Zeittafel: von der Residenz zur Metropole

Stadtansich von München: Vor blauem Himmel ist die Altstadt mit der Frauenkirche und dem Neuen Rathaus zu sehen.

München

Zeittafel: von der Residenz zur Metropole

Von Nina von der Bey

Aus einem kleinen Dorf wurde eine bedeutende Handelsstadt. Aus der Residenzstadt wurde im 19. Jahrhundert die Metropole an der Isar. Heute zählt die Stadt rund 1,3 Millionen Einwohner. Hier einige markante Punkte der Stadtgeschichte.

1158: Von "Munichen" zur Stadt

Die heutige Metropole taucht zum ersten Mal 1158 unter dem Namen "Munichen" in den Geschichtsbüchern auf. Die mittelhochdeutsche Bezeichnung für Mönch wurde aus einem einfachen Grund zum Namen der Siedlung. Die ersten Gründungssteine des heutigen Münchens finden sich dort, wo seit dem 8. Jahrhundert eine Niederlassung von Mönchen aus dem Kloster Tegernsee lag.

Somit lag die mittelhochdeutsche Ortsbezeichnung "Munichen", quasi "Mönchhausen", nahe. Die Ansiedlung von Mönchen lag auf dem Petersbergl, wo heute der "Alte Peter", die älteste Pfarrkirche Münchens, das Stadtbild prägt.

Die erste namentliche Nennung Münchens ist in einer Urkunde Kaiser Friedrich Barbarossas zu finden. Anlass für die Namensgebung soll ein Streit zwischen Bischof Otto von Freising und Heinrich dem Löwen gewesen sein: Bei dem Streit geht es um eine Brücke, den Salz-Handel und die damit verbundenen Zolleinnahmen.

Herzog Heinrich zerstört die gewinnbringende Handelsbrücke des Bischofs mit der Absicht, eine neue auf seinem Land zu bauen und sich so die Zolleinnahmen zu sichern.

Kaiser Barbarossa unterstützt Heinrichs Machenschaften und verleiht "Munichen" das Marktrecht. Das einstige Mönchsquartier wird zur Handelsstadt. 1175 lässt Heinrich der Löwe eine Stadtbefestigung bauen. Der Herzog wird später nach England verbannt, weil er dem Kaiser die Gefolgschaft verweigert. Der Bischof von Freising, der einstige Streitgegner, wird neuer Stadtherr.

Heinrich der Löwe sitzt hoch zu Ross und blickt streng nach vorne. Er ist umgeben von Rittern. Links von ihm ist ein Hund abgebildet, auf der rechten Seite trägt eine Frau ein Kind. Im Hintergrund des Kunstdrucks ist eine Burg zu sehen. Von der Burgmauer blickt die aufgebrachte Menge Heinrich hinterher.

Heinrich der Löwe

1255: München wird Residenz

Die beiden herzoglichen Brüder Heinrich und Ludwig teilen 1255 das Herzogtum Bayern untereinander auf. Neben dem Teilherzogtum Niederbayern wird das Teilherzogtum Oberbayern mit dem Hauptort München gegründet. Unter Herzog Ludwig II. ist München nun nicht mehr nur Bürgerstadt und Handelsplatz, sondern auch Amtssitz eines Landesherrn.

München ist nun eine Residenzstadt. Eine herzogliche Hauptstadt zieht mehr Menschen an. Bis 1315 verfünffacht sich die Einwohnerzahl Münchens, bis 1504 leben 13.500 Menschen in München. 1328 residiert sogar der Kaiser in München. Die florierende Stadt steigt von der herzoglichen zur kaiserlichen Residenz auf.

1632: München in fremder Hand

Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, 1632, wird München von Schwedenkönig Gustav Adolf und seinem Gefolge besetzt. Allerdings ist der schwedische Herrscher so beeindruckt von der Residenzstadt, dass er von größeren Verwüstungen absieht. Doch das hat seinen Preis: Für sein Entgegenkommen verlangt er 300.000 Reichstaler.

Stadt und Bürger sammeln, was nur möglich ist. Aber es ist nicht genug. Es fehlen mehr als zwei Drittel der geforderten Summe. Die Schweden nehmen 42 bayerische Geiseln und eine Menge kostbares Salz mit. Danach ist München finanziell ausgeblutet.

Rund 70 Jahre später muss München eine weitere Besatzung erdulden. Diesmal ist es die fremde Hand der Habsburger, die nach der bayerischen Stadt greift.

Im Spanischen Erbfolgekrieg verbündet sich Kurfürst Max Emanuel mit dem französischen General de Villars. Damit bezieht er Stellung gegen die Österreicher. 1704 müssen die französisch-bayerischen Truppen ganz Bayern räumen, womit München an die österreichischen Habsburger fällt.

Die Besatzung hat erst mit dem Friedenskongress zu Baden, 1714, ein Ende. 1742 sind es erneut die Österreicher, die München für sich beanspruchen. Der Grund für die erneute Stadtbesatzung ist noch immer der Erbfolgekrieg. 6000 Besatzungssoldaten machen es für jeden Münchener unübersehbar, dass ein anderes Regime herrscht.

1634: Der Schwarze Tod

Die Pest findet ihren Weg nach München. Eine Epidemie breitet sich in der bayerischen Hauptstadt aus. Zwischen 1634 und 1636 fällt jeder dritte Münchener der Seuche zum Opfer. Von ihrem üblen Ruf als "Pest-Stadt" wird München erst in den 1860er Jahren befreit, als man eine Frischwasserversorgung aus dem Gebirge schafft.

19. Jahrhundert: Mekka der Künstler

Zum Mekka der Künstler entwickelt sich die bayerische Metropole Mitte des 19. Jahrhunderts. Ludwig I. will aus der Residenzstadt ein baumeisterliches Juwel machen. Er liebt die italienische Baukunst und ist seit seiner Italienreise fasziniert von der Antike. Nach ihrem Vorbild lässt er die Ludwigstraße und den Königsplatz gestalten.

Das Bild des Königsplatzes wird von den sogenannten Propyläen, einem Torbau, bestimmt. In der Mitte ist ein griechisches Tor zu sehen, das rechts und links von zwei Türmen eingerahmt ist. Im Vordergrund sind Passanten, eine Wiese und eine Kutsche dargestellt.

Unter Ludwig I. geschaffener Königsplatz

An künstlerischer Inspiration fehlt es auch unter der Herrschaft von Prinzregent Luitpold ab 1889 nicht. Die Belle Époque ist Münchens Glanzperiode. Architektur, Malerei, Kunsthandwerk, Literatur und Theater sprengen alte Regeln und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Thomas Mann arbeitet für die satirische Zeitschrift "Simplicissimus". Der Naturalist Henrik Ibsen schreibt in München sechs seiner Dramen. Die Expressionisten Kandinsky, Kubin, Klee, Marc, Jawlensky setzen mit der Künstlergruppe "Blauer Reiter" neue Maßstäbe. Ihre erste Ausstellung 1911 ist ein Meilenstein der modernen Kunst.

1918: Revolution und Ende der bayerischen Monarchie

Die Geschehnisse des Ersten Weltkriegs lassen auch München nicht unberührt. Die Bürger haben schon lange nicht mehr genug zu essen und sehnen sich nach Frieden. Rufe nach einer neuen Regierung werden laut.

Die Oktoberrevolution von 1918 setzt der bayerischen Monarchie und somit auch der Amtszeit Ludwigs III. ein Ende. Der König flieht. Der Sozialdemokrat Kurt Eisner ruft den Freien Volksstaat Bayern aus.

1919: Gründung der NSDAP

München ist Gründungsort der NSDAP, der "Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands". Adolf Hitler führt die neue Partei. 1923 versucht er die Regierung zu stürzen – vergeblich: Der Hitlerputsch, der im Bürgerbraukeller begonnen hatte, wird vor der Feldherrnhalle von der bayerischen Landespolizei gestoppt. Hitler kommt in Festungshaft.

Das Foto zeigt eine Menschenmenge vor einer Bühne, auf der eine Kundgebung stattfindet. Sämtliche Zuschauer halten ihren rechten Arm zum Hitlergruß gehoben. Einige Fahnen mit dem für die Nationalsozialisten typischen Hakenkreuz sind zu sehen.

Hitler feiert vor der Feldherrnhalle den 10. Jahrestag des Hitlerputsches

1933 beginnt dennoch die Diktatur der Nazis. München wird gleichgeschaltet. Hitler erklärt die Isar-Metropole zur "Hauptstadt der Bewegung" und lässt groß angelegte Bauten errichten. Im gleichen Jahr richten die Nazis in der Nähe von München das Konzentrationslager Dachau ein.

1945: München nach dem Krieg

Der von den Nazis gelenkten Reichspogromnacht fallen 1938 auch die Münchener Synagogen zum Opfer. Der Zweite Weltkrieg verwandelt das einst glänzende Mekka der Künste in eine Steinwüste. Nach Kriegsende liegt fast die Hälfte der Gebäude in Trümmern.

Als 1945 amerikanische Truppen in München einmarschieren, hat München eine halbe Million Einwohner weniger. Wie im übrigen Deutschland erholt man sich nach und nach von den Folgen des Krieges. Zwölf Jahre später, nach dem Wiederaufbau, überschreitet die Einwohnerzahl der Isar-Metropole die Millionengrenze.

München nach Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Häuser und Kirchen sind stark beschädigt. Dächer, Wände und Fenster fehlen.

München am Ende des Zweiten Weltkrieges

1972: Blutbad bei den Olympischen Spielen

Der zweite Bürgermeister, Georg Brauchle, spielt in den 1960er Jahren bei der Planung eines Großstadions mit dem Gedanken, dass München zur Olympia-Stadt werden könnte. Dabei handelt es sich mehr um einen Traum als um einen Plan. Später schlägt der Präsident des Olympischen Komitees vor, München solle sich für die Olympischen Spiele 1972 bewerben.

Dem steht man in Bayerns Hauptstadt zunächst skeptisch gegenüber. Die Nationalsozialisten hatten die Spiele 1936 zu ihren Propagandazwecken missbraucht. Und wie sieht es mit dem Osten Deutschlands aus? Würde die Deutsche Demokratische Republik teilnehmen und wenn ja, in welcher Form? Ist es zu schaffen, das geplante U- und S-Bahn-Netz fünf Jahre früher als geplant fertigzustellen?

Bei der Entscheidung 1966 sticht München seine Mitbewerber Madrid, Montreal und Detroit aus. Sportanlagen sprießen aus dem Boden. Am 26. August 1972 werden die 20. Olympischen Spiele von Oberbürgermeister Georg Kronawitter eröffnet. Man hofft auf fröhliche Spiele, die ein Signal für Frieden und Völkerverständigung setzen.

Auf dem Foto ist das Münchener Olympiastadion aus der Vogelperspektive abgebildet. Die Glasdächer über den Zuschauertribünen glänzen in der Sonne. Die Menschen sind nur als Punkte zu erkennen. Im Hintergrund sieht man die Innenstadt Münchens.

Hier wird Deutschland 1974 Fußball-Weltmeister

Der Anschlag einer arabischen Terrorgruppe macht die Idee der "heiteren Spiele" zunichte. Das Attentat gilt der israelischen Mannschaft. Die Geiselbefreiung am Flughafen Fürstenfeldbruck kostet 15 Menschen das Leben. Darunter sind neun Geiseln und ein Polizist.

Statt als Ort der fröhlichen Spiele geht München als tragischer Schauplatz eines politischen Konflikts in die Geschichtsbücher ein. Das einstige olympische Dorf dagegen hat sich bis heute zu einem eigenen Stadtteil entwickelt.

2005: Fußball-Arena

Ein neues architektonisches Glanzstück reiht sich 2005 in die Münchener Bauvielfalt ein. Die neue Arena ist nur für König Fußball gedacht. Sie dient als Stadion für den FC Bayern und den TSV 1860 München. Das neue Stadion bietet Platz für 71.000 Fußballfans. Der Bau alleine hat 280 Millionen Euro gekostet, 340 Millionen mit der dazugehörigen Ausstattung.

Kosten und Mühen haben sich gelohnt: Mit ihrer transparenten Fassade ist die Arena eine beeindruckende Erscheinung. Rund 2900 rautenförmige Luftkissen prägen das äußere Erscheinungsbild. Um das neue Stadion an das Münchener Verkehrsnetz anzubinden, wurden sogar zwei neue Autobahnanschlüsse gebaut.

Die ovale Arena in der Abenddämmerung. Die rautenförmigen Luftkissen sind rot beleuchtet, so dass das ganze Stadion von außen betrachtet wie eine rote Kuppel aussieht.

Die Allianz-Arena

Stand: 23.07.2019, 13:45

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