Holzwirtschaft

Gefällte Baumstämme liegen gestapelt.

Bayerischer Wald

Holzwirtschaft

Vor allem eines hatte der Bayerische Wald schon immer im Überfluss: Holz. Kein Wunder, dass die Bewohner des Waldes seit Jahrhunderten von ihm leben. Es entstanden bedeutende Wirtschaftszweige wie die Glasindustrie oder der Holzhandel. Lange Zeit beuteten die Menschen die Holzvorräte ihrer Wälder aus, bis von der ursprünglichen Gestalt des Bayerischen Waldes nur noch wenig übrig blieb. Erst seit kurzer Zeit findet ein Umdenken statt, um die einzigartigen Wälder auch in Zukunft noch bewirtschaften zu können.

Glashütten

Die ersten Siedler im Bayerischen Wald sahen den Wald eher als lästiges Übel an, das schweißtreibend gerodet werden musste, um Flächen für Ackerbau und Viehzucht zu gewinnen.

Die ersten, die sich einen wirklichen Nutzen von den riesigen Holzvorkommen versprachen, waren die mittelalterlichen Glashütten. Um die Wirtschaft anzukurbeln, lockten im 14. Jahrhundert einige Landesherren Glasbläser mit großzügigen Steuererleichterungen in die wenig besiedelten Wälder.

Für die Glashütten hatte der Bayerische Wald zwei entscheidende Vorteile zu bieten: reiche Vorkommen an Quarz, dem wichtigsten Rohstoff für die Glasherstellung, und einen schier grenzenlosen Holzvorrat zur Befeuerung der Öfen.

Mit der Zeit zogen immer mehr Glasbläser in den Bayerischen Wald und bauten ihre Hütten in der Nähe der Quarzlagerstätten auf. War eine Lagerstätte ausgebeutet oder nicht mehr ausreichend Holz in der näheren Umgebung zu finden, zogen die Glasbläser weiter und bauten ihre Hütte an einem anderen Ort auf.

Blüte dank "Böhmischem Kristall"

Die Wanderglashütten stellten zunächst nur einige Gebrauchsgegenstände her, wie Butzenscheiben oder Spiegelglas, die nicht mit dem kunstvoll gefertigten Zierglas aus Venedig konkurrieren konnten. Doch mit der Erfindung des "Böhmischen Kristalls", einem kristallklaren Kreideglas, brach gegen Ende des 17. Jahrhunderts für die Glasindustrie im Bayerischen Wald eine Blütezeit an.

Zahlreiche neue Hütten entstanden, die immer mehr Rohstoffe benötigten. Vor allem Holz wurde wertvoll und teuer, da es auch in anderen Teilen Europas immer gefragter wurde. So geriet die Glasindustrie ungewollt in Konkurrenz zu der aufkommenden Holzwirtschaft.

Erst mit dem Ausbau des Schienennetzes gegen Ende des 19. Jahrhundert wurden die Glashütten unabhängiger und konnten sich wirtschaftlich erholen. Die Rohstoffe zur Glasproduktion konnten nun problemlos importiert werden.

Bis heute ist der Bayerische Wald bekannt für seine Glasherstellung und Glasbläserkunst. Moderne Großbetriebe sind hier ebenso ansässig wie kleine Kunsthandwerker.

Um die Glasbläserkunst touristisch aufzuwerten, wurde 1997 eine 250 Kilometer lange Glasstraße ins Leben gerufen. Sie führt in mehreren Routen durch den Oberpfälzer Wald und den Bayerischen Wald.

Im Vordergrund ein mundgeblasenes Glas an einer Flamme. Im Hintergrund ein Glasbläser bei der Arbeit.

Auch heute gibt es noch viele Glasbläsereien

Köhlerei

In der Umgebung der ersten Glashütten siedelten sich bald zahlreiche Köhler an. Um die Glasöfen auf Temperatur zu bringen, wurden große Mengen an Holzkohle benötigt. Die Köhler schichteten dazu Holzscheite um große Pfähle kegelförmig auf. In der Mitte des Meiler genannten Kegels wurde ein mit Reisig gefüllter Feuerschacht angelegt.

Anschließend deckten die Köhler den Kegel mit Erde, Moos und Gras ab und zündeten den Schacht an. In sechs bis acht Tagen war der Verkohlungsprozess dann so weit fortgeschritten, dass der Meiler wieder abgetragen werden konnte.

Jahrhundertelang stellten Köhler so die dringend benötigte Holzkohle für die Glashütten her. Doch im 19. Jahrhundert begann der Beruf auszusterben. Viele Glashüten stellten auf Steinkohle oder Braunkohle um, die mit dem Ausbau des Schienennetzes auch aus weit entfernten Regionen herbeigeschafft werden konnte.

Im Vordergrund schichtet ein Köhler Holzscheite auf. Im Hintergrund ein qualmender Meiler.

Der Beruf des Köhlers ist heute ausgestorben

Kanal fürs Holz

Im 18. Jahrhundert stieg der Preis für Holz europaweit in teilweise astronomische Höhen. Vor allem die wachsenden Metropolen Wien und Prag benötigten immer mehr Brenn- und Bauholz. Der Bayerische Wald hatte ausreichend davon zu bieten, doch der Transport aus der abgelegenen Region war mühsam und kostspielig. Neue Methoden zum Abtransport des begehrten Rohstoffes mussten her.

1774 machte der Forstingenieur Josef Rosenauer seinem Arbeitgeber Fürst Schwarzenberg einen Vorschlag: Den Bau eines Kanals, auf dem ausschließlich Holz transportiert werden sollte. Der Kanal sollte die Europäische Hauptwasserscheide zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer auf einer Strecke von knapp 52 Kilometern überwinden.

Mithilfe des Kanals konnten große Holzmengen nach Osten zur Moldau und nach Süden zur Donau gebracht werden. Der Fürst war begeistert, doch bis zum Baubeginn des ehrgeizigen Projekts sollten noch 15 Jahre vergehen.

Im Jahr 1824 war der Schwarzenberger Schwemmkanal, der seinerzeit als "achtes Weltwunder" bezeichnet wurde, vollendet. Bis 1892 wurde auf diesem Weg Holz nach Wien geschafft, der Betrieb bis zur Moldau lief bis 1961 weiter. Heute ist der Kanal ein beliebtes Ausflugsziel für Radfahrer und Wanderer. An seinen Ufern führt ein gut ausgebautes Wegenetz entlang.

Moderne Forstwirtschaft

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts fielen alle Nutzungs- und Eigentumsrechte an den Wäldern an den bayerischen Staat. Eine intensive forstwirtschaftliche Nutzung des Bayerischen Waldes setzte ein. Die noch vorhandenen Urwälder wurden bis auf wenige Restflächen systematisch in Wirtschaftswälder umgewandelt. Vor allem Fichtenwälder wurden angelegt, da die schnell wachsenden Bäume einen reichen Ertrag versprachen.

Große Teile des Bayerischen Waldes wurden auf diese Weise umstrukturiert, der Wald verlor zunehmend sein ursprüngliches Gesicht. Bis 1950 hielt sich in der bayerischen Forstverwaltung diese "Bodenreinertragslehre", die aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ganze Urwälder im Kahlschlagverfahren vernichtete. Erst danach setzte langsam ein Umdenken ein.

Der 1970 eingerichtete Nationalpark Bayerischer Wald versucht, die Wälder auf seinem Areal wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Dieser Prozess wird jedoch auch aus heutiger Sicht – rund 50 Jahre nach Eröffnung des Parks – noch Jahrzehnte dauern.

Und auch die bayerische Forstverwaltung ist dabei, ihre Wälder langsam umzugestalten. In einem großangelegten Waldprogramm wird seit den 1990er Jahren darauf geachtet, wieder vermehrt Mischwälder aufzubauen.

Vor allem der große Fichtenbestand leidet unter den Folgen des Klimawandels, da Fichten durch ihre flachen Wurzeln viel leichter Opfer von Naturgewalten werden als Laubbäume. Doch auch dieser Umbauprozess wird noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Blick  auf einen Mischwald

Von der Monokultur zum Mischwald

Autor: Tobias Aufmkolk

Stand: 19.10.2018, 11:00

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