Umweltschutz

Blick auf ein Tal am Rande der Alpen in Slowenien.

Slowenien

Umweltschutz

Die Alpen, Wälder und Tropfsteinhöhlen gehören zum slowenischen Ski- und Wanderparadies. Seen, Flüsse und die Adria laden zum Wassersport ein. Doch Straßen und riesige Hotelanlagen bedrohen die Idylle in den Ortschaften. Und das Land droht unter Skipisten zu wegzubrechen. Deshalb gibt es seit 1993 ein strenges Umweltschutzgesetz.

Die natürlichen Schätze

Die Julischen Alpen, die Karawanken und die Steiner Alpen bedecken von West nach Ost ein Drittel Sloweniens. Bizarre Zeichen der Verwitterung sind im Kalkstein überall zu finden. Südlich und östlich schließen sich Mittelgebirge an. 17 der 20 höchsten Gipfel befinden sich in den Julischen Alpen, darunter der 2863 Meter hohe Triglav. 60 Prozent des Landes sind mit Wald bedeckt. Das war nicht immer so.

Die Legende erzählt von einem weißen Gamsbock, der wegen seiner goldenen Hörner Zlatorog (Goldhorn) genannt wurde, lebte unter dem Schutz von weißen Zauberinnen auf den Almen des Triglav. Wurde er angegriffen und verletzt, so verwandelte sich jeder Blutstropfen sofort in eine der seltenen Triglav-Rosen, die ihn heilte und ihm neue, noch größere Kräfte verlieh.

Zwei rote Schmetterlinge haben sich auf einer violetten Blume eingefunden.

Farbenfrohe Natur

Eines Tages aber trieb die Gier zwei Jäger dazu, den Gamsbock zu erschießen. Das schwer verwundete Tier zertrampelte im Zorn und Schmerz die blühende Natur um sich herum. Zurück blieben nur nackte Felsen und Zlatorog wurde nicht mehr gesehen.

Die Slowenen nahmen die Lehre an. Heute stehen acht Prozent des Landes unter Naturschutz. Die Regierung hat zum Schutz der Natur und des Lebensraums der Bergbewohner die Alpenkonvention unterschrieben. National-, Regional- und Landschaftsparks schützen besondere geologische Erscheinungen wie den periodischen Karstsee am Planinsko polje oder die Salinen von Sečovlja bei Piran sowie ganze Landschaften wie die Steiner Alpen. Besonders strukturschwache Gebiete, zum Beispiel in Grenzregionen, sollen über Naturschutzprogramme intensiver gefördert werden.

Sanierung der Umwelt

Aber die Natur will bei zunehmendem Tourismus nicht nur geschützt werden. Verdreckte Flüsse, verseuchte Böden, verschmutzte Luft müssen gereinigt werden. Slowenien hat unter den Beitrittsländern im Rahmen der Osterweiterung der Europäischen Union (EU) als erstes Land die Kriterien für den Umweltschutz erfüllt. Seit 1993 gibt es ein Umweltschutzgesetz, mit dessen Hilfe die meisten EU-Bestimmungen in nationales Recht übertragen werden konnten.

Die größten Boden- und Waldschäden wurden in Koroska festgestellt, schlimme Altlasten bei der alten Eisenhüttenstadt Ravne. Nach der Wende wurden hier umweltfreundlichere Kfz-Zulieferbetriebe angesiedelt, die überwiegend für den deutschen Markt produzieren. Aber auch Kohlekraftwerke verdunkeln immer noch den Himmel. Filteranlagen müssen eingebaut werden, neue Abgasvorschriften für den Autoverkehr wurden verabschiedet, bleifreies Benzin eingeführt.

Autos stehen auf einer Passstraße.

Nur eine Autostraße führt durch den Park

Von 1999 bis 2003 wurden etwa 1,5 Milliarden Euro für den Umweltschutz eingeplant. Ein Zehntel floss in die Reduzierung der Luftverschmutzung. Die Bewältigung der enorm gestiegenen Abfallmengen in Industrie und Privathaushalten verschlang ein Drittel der Summe.

Noch werden die Gefahren unterschätzt, die Planung von Müllverbrennungsanlagen stößt auf Widerstände. Mit dem größten Teil der Investitionen sollte die Wasserqualität verbessert werden. Überdüngung, Pestiziden, undichten Mülldeponien und wilden Ablagerungen wurde zu Leibe gerückt, neue Kläranlagen gebaut, unzureichende modernisiert. Auch heute noch ist nur knapp über die Hälfte der Haushalte an die Kanalisation angeschlossen. Aber die Maßnahmen greifen, beim Grundwasser ist bereits eine deutliche Verbesserung erzielt worden.

Mit diesen lobenswerten Vorhaben handelt sich die Regierung zugleich die bekannten Konflikte mit der Wirtschaft ein. Aufwendige Filter- und Kläranlagen verteuern die Produktion, hohe Auflagen für den Bau von Skipisten und Liften erhöhen die Preise, fehlende Straßen halten Touristen fern. Das Tauziehen zwischen ökonomischen Interessen und Umweltschutz wird anhalten.

Autorin: Andrea Reischies

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Stand: 22.07.2016, 14:00

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