Gotthilf Fischer – Lieder für Millionen

Porträtfoto von Gotthilf Fischer.

Volksmusik

Gotthilf Fischer – Lieder für Millionen

Die Fischer-Chöre machten Gotthilf Fischer weltbekannt. Seine Chöre gehören zu den größten der Welt – Tausende haben schon mit dem "Herrn der singenden Heerscharen" gesungen. Ob im Petersdom in Rom, beim Fußballweltmeisterschafts-Finale 1974 in München oder vor Präsident Jimmy Carter in den USA – Gotthilf Fischer schafft es immer wieder, die Menschen zu begeistern.

Gotthilf, nicht Gerhard

Gotthilf Fischer wurde am 11. Februar 1928 in Deizisau in der Nähe von Plochingen am Neckar geboren. Seinen Vornamen verdankt er einem Zufall. Seine Mutter verunglückte auf der Fahrt ins Krankenhaus so schwer, dass die Ärzte für sie und das ungeborene Kind kaum eine Chance sahen. Doch beide überlebten den Unfall.

Für die Eltern war das wie ein göttliches Wunder und darum gaben sie ihrem Sohn den Rufnamen Gotthilf. Dass im Pass der Name Gerhard Albert und nicht Gotthilf steht, weiß kaum jemand.

Ein Leben für die Musik

Durch seinen Vater, der ein begeisterter Hobbymusiker war, kam Gotthilf Fischer schon sehr früh mit Musik in Kontakt. Bereits mit 14 Jahren leitete der Autodidakt, der nie eine musikalische Ausbildung genossen hat, seinen ersten Chor.

Nach Kriegsende 1945 übernahm Fischer die Leitung des Gesangsvereins "Concordia Deizisau" in seiner Heimatstadt – die Geburtsstunde der Fischer-Chöre.

Fünf Jahre später gewann der Chor unter seiner Leitung beim großen Schwäbischen Sängerfest in Göppingen gegen 150 Konkurrenten die Wettbewerbe in Volks- und Kunstgesang. Dadurch erreichte Gotthilf Fischer erste lokale Berühmtheit.

Nach und nach versammelte er immer mehr Chöre um sich, aus denen die Fischer-Chöre entstanden, die sich dann zu den bekannten Massenauftritten zusammenfanden.

Neben seiner Chorarbeit hat Fischer auch zahlreiche Musikstücke selbst komponiert. Er vertonte unter anderem das "Vaterunser" neu, schrieb den Chorsatz "Frieden", bearbeitete als Hochzeitslied für die britische Prinzessin Anne ein Stück von Haydn, schrieb ein Lied zur Krönung von Königin Beatrix der Niederlande, ein Hochzeitslied für den schwedischen König Carl Gustaf XVI. und Königin Silvia und komponierte die Oper "Schicksal".

"Sing around the world"

1969 traten die Fischer-Chöre in der Fernsehsendung "Drei mal Neun" bei Wim Thoelke auf. Darauf folgten immer wieder Gastauftritte im Fernsehen und schließlich eine eigene Sendung mit dem Titel "Sing mit den Fischer-Chören".

Einer der Höhepunkte in Fischers Karriere war die Fußballweltmeisterschaft 1974 in München. Zusammen mit rund 1500 Sängern trat er vor dem Endspiel im Münchener Olympiastadion auf. Gemeinsam mit Freddy Quinn sangen sie das Lied "Das große Spiel". Seit diesem Medienmassenereignis sind Gotthilf Fischer und seine Mammut-Chöre nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bekannt.

In den folgenden Jahren führten Fischer mehrere Auslandstourneen unter anderem nach Italien, wo er vor dem Papst im Petersdom auftrat. 1978 führte er eine selbst komponierte "Friedensmesse" vor dem amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter auf.

Gotthilf Fischer bei einem Fernsehauftritt in den Siebzigern.

Schon in den Siebzigern ein Star

Aber auch für einen Auftritt bei der Fernseh-Show "Big Brother" oder bei der "Love Parade" in Berlin 2001, wo er Tausenden Ravern das deutsche Liedgut näher brachte, war sich Fischer nicht zu schade.

Fischer ist mit seinen Chören ein Star. Bis heute hat er mehr als 16 Millionen Schallplatten verkauft und Dutzende von Auszeichnungen in Gold und Platin für seine Musik erhalten.

Augen und Ohren zu

Aber es gibt auch Kritik an Gotthilf Fischer. Besonders Fischers Geschäftssinn ist immer wieder ein Punkt des Anstoßes. Sein schwäbischer Landsmann Wolle Kriwanek karikierte ihn mit dem Lied "Wir singen für Millionen". Aber auch seine Auftritte stoßen nicht immer auf breite Begeisterung.

Gotthilf Fischer bei der Love Parade.

Fischer bei der "Love Parade"

Nach der Love Parade wurde er von den Boulevard-Medien stark kritisiert. Fischer ist das aber egal – sein Motto lautet: "Augen und Ohren zu". Solange die Menschen seine Lieder wollen, wird er weitermachen, denn am liebsten würde Gotthilf Fischer "dirigierend in die Kiste fallen".

Autor: Christian Görzel

Stand: 19.12.2016, 15:17

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