Tierfilme

Pinguine tummeln sich auf dem Eis.

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Tierfilme

Tierfilme sind beliebt: Mit Großproduktionen wie "Die Reise der Pinguine" (2005) oder "Unsere Ozeane" (2012) erobern sie die Kinoleinwände und erzielen beachtliche Publikumszahlen. Auch im Fernsehen sind Tierfilme erfolgreich. Eine Erklärung für den Boom: die Sehnsucht des modernen Menschen nach ursprünglicher, wilder Natur. Es gibt aber auch die gegenteilige Tendenz: Tiere – egal, ob wild oder domestiziert – zu vermenschlichen. Inzwischen gibt es für jedes Bedürfnis das passende Tierfilm-Format: von anekdotenhaften Tiergeschichten aus dem Zoo bis hin zu möglichst naturgetreuen,

Recherche ist gut, Vertrauen noch besser

Tierfilmen, die das Leben und Verhalten von Tieren möglichst naturgetreu und ungestört von äußeren Einflüssen dokumentieren, gehen meist lange Vorbereitungsphasen voraus. Die Recherche ist das A und O: Angenommen, es soll ein Film über das Brutverhalten von Kolibris entstehen, dann müssen die Filmemacher zunächst herausfinden, wie sie die Tiere überhaupt beobachten können.

Wo und wie brüten die Vögel eigentlich? Wie komme ich dahin? Zu welcher Jahreszeit ist überhaupt etwas Interessantes zu sehen? Wo wächst das nächste Futter, damit ich die Tiere auch im An- und Abflug beobachten kann? All diese Fragen muss der Filmemacher vorher beantworten können.

Eine Frau und ein Mann umarmen sich. Im Vordergrund ein Hund.

Das Ehepaar Melanie und Jan Haft

Tierfilmer sind also entweder ausgewiesene Tierexperten (Bernhard Grzimek war beispielsweise Tierarzt und Verhaltensforscher, Heinz Sielmann Biologe und Verhaltensforscher) oder arbeiten eng mit Experten und Wissenschaftlern zusammen, die sich mit den jeweiligen Arten bestens auskennen.

Neben dem reinen Wissenstransfer spielt Vertrauen eine große Rolle, wie die Tierfilmer Melanie und Jan Haft bestätigen: "Die Menschen, die die Tiere ja in erster Linie schützen wollen, müssen sich sicher sein, dass wir die Tiere mit unseren Dreharbeiten nicht stören und dass wir uns an Absprachen halten. Insofern ist nicht nur eine berufliche, sondern auch eine hohe soziale Kompetenz wichtig."

Das gilt auch bei den Dreharbeiten vor Ort. "Um gute Bilder in den Kasten zu bekommen, müssen wir uns zunächst mit Land und Leuten vertraut machen, schließlich sind wir auf ein gewisses Insider-Wissen angewiesen." Die beiden Dokumentarfilmer betreiben zusammen die Produktionsfirma nautilusfilm im bayerischen Dorfen und haben schon zahlreiche Dokumentationen realisiert, unter anderem für den WDR, den Bayerischen Rundfunk und ARTE. Mit "Das grüne Wunder - Unser Wald“ kam 2012 ihr erster Kinofilm heraus.

Schön, wenn man einen Plan hat

Ein männlicher Steinadler.

Räuber der Lüfte: Ein männlicher Steinadler

Bis sich die Filmemacher an ihre eigentliche Arbeit machen können – dem Drehen von Tieren – vergeht durchaus ein ganzes Jahr. "Wir veranschlagen rund drei Jahre für einen Film. Ein Drittel davon geht allein für die Vorbereitung drauf, zwei Drittel für Dreh und Schnitt", erklärt Melanie Haft.

Nach einer gründlichen Recherche wird ein Drehplan entwickelt. Doch anders als bei Spielfilmen und Dokumentationen gilt dieser Plan höchstens als Richtwert, der einen gewissen roten Faden vorgibt. "Wenn wir den Film samt Spannungsbogen zu Hause planen, wissen wir noch nicht, was vor Ort auf uns zukommt", so die Tierfilmerin.

Weil sie sich immer wieder auf unbekannte Orte und Lebensräume einlassen müssen, passiert es oft, dass die sorgsam ausgearbeiteten Drehpläne über Bord geschmissen werden müssen. Als sie etwa in Afrika drehten, regnete es plötzlich, obwohl eigentlich Trockenzeit war. Bei dem Film "König der Berge - Steinadler" mussten sie damit umgehen, dass die Vögel bekannte Nistplätze zwischenzeitlich aufgegeben hatten oder nicht mehr zu erreichen waren. Filmemacher müssen mit vielen Zufällen rechnen, improvisieren und umdisponieren.

Das richtige Material

So sehr die Filmemacher von Tierfilmdokumentationen auch an authentischen Szenen aus der Natur interessiert sind – diese müssen zudem auch gut rübergebracht werden. "Natur muss schön dargestellt werden, damit die Menschen sie schätzen. Menschen verstehen schöne Bilder", sagt Melanie Haft.

Tipps: Die Natur filmen 01:21 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Dafür verwenden die Filmemacher spezielle hochauflösende Kameras, die eigentlich bei Werbe- und Spielfilmen zum Einsatz kommen. Sie besitzen eine besonders hohe Auflösung und einen vollen Kontrastumfang. Daneben kommen oft auch Super-Zeitlupen-Kameras und Spezialobjektive wie Endoskopoptiken zum Einsatz.

Letztere werden eigentlich in der Medizin benutzt und lassen beispielsweise kleinste Insekten riesengroß erscheinen. So kann der Zuschauer Details erkennen, die er mit bloßem Auge nicht beobachten könnte. Mit Schnorchelobjektiven können die Filmemacher den Übergang von Über- zu Unterwasser drehen; Infrarot- und Flugkameras helfen in der Nacht oder bei Bildern aus der Luft.

Auf die Lauer legen

Ein Adler beim Nestbau.

Ein Adler beim Nestbau

Aber das beste Equipment nützt nichts, wenn man das Objekt der Begierde nicht vor die Linse bekommt. Auch darauf müssen sich die Filmemacher vorbereiten. Sie benutzen Tarnnetze oder Tarnzelte, um die Tiere ungestört beobachten zu können. Allerdings müssen sie die Vorrichtungen einige Zeit vor den Dreharbeiten einrichten, damit die Tiere sich daran gewöhnen.

Und manchmal müssen sie auch dem Zufall auf die Sprünge helfen: Bei einem Dreh über Adler hat das Filmteam der Hafts beispielsweise verschiedene Nester lange vor der Brutzeit mit zahlreichen Kameras bestückt, ohne zu wissen, welches Nest später tatsächlich bewohnt werden würde. Da kann es leicht passieren, dass ein Nest zwar mit jeder Menge Technik ausgestattet ist, aber dass am Ende kein Tier in diesem Nest sitzt. Der Material- und Technikaufwand bei Tierfilmen übertrifft oft den von Spielfilmproduktionen.

Glückssache

Ein Fuchsjunges.

Die Hafts filmten die Geburt von Füchsen

Manchmal brauchen Tierfilmer auch Glück. Die Hafts haben beispielsweise eine verletzte Füchsin aufgezogen, die anschließend in ihrem Garten lebte. Es entstand die Idee, einen Film über Füchse und ihre Jungen zu drehen. Sie bauten einen Fuchsbau unter ihrem Haus nach, in der Hoffnung, das zwischenzeitlich schwanger gewordene Tier würde diesen annehmen.

Nacht für Nacht saßen die Filmemacher vor einer Beobachtungsscheibe, bis die Füchsin tatsächlich dort ihre Jungen zur Welt brachte. "Das war ein tolles Erlebnis", erinnert sich Melanie Haft. "Wenn die Idee zu einem Film einmal steht, wird man schnell zu einer Art Schatzjäger und nimmt selbst große Strapazen auf sich." Für sie und ihren Mann gehört ein gewisser Grad an Begeisterung und Besessenheit einfach dazu, wenn am Ende ein toller Tierfilm entstehen soll.

Autoren: Eve Sattler/Marie-Luise Nilges

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Stand: 31.08.2016, 10:30

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