Heiraten in Las Vegas – Das Mekka der Jasager

Auf einer grünen Wiese steht ein rotes Schild, auf dem 'Wedding Chapel' zu lesen ist, dahinter eine kleine gelbe Kapelle

Las Vegas

Heiraten in Las Vegas – Das Mekka der Jasager

Von Katrin Lankers

1931 war ein wichtiges Jahr im Staat Nevada: Das Glücksspiel wurde legalisiert – und das Heirats- und Scheidungsrecht gelockert. Sechs Wochen Aufenthalt in Nevada reichen aus, um sich dort scheiden zu lassen. Während sich Reno zur komfortablen Warteschleife für Eheunwillige entwickelte, setzte die Glückspielmetropole Las Vegas auf die Heiratslustigen – und schuf sich damit einen bis heute krisensicheren Wirtschaftszweig.


Mit Elvis ging's los

Auf Platz eins der weltweiten Orte für Traumhochzeiten rückte Las Vegas am 1. Mai 1967. An diesem Tag führte Elvis Presley seine Braut Priscilla Ann Beaulieu zum Traualtar.

In Bad Nauheim hatte ihre Liebe begonnen, da war Priscilla gerade 14 Jahre alt. Besiegelt wurde sie acht Jahre später in Las Vegas. Der "King of Rock'n'Roll" und seine "Königin" gaben sich das Jawort in der Hochzeitskapelle des Aladdin Hotels. Ganz romantisch: die Braut in Weiß, die Hochzeitstorte im Hochhausformat. Zum anschließenden Empfang kamen rund 100 Gäste, zur Pressekonferenz eine Horde Journalisten.

Schon vor Elvis und Priscilla und oftmals danach schlossen prominente Paare in Las Vegas den Bund fürs Leben – oder zumindest einen Bund auf Zeit. Schauspieler Mickey Rooney etwa heiratete jede seiner insgesamt acht Ehefrauen in Las Vegas. Paul Newman, Judy Garland, Frank Sinatra waren nur einige der vielen, die zum Jasagen in die Wüste reisten.

Auch in jüngerer Zeit sorgen Promis immer wieder mit Vegas-Hochzeiten für Schlagzeilen: Pop-Sternchen Britney Spears heiratete 2004 aus einer Partylaune heraus mitten in der Nacht ihren Jugendfreund Jason Alexander. Den Schritt bereute sie allerdings schnell und ließ die Ehe 55 Stunden später annullieren.

Elvis und Priscilla Presley in Hochzeitskleidung schneiden gemeinsam eine mehrstöckige Torte an.

Elvis und Priscilla Presley begründeten den Hochzeitsboom

Schnell und schmerzlos

Keine dieser Hochzeiten aber – ob nun mit Medienrummel verbunden oder ganz geheim wie die von Steffi Graf und Andre Agassi – hat den Las-Vegas-Hochzeitsboom so inspiriert wie die von Elvis und Priscilla.

Elvis ist überall. Kaum ein Hochzeitsveranstalter, der den King nicht im Programm hätte. Elvis als Chauffeur, Elvis als Trauzeuge, Elvis sogar als Trauungsminister, vor dem sich die Paare ihr "Ja" zuhauchen. "Love me tender" läuft in vielen Kapellen quasi als Endlosschleife vom Band. Natürlich nur, wenn die Heiratswilligen es wünschen.

Daneben gibt es eine Fülle von verschiedenen Hochzeitsarrangements, die ungefähr so individuell sind wie das Brautkleid von der Stange oder der Brautstrauß aus Seidenrosen, der in vielen Angeboten enthalten ist.

"Der besondere Reiz am Heiraten in Vegas ist, dass es so schnell und unkompliziert geht", vermutet 2008 Lena Kaiser von der "Las Vegas Convention and Visitors Authority", dem offiziellen deutschen Las Vegas Tourismus-Büro. Weder Aufgebot noch Bluttests (wie sonst in den USA gefordert) sind nötig – allenfalls müssen die Paare ein bisschen Geduld mitbringen, wenn die Schlange im Marriage License Bureau zu lang ist.

Dort erhalten Jasager die offizielle Lizenz zum Heiraten. Mitzubringen ist nur ein Reisepass und gegebenenfalls eine Scheidungsurkunde. Außerdem 55 Dollar. Die Zeiten, in denen Kurzentschlossene à la Britney Spears mitten in der Nacht ihre Lizenz abholen konnten, sind allerdings vorbei: Seit 2006 hat das Marriage License Bureau nicht mehr 24 Stunden geöffnet, sondern nur noch von acht bis Mitternacht, immerhin an sieben Tagen die Woche.

Ein Mann mit Lederjacke und eine Frau im Marilyn-Monroe-Kleid stehen vor einem Elvis-Imitator, links und rechts die Trauzeugen

Schön schrill: Jasagen vor dem Elvis-Imitator

Heiraten wie bei McDonalds

Wer sich die Lizenz bereits gesichert hat, könne aber weiterhin rund um die Uhr vor den Altar treten, betont Lena Kaiser. Wo und wie die Zeremonie über die Bühne geht, bleibt jedem Paar selbst überlassen – die Palette der potenziellen Trauungsorte ist fast unüberschaubar.

Allein rund 60 Hochzeitskapellen bieten Paaren ihren Service an: von der Basis-Variante (Dauer oft nicht länger als einige Minuten) bis hin zum Rundum-Sorglos-Paket mit Limousinen-Fahrt, Brautkleidverleih und Video-Mitschnitt (Kostenpunkt: mehrere hundert Dollar). Elvis kostet extra.

Andere Sonderwünsche ebenfalls, dafür ist (fast) alles möglich: Heiraten wie Captain Kirk? Kein Problem beim Star-Trek-Angebot. Zeitreise ins Mittelalter? Na klar, sie als Burgfräulein, er als schmucker Ritter. Selbst vor Gruselangeboten mit Friedhofsflair dank falscher Grabsteine schrecken manche Kapellen nicht zurück.

Wer es noch ausgefallener liebt, wird ebenfalls bedient: Im Helikopter oder im Heißluftballon, auf der Berghütte oder in einer Goldmine, in der Gondel oder auf dem Piratenschiff – der Fantasie (und ihrer Realisierung) sind keine Grenzen gesetzt. Für ganz Eilige gibt es die Drive-up-Fenster: "Heiraten wie bei McDonalds", scherzt Lena Kaiser.

Das Einzige, was man neben einer Lizenz benötigt, ist ein Trauzeuge. Wer keinen mitgebracht hat, kann sich in der Regel gegen ein Trinkgeld problemlos den vom vorherigen Paar ausborgen. 18 Jahre muss man außerdem mindestens sein, um in Las Vegas zu heiraten. Wer anschließend mit einem Glas Sekt anstoßen möchte, muss allerdings das 21. Lebensjahr bereits vollendet haben.

Eine weiße Stretch-Limousine hält vor einem Fenster, über dem 'Wedding Drive Thru' steht

Für ganz Schnelle: Hochzeit am Drive-up-Fenster

Flitterwochen inklusive

Hochzeiten sind eine Boombranche in der Glitzerwelt der Glücksspielmetropole. Knapp 80.0000 Paare gaben sich dort im Jahr 2017 das Jawort. Etwa 1300 davon waren extra aus Deutschland angereist. Und auch aus vielen anderen Teilen der Welt buchen Heiratswillige die Hochzeit samt Honeymoon.

So schnell und einfach, wie in Las Vegas aus zwei Touristen ein Ehepaar wird, geht es zu Hause allerdings nicht weiter. In Deutschland muss man noch einige Papiere vorlegen, bis die Hochzeit auch hierzulande offiziell anerkannt ist. Benötigt wird eine beglaubigte Kopie des Trauscheins sowie eine sogenannte Apostille, die wiederum die Echtheit der Heiratsurkunde bestätigt. Manche Standesämter verlangen zusätzlich eine Übersetzung der Dokumente.

Bis alle Unterlagen aus den USA eingetroffen sind, können einige Monate vergehen – mehr Zeit, als so mancher Vegas-Ehe vergönnt war. Auch Elvis und Priscilla lebten nicht glücklich zusammen bis an ihr Lebensende. Nach sechs Jahren wurde die Ehe wieder geschieden. Das "Aladdin-Hotel" existiert nicht mehr, an seiner Stelle steht heute das "Planet Hollywood Resort and Casino".

Andere Paare beweisen hingegen: Auch bei Traumhochzeiten "Made in Vegas" kann es ein Happy End geben. Paul Newman und Joanne Woodward etwa feierten 2008 kurz vor dem Tod des Schauspielers ihr Goldjubiläum.

Das Paar Paul Newman und Joanne Woodward.

Paul Newman war bis zu seinem Tod mit Joanne Woodward verheiratet

Weiterführende Infos

Stand: 01.03.2019, 13:00

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