Musikproduzent Quincy Jones

Der Komponist und Musiker Quincy Jones mit Schnäuzer und Hand an der Stirn.

Musikindustrie

Musikproduzent Quincy Jones

Die meisten bekannten Schallplattenproduzenten verkörpern einen bestimmten Sound und eine musikalische Ära. Giorgio Moroder, der unter anderem Donna Summer produzierte, wurde mit dem Discosound der 70er Jahre bekannt. Der klassisch ausgebildete George Martin prägte die raffinierten Arrangements der Beatles und Dieter Bohlen ist untrennbar mit dem Synthie-Pop von Modern Talking verbunden. Quincy Jones ist eine große Ausnahme. Es gibt keinen Musiker, Komponisten und Produzenten, der über eine ähnlich lange Zeit, von der späten Swing-Ära Mitte der 40er Jahre bis zum Hip Hop unserer Zeit, mit so großem Erfolg das musikalische Geschehen in den unterschiedlichsten musikalischen Stilen prägte.

Darum geht's:

  • Quincy Jones gründet 1946 seine erste Band mit Ray Charles.
  • Mit 18 hat schon er für zahlreiche bekannte Musiker gearbeitet.
  • 1957 beginnt er ein klassisches Musikstudium in Paris.
  • Filmmusik, Produzent, Dirigent: Jones ist überall zuhause.
  • 1979 beginnt seine Zusammenarbeit mit Michael Jackson.
  • Quincy Jones ist einer der erfolgreichsten Protagonisten der Musikbranche.

Mit dreizehn auf der Bühne

Quincy Delight Jones Jr. wird am 14. März 1933 in Chicago geboren, inmitten der Depressionszeit. Wegen eines Berufswechsels seines Vaters zieht die Familie nach Washington und dann nach Seattle. Bis zum Eintritt in die Schule spielt für ihn die Musik keine allzu große Rolle, doch dann probiert er alle Instrumente aus, deren er habhaft werden kann: Schlagzeug, Tuba, Flügelhorn, Klavier, Sousaphon, Posaune und Trompete.

"Mein Hauptinstrument war zunächst die Posaune, weil die Posaunenspieler in der Blaskapelle immer nahe bei den Mädchen platziert wurden. Aber meine wahre Liebe galt der Trompete und schließlich blieb ich bei ihr", erzählte Quincy Jones 1989 in einem Interview.

Mit 13 Jahren freundet sich Quincy Jones mit dem drei Jahre älteren Ray Charles an. Die beiden gründen ihre erste Band und treten in kleinen Clubs und bei Hochzeiten auf. Hier zeigen sich schon alle Fähigkeiten, die ihm später seine beispiellose Karriere ermöglichen sollen: seine Sicherheit in einer Vielzahl populärer Musikstile und die Fähigkeit, von jedem zu lernen sowie eine enorme Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.

Zwei Männer auf einer Bühne blicken sich an.

Jones (r.) mit Miles Davis in Montreux

"Ein normaler Abend bei Ray und mir sah so aus: Von sieben bis zehn Uhr spielten wir im traditionellen Tennis-Club von Seattle. Da trugen alle weiße Anzüge und Krawatte und wir spielten Stücke wie "A Roomful of Roses". Danach spielten wir von zehn bis morgens um eins in den schwarzen Clubs: im "The Black and Tan", "The Rocking Chair" und dem "Washington Educational und Social Club", einer der schärfsten Clubs überhaupt.

Wir spielten für Stripperinnen und Komiker, das ganze Rhythm & Blues-Repertoire, Stücke von Eddie "Cleanhead" Vinson und Roy Milton, einer Vokal-Gruppe. Und dann, wenn um halb zwei oder zwei Uhr Morgens alle ihre Gigs beendet hatten, trafen wir uns in Elk’s Club, um den Rest der Nacht harten Bebop zu spielen."

Vom Blues zur Klassik

Mit 18 bekommt Quincy Jones ein Stipendium für das renommierte Berklee College of Music in Boston. Als ihn Lionel Hampton 1951 einlädt, mit ihm auf Tournee zu gehen, beendet er sein Studium und sagt zu. Zu diesem Zeitpunkt hat er schon mit anerkannten Musikern gearbeitet, der Sängerin Billie Holiday oder dem Bassisten Oscar Petiford, nicht nur als Solist, auch als Arrangeur.

Von Anfang an versucht er zu komponieren, er arrangiert und lernt von jedem Musiker, der auf seinen Tourneen durch Seattle kommt. Auch der berühmte Trompeter Clark Terry kümmert sich um seinen jungen Kollegen. Ein weiterer Mentor ist Count Basie, neben Duke Ellington der wichtigste Bigband-Leader der damaligen Zeit.

1956 geht Quincy Jones als musikalischer Leiter und Trompeter mit der Bigband von Dizzy Gillespie auf Tour durch den Nahen Osten und Südamerika. Bei der Rückkehr nimmt er seine erste Platte auf. Ein Jahr später, 1957, beginnt er in Paris ein Musikstudium – aber nicht im Jazzfach, sondern bei Olivier Messiaen und Nadia Boulanger, die auch Komponisten wie Darius Milhaud, Leonard Bernstein und Philipp Glass unterrichtete.

Hier lernt er klassische Kompositionstechniken wie Kontrapunkt und Instrumentation. Sie werden ihm später bei seiner Arbeit für Filmsoundtracks zugute kommen und ermöglichen ihm, sich musikalische Bereich zu erobern, die für farbige Musiker zu seiner Zeit verschlossen waren:

"In New York ließen sie Schwarze keine Streicherarrangements für Plattenaufnahmen schreiben. Die Plattenfirmen fanden schnell heraus, wenn du gut für die Bläser oder die Rhythmusgruppe schreiben konntest, aber Streicher – das war eine andere Domäne."

In Paris lernt Quincy Jones nicht nur musikalisch dazu, er schließt auch Bekanntschaft mit der künstlerischen Elite von Pablo Picasso über James Baldwin bis Françoise Sagan.

In jeder Sparte erfolgreich

1964 wird Quincy Jones Vizepräsident bei Mercury, damals eines der führenden Plattenlabels. Er ist der erste Afroamerikaner in einer solchen Position. Im selben Jahr schreibt er für "The Pawnbroker" seine erste Filmmusik. Über 30 weitere folgen, darunter so erfolgreiche wie "In der Hitze der Nacht", "Roots" und "Die Farbe Lila".

Quincy Jones nimmt einen Preis entgegen. Er trägt eine Brille und hält in der linken Hand ein Mikrophon.

Quincy Jones erhält den Kristallpreis des Weltwirtschaftsforums

Mit seinem Gespür für einen starken Soul-Impuls, impressionistische Bläserklangfarben und fein ausbalancierte Orchesterarrangements wird Quincy Jones ein gefragter Produzent und Dirigent für Studio-Orchester. Er zeigt sich in jeder Richtung stilsicher, ob Bossa Nova, Soul oder Funk.

Der Arrangeur Bill Mathieu, der für die Bigband von Stan Kenton arbeitete, beschreibt das so: "Von seiner Natur her und wie er sich selbst sieht, ist Quincy Jones eher ein Sammler und Verdichter als ein Erfinder. Seine Musik enthält nichts Neues, es ist eher so, dass sie nahezu alles Wertvolle enthält, was bisher gemacht worden ist."

Hat Jones anfangs mit Jazzgrößen wie Count Basie und Miles Davis zusammengearbeitet, produziert er jetzt auch Aufnahmen für Stars wie Aretha Franklin und Frank Sinatra, seinen Jugendfreund Ray Charles und Rock’n’Roll-Star Little Richard, was manche bedauerlich finden, zum Beispiel der Bassist Ray Brown: "Ein extrem talentierter Mann, ich habe in ihm immer einen Nachfolger für Duke Ellington gesehen. Mir wäre es lieber gewesen, wenn er weiterhin Jazz aufgenommen hätte."

Die erfolgreichste Platte der Welt

1974 erleidet Quincy Jones eine lebensgefährliche Blutung im Gehirn und er muss zweimal operiert werden. Das Trompetenspiel muss er ganz aufgeben, er verstärkt seine Arbeit als Produzent. Die Fortschritte in der Studiotechnik kommen seiner natürlichen Neugier und Experimentierfreude entgegen.

Michael Jackson im Glitzer-Outfit während eines Konzerts 1993.

Auch dank Jones wurde Michael Jackson ein Star

In der Zusammenarbeit mit Michael Jackson Anfang der 1980er Jahre reizt er seine Begabung für opulente, technisch brillante und äußerst vielschichtige Klangbilder voll aus. Von der drei LPs "Off The Wall" (1979), "Thriller" (1982) und "Bad" (1987) entwickelt sich "Thriller" mit bislang 52 Millionen Stück zur meistverkauften Platte aller Zeiten. Das Album löst eine Massenhysterie aus, vergleichbar der Ära der Beatles und Elvis Presleys Jahrzehnte zuvor.

Auch Quincy Jones ist überrascht: "Die ganze Brillanz, die Michael Jackson über 25 Jahre hinweg in sich aufgebaut hatte, brach mit einem Mal heraus. Es war, als wenn sich plötzlich ein begabter junger Mann in ein gefährliches Raubtier verwandelte. Ich kenne Michael seit er zwölf ist, aber es war so, als ob ich ihn das erste Mal sehen und hören würde. Ich war elektrisiert wie jeder andere, der an der Aufnahme beteiligt war."

1979 gründet Quincy Jones mit Quest Records sein eigenes Label, auf dem er auch seine eigenen Platten veröffentlicht. Für seine LP "The Dude" erhält er drei Jahre später seinen Grammy Award. 1985 produziert Quincy Jones den von Michael Jackson und Lionel Richie geschriebenen Song "We are the world" für das Benefiz-Projekt Band Aid.

Neben der musikalischen Aufgabe ist das vor allem eine psychologische, aber auch hier zeigt sich seine große Begabung, starke Persönlichkeiten zu einer produktiven künstlerischen Zusammenarbeit zusammenzuführen und aus Musikern im Studio das Beste herauszuholen.

Auch die Aufnahme "Back On The Block" von 1989, die Jazzgrößen wie Miles Davis, Ella Fitzgerald und Sarah Vaughn mit der Garde junger Hip-Hop-Musiker wie Ice-T, Big Daddy Kane und Melle Mel zusammenführt, ist ein großer Erfolg.

Auch als feste Größe in Showgeschäft und Popmusik sorgt Quincy Jones immer wieder für Überraschungen in der Jazzwelt. So rekonstruiert er Anfang der 1990er Jahre für das Jazzfestival in Montreux die Orchestrierung der legendären Jazz-Platte "Sketches in Spain" zusammen mit Miles Davis, der bereits 30 Jahre zuvor auf der Originalaufnahme gespielt hat.

Quincy Jones erhält zahlreiche Gold- und Platinplatten, zahlreiche Grammys und wird mehrmals für den Oscar nominiert. Zu seinen Auszeichnungen zählt auch der Polar Music Prize, der wichtigste Preis für populäre Musik wird ihm 1994 verliehen.

Autor: Johannes Hirschler

Weiterführende Infos

Stand: 04.07.2017, 13:15

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