in ihre Heimatredaktion zurück. Ein Schritt, der manchem nicht leicht fällt. "Das Leben als Auslandskorrespondent ist ein freieres als im Sender, auch wenn er an der langen Leine der Tagesschau lebt", sagt der ehemalige Nahostkorrespondent Armbruster. "Außerdem verändert sich der Blick auf Deutschland, wenn man einige Jahre aus dem Ausland berichtet hat.

Die Arbeitsbedingungen der Auslandskorrespondenten sind in manchen Ländern sehr schwierig. Beispiel Syrien: "Wenn ich mit der Kamera in Damaskus draußen unterwegs bin, kann ich keinen Schritt machen, ohne dass mir ein Begleiter vom staatlichen Informationsministerium die ganze Zeit folgt", berichtet Reporter Armbruster. "In den Hotellobbys sitzen außerdem immer Geheimdienstleute, die sofort aufgeregt telefonieren, wenn wir Anstalten machen, unser Hotel ohne den Begleiter zu verlassen. Denen entgeht nichts. Das ist wie Käfighaltung."

Das Internet als Treiber

Heutzutage müssen Auslandskorrespondenten schneller Informationen liefern als noch vor 15 Jahren. "Die Geschwindigkeit in der Berichterstattung hat sich erhöht", sagt Armbruster. Das Internet ist zum Treiber geworden. Außerdem stellt es Journalisten vor neue Herausforderungen - besonders die Webvideos aus Kriegsgebieten. Ob Aufnahmen echt oder nachgestellt sind und zu Propagandazwecken verbreitet werden, ist oft schwer zu beurteilen.

Die ARD beschäftigt deshalb seit 2011 eigene Bildrechercheure, die im Internet nach Amateurvideos und Fotos aus Krisen- und Kriegsgebieten suchen. "Das Material zu finden ist nicht das Schwierigste", berichtet der Leiter des ARD-Content-Centers, Michael Wegener, in "epd Medien". "Die wahre Herausforderung ist die Verifikation." Um die Quelle von Videoclips und ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, sind die Journalisten im Content Center auf die Hilfe der ARD-Auslandskorrespondenten angewiesen.

Autorin: Martina Janning

Stand: 26.08.2015, 06:00

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