Alexander Dubček

Alexander Dubcek winkt von einem Balkon

Slowakei

Alexander Dubček

Er ist der wohl bekannteste Slowake der jüngeren Vergangenheit und wird fälschlicherweise oft für einen Tschechen gehalten: Als treuer Parteisoldat arbeitete sich Alexander Dubček bis an die Spitze der Tschechoslowakei und träumte von einem "Sozialismus mit menschlichem Antlitz". Das blutige Ende des Prager Frühlings machte seinem Traum ein Ende und Dubček verschwand in der politischen Versenkung. Doch einmal kehrte er noch auf die Bühne der Weltgeschichte zurück.

Kommunistische Kindheit und Jugend

Alexander Dubček wird am 27. November 1921 im westslowakischen Uhrovec als zweiter Sohn eines Tischlers geboren. Seine Eltern sind beide überzeugte Kommunisten und siedeln 1925 nach Moskau über, um sich am Aufbau der Sowjetunion zu beteiligen. Auch Dubček wird in dieser Zeit zum eingefleischten Kommunisten.

Kurz nach seiner Rückkehr 1938 in die Tschechoslowakei tritt er der zu diesem Zeitpunkt illegalen Kommunistischen Partei der Slowakei (KSS) bei. In den folgenden Jahren beteiligt er sich gemeinsam mit seinem Bruder Julius am Untergrundkampf gegen die nationalsozialistischen deutschen Besatzer und das faschistische Regime der Slowakei.

Auch am slowakischen Nationalaufstand 1944 nehmen die Brüder teil. Julius Dubček kommt dabei ums Leben, Alexander überlebt verletzt.

Karriere in der Partei

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Tschechoslowakei wieder errichtet, das Land befindet sich aber wie nahezu ganz Osteuropa unter starkem Einfluss der Sowjetunion. Alexander Dubček arbeitet nach dem Krieg zunächst als Schlosser in einer Fabrik. In diesen Jahren beginnt er seine Karriere in der Kommunistischen Partei.

Bereits 1951 wird er Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der KSS und sitzt als Abgeordneter in der Nationalversammlung in Prag. Von 1955 bis 1958 geht Dubček nach Moskau, um dort an der Parteihochschule des ZK der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) zu studieren.

Nach seiner Rückkehr in die Tschechoslowakei klettert Dubček beständig die Karriereleiter nach oben. 1963 schließlich wird er Erster Sekretär der slowakischen Kommunisten und damit Politbüro-Mitglied des ZK der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ).

Beschrieben wird er als eher unscheinbarer Parteifunktionär, als ein typischer "Apparatschik". Doch in Dubček schlummert ein Reformer, der mit dem bestehenden Politikstil immer weniger einverstanden ist.

Der amtierende kommunistische Parteichef und Staatspräsident Antonín Novotný vertritt aus Dubčeks Sicht einen Kommunismus, der nicht mehr zeitgemäß ist. Bei einer Sitzung der KSČ fordert er sogar Novotnýs Rücktritt.

Auch in der Bevölkerung wächst zu dieser Zeit der Unmut über den dogmatischen Führungsstil und die schlechten Lebensbedingungen in der Tschechoslowakei. Anfang 1968 muss Novotný schließlich das Amt des Ersten Sekretärs abgeben, Dubček wird sein Nachfolger.

Sozialismus mit menschlichem Antlitz

Als neuer starker Mann der KSČ strebt Alexander Dubček weit reichende Reformen an. In einer Rundfunkrede sagt er, dass er es als seine Aufgabe betrachte, "in unserer Heimat eine sozialistische Gesellschaft mit menschlichem Antlitz aufzubauen, die zutiefst demokratisch, sozial gerecht und modern orientiert sein soll".

Und Dubček zögert nicht lange: Die Zensur wird abgeschafft, den tschechoslowakischen Bürgern werden Grundrechte wie Rede-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit garantiert. Auch in Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur soll der staatliche Einfluss verringert werden.

Panzer rollen ins Zentrum von Prag. Menschen schauen ungläubig zu.

Panzer beenden den Prager Frühling

In der Bevölkerung werden Dubčeks Pläne begeistert aufgenommen. Es entsteht eine Aufbruchstimmung, die als "Prager Frühling" in die Geschichte eingeht. Doch in der Sowjetunion und den kommunistischen Nachbarländern ist man weit weniger begeistert. Dubčeks Reformwille wird dort als Gefahr für den gesamten Kommunismus angesehen.

Als alle Versuche scheitern, von außen Einfluss auf die Entwicklungen in der Tschechoslowakei zu nehmen, haben die Sowjetunion und ihre Verbündeten genug. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschieren die Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei ein und bereiten der Reformbewegung ein blutiges Ende.

Absturz in die Bedeutungslosigkeit

Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen wird Alexander Dubček verhaftet und muss sich in Moskau für seinen Politikkurs verantworten. Zusammen mit seinen Mitstreitern wird er dazu gebracht, das "Moskauer Protokoll" zu unterzeichnen, das fast alle Reformvorhaben wieder rückgängig macht. Nach dieser politischen Kapitulation darf Dubček wieder in die Tschechoslowakei zurückkehren, doch seine Karriere ist scheinbar für immer am Ende.

Nach und nach wird Dubček aus seinen politischen Ämtern gedrängt. 1969 wird er zwar Parlamentspräsident, doch auf diesem Posten hat er keinen echten Einfluss auf die Politik. Im Oktober des selben Jahres wird er zum Botschafter in der Türkei ernannt, aber auch das nur für kurze Zeit. Ab 1970 arbeitet er schließlich bis zu seiner Pensionierung Mitte der 1980er Jahre in einem Forstbetrieb in Bratislava.

Politische Wiederauferstehung und Unfalltod

Als Alexander Dubček seine zweite Chance als Politiker bekommt, ist er bereits seit einigen Jahren pensioniert. Mehr als 20 Jahre nach dem Prager Frühling herrscht wieder Aufbruchstimmung in der Tschechoslowakei – genau wie in den anderen Staaten Osteuropas auch.

Im gesamten Ostblock begehren die Menschen im Herbst 1989 gegen die kommunistischen Regime auf und fordern mehr Freiheit. "Samtene Revolution" heißt diese Bewegung in der Tschechoslowakei, die letztlich den Rücktritt der alten Parteiführung auslöst.

Alexander Dubček wird im Zuge des Umbruchs rehabilitiert und schickt sich an, wieder die Politik seines Landes mitzubestimmen. Er hat nur ein Problem: Immer noch ist Dubček von den Ideen des Sozialismus überzeugt und stößt damit in der Bevölkerung auf taube Ohren. Nicht er wird neuer Staatspräsident, sondern der Schriftsteller Václav Havel.

Dubček wird dafür immerhin zum Präsidenten des Bundesparlaments gewählt. Im März 1992 tritt er der Sozialdemokratischen Partei der Slowakei bei und wird wenig später deren Vorsitzender. Doch seine neue Karriere ist nur von kurzer Dauer.

Anfang September verunglückt Alexander Dubček mit seinem Wagen. Er stirbt am 7. November 1992 an den Folgen des Unfalls.

Autor: Johannes Eberhorn

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Stand: 24.08.2016, 10:00

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