Eliana Burki – Alphorn-Queen zwischen Blues und Funk

Eliana Burki 05:22 Min. Verfügbar bis 30.12.2099

Blasinstrumente

Eliana Burki – Alphorn-Queen zwischen Blues und Funk

Eigentlich sollte Eliana Burki Klavierspielen lernen. Doch schon im Alter von fünf Jahren war sie fasziniert von Alphörnern. Die Urgewalt der archaischen Klänge zog die junge Schweizerin magisch an.

Alphorn – das rockt!

Eliana Burki ist in jeder Hinsicht eine Exotin in der männerdominierten Alphornwelt. Sie ist eine Frau, weigert sich schon als Kind, in der traditionellen Tracht aufzutreten, und entdeckt mit 13 Jahren ihre Vorliebe für Jazz- und Blueskompositionen.

Den Traditionalisten schmeckt das gar nicht, denn es gibt so etwas wie einen Kodex für Alphornspieler. Der schreibt vor, dass nur bestimmte Töne und traditionelle Weisen erlaubt sind und dass grundsätzlich in Tracht gespielt werden soll. Jazz- und Blues- oder gar Rockmusik sind dabei nicht vorgesehen.

Eliana setzt sich gegen alle Widerstände unbeirrt durch und entlockt der "langen Tröte" verblüffende Töne. Ihr Alphornlehrer Hans-Jürg Sommer komponiert den ersten Blues für die zielstrebige Musikerin – da ist sie gerade elf Jahre alt. Bis zu vier Stunden täglich probt sie auf dem knapp 3,70 Meter langen Instrument.

Ein Junge liegt auf einer Wiese und schaut vorne in ein Alphorn

Urgewalt der archaischen Klänge

Neben der musikalischen Begabung braucht Eliana vor allem körperliche Fitness. Alphorn spielen ist ohnehin anstrengend, doch die fetzigen Jazz-, Blues- und Rockstücke erfordern eine enorme Ausdauer und Kraft.

Musikalisch ist sie vorbelastet: Die Mutter eine sehr gute Pianistin, mit der sie regelmäßig klassische Konzerte spielt. Den Feinschliff holt sie sich an der Jazz-Schule Basel mit einem Abschluss in Klavier und Gesang.

Ihr Auftritt beim Blues-Festival Basel ist 2001 ein großer Erfolg und die Initialzündung für Eliana, Profimusikerin zu werden. Es folgen internationale Auftritte und Tourneen. Sie gründet eine eigene Band, tourt durch Russland, Südamerika, Hongkong und Indien.

2008 kommt in Zusammenarbeit mit dem langjährigen "Queen"-Produzenten David Harris ihr Debüt-Album "Heartbeat" auf den Markt. Mit Mitte Zwanzig ist sie international erfolgreich und ihr abgefahrener Alphorn-Sound einzigartig in der Musikwelt.

Selbst ihr sonst so konservatives Heimatland erkennt, dass es mit Eliana Burki eine hervorragende Botschafterin der "jungen und dynamischen Schweiz" hat – ein Imagegewinn für die Eidgenossen.

2010 folgen große Tourneen durch die USA, China, Japan und Deutschland. Alle Stücke komponiert sie mit ihrer Band selbst, ständig auf der Suche nach neuen Klängen. Die findet sie unter anderem auf ihren Reisen in exotische Länder, wo sie sich gerne von fremden Musikstilen inspirieren lässt. Mit der vermutlich zurzeit besten Alphorn-Spielerin ist das Traditionsinstrument in der Moderne angekommen.

Alphorn-Basics

Das Alphorn ist schon "von Natur aus" gebogen. Krumm wie es ist, wächst es zum Beispiel als Fichte an den Engadiner Berghängen. Die Bäume werden über der Wurzel abgeschnitten, halbiert und bis auf eine Wandstärke von fünf Millimetern ausgehöhlt – im traditionellen Instrumentenbau eine rund 70-stündige Handarbeit.

Heute übernehmen das meistens Fräsmaschinen. Später werden die beiden Hälften wieder miteinander verleimt.

Um das Ganze transportabel zu halten, sind Alphörner aus zwei oder drei Teilen zusammengesteckt. Moderne Varianten werden aus Acrylglas oder Karbonfasern hergestellt, wiegen weniger als ein Kilo, klingen aber deutlich schlechter als die Naturstoff-Variante.

Das Mundstück ist aus Holz. Je nach Stimmung sind die "XXL-Hörner" unterschiedlich lang.

Ein Fis/Ges-Alphorn, die in der Schweiz häufigste Art, misst 3,47 Meter. Ein C-Alphorn bringt es dagegen "nur" auf 2,45 Meter.

Obwohl aus Holz, zählt das Alphorn zu den Blechblasinstrumenten. Der Grund dafür ist die Tonentstehung. Genau wie bei der Trompete erzeugen Lippenschwingungen des Musikers den Ton. Sie bringen die Luftsäule im Instrument zum Schwingen und der Ton wird dadurch verstärkt.

Weil ein Alphorn weder Klappen noch Ventile besitzt, kann man nur Naturtöne spielen. Die Anzahl spielbarer Töne hängt von der Länge des Instruments ab – je länger es ist, desto mehr Töne sind möglich. 17 sind es bei Eliana Burkis 3,68 Meter langem F-Alphorn, bei kürzeren Varianten bleiben entsprechend weniger.

Da mit Naturtoninstrumenten wie dem Alphorn oder auch der Fanfare nicht alle Halbtonschritte der chromatischen Tonleiter gespielt werden können, klingt das Ganze mitunter etwas schräg.

Zwei Alphornbläser beim Spiel auf einer Wiese

Je länger es ist, desto mehr Töne sind möglich

Alphorn-Geschichte

Zweifellos ist das Alphorn das Schweizer Nationalinstrument. Wann und wo es aber erfunden wurde, lässt sich kaum beantworten. "Vorfahren" des Blasinstruments finden sich weltweit in der ganzen Menschheitsgeschichte: überall dort, wo unsere Vorfahren in ein ausgehöhltes Stück Holz, einen Ast oder Ähnliches geblasen haben.

Die erste schriftliche Erwähnung des Alphorns in der Schweiz stammt aus dem Jahr 1527, aus einem Rechnungsbuch des Klosters St. Urban.

Früher diente das Alphorn als Kommunikationsmittel. Je nach Landschaftsform ist der kräftige Sound noch in fünf bis zehn Kilometern Entfernung zu hören.

Bauern in abgelegenen Bergregionen spielten am Abend einen "Alpsegen" (Gebetsruf). Damit signalisierten sie, dass bei ihnen alles in Ordnung war. Blieb der Alpsegen aus, stimmte etwas nicht.

Im 18. Jahrhundert war das Alphorn fast schon Geschichte. Verarmte, musizierende Hirten brachten es in den Städten als "Bettelhorn" in Verruf. Im 19. Jahrhundert erlebte das Schweizer Nationalsymbol dann eine Renaissance. Die Epoche der Romantik und nicht zuletzt englische Touristen verschafften der Folklore – und damit auch dem Alphorn – den zweiten Frühling.

Heute ist der Schweizer Jodler-Verband stolz auf seine rund 2000 organisierten Alphornbläser auf der ganzen Welt, die traditionsbewusst und voller Stolz ins lange Rohr blasen.

Autor: Hans-Jürgen von der Burchard

Weiterführende Infos

Stand: 06.06.2018, 14:00

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