Pakistan

Eine verschleierte Frau bettelt mit ihrer Tochter.

Naher und Mittlerer Osten

Pakistan

Pakistan ist ein junges Land und gehört zu den ärmsten Staaten Südostasiens. Seine Geschichte beginnt erst mit der Unabhängigkeit Britisch-Indiens in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Heute hat Pakistan den Ruf, eines der gefährlichsten Länder der Welt zu sein – Armut, Gewalt und Korruption prägen den Alltag der Menschen.

Eine tickende Zeitbombe

Erdbeben-Opfer vor den Trümmern ihrer Häuser.

2008: Erdbeben-Opfer von den Trümmern ihrer Häuser

Pakistan gehört zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt und hat zwischen 165 und 185 Millionen Einwohner. Laut Auswärtigem Amt sind nur grobe Schätzungen möglich, da die letzte Volkszählung 1998 stattfand.

Über 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Die meisten Menschen leben von Landwirtschaft und bauen am Indus vor allem Weizen, Reis und Mais an. Der Fluss ist die Lebensader Pakistans, durchzieht das Land von Norden nach Süden und mündet ins Arabische Meer.

Das Land gliedert sich in die vier Provinzen Punjab, Sindh, North West Frontier Province und Belutschistan – eine Wüstenregion mit Kohle und Erdgas. Die Chinesen haben sich dort bereits mit dem Bau des Tiefseehafens Gwadar einen strategisch wichtigen Standort gesichert. China ist für Pakistan ein wichtiger Partner und wird in Pakistan als verlässlichster internationaler Freund sowie als Verbündeter gegen Indien betrachtet.

Die größte Stadt Pakistans ist Karatschi, danach folgt Lahore. Hauptstadt ist Islamabad im Nordosten. Immer wieder wird Pakistan von heftigem Monsunregen und schweren Erdbeben heimgesucht – das Land kommt nicht zur Ruhe. Unter Pakistan scheuern die Eurasische, Arabische und Indische Platte aneinander. Experten bezeichnen das Gebiet deshalb auch als "tickenden Zeitbombe".

Gefangen in der Tradition

Viele Pakistaner haben schlechte Bildungschancen. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben, nur die wenigsten gehen in die Schule. Für Frauen und Mädchen trifft das noch stärker zu als für Männern und Jungen; sie werden in der pakistanischen Gesellschaft stark unterdrückt. So können 70 Prozent der Männer lesen und schreiben, aber nur 47 Prozent der Frauen.

In die Bildung von Frauen zu investieren, wird meist für überflüssig gehalten. Selbst von gut ausgebildeten Frauen erwartet die Familie, dass sie ihre Beruf aufgeben, wenn sie heiraten. Ihr Leben ist geprägt von engen sittlichen Vorstellungen, Traditionen und Religion.

Der K2.

Der K2 - zweithöchster Berg der Welt

Das krisengeschüttelte Pakistan ist kein klassisches Touristenziel. Aber der Norden des Landes ist bei Bergsteigern beliebt: Himalaja, Karakorum und Hindukusch formen dort ein majestätisches Hochgebirge. Hier findet man den K2, den zweithöchsten Berg der Welt, und den Nanga-Parbat, den neunthöchsten Berg der Welt, bekannt auch als Schicksalsberg der Deutschen. Denn bei der deutschen Nanga-Parbat-Expedition und Erstbesteigung kamen hier 1937 sechzehn Menschen ums Leben.

Pakistan und Indien - zwei verfeindete Nationen

Im Jahr 1947 wird Britisch-Indien unabhängig und die beiden Staaten Indien und Pakistan werden gegründet. Mit dieser Teilung Südasiens beginnt eine gewaltige Massenflucht, Millionen von Menschen verlieren ihre Heimat: Muslime flüchten nach Pakistan, Hindus und Sikhs wandern nach Indien aus.

Mohammed Ali Jinnah und Mahatma Gandhi.

Mohammed Ali Jinnah und Mahatma Gandhi

"Hindus und Moslems sind zwei Nationen, die sich in allen wesentlichen Dingen des Lebens grundsätzlich voneinander unterscheiden", begründet damals der Politiker und Führer der Muslimliga, Mohammed Ali Jinnah, die Teilung. Er ist Gründervater und erster Staatspräsident des muslimischen Staats Pakistans.

Mohammed Ali Jinnah will keinen islamischen Staat, sondern einen unabhängigen Staat der Muslime mit parlamentarisch-demokratischer Struktur. Mahatma Gandhi hatte auf der Seite Indiens jahrelang vergeblich für einen gemeinsamen Staat gekämpft, der alle verschiedenen Religionen friedlich vereint.

Mohammed Ali Jinnah ruft am 14. August 1947 den neuen Staat Pakistan aus, einen Tag später schlägt die Geburtsstunde Indiens. Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als zehn Millionen Menschen zwischen 1947 und 1950 über die neuen Grenzen wanderten – ein weltweit nie da gewesener Bevölkerungsaustausch.

Mit der Teilung kommt es allerdings zu brutaler Gewalt zwischen Hindus und Moslems, es werden fast eine Million Menschen getötet: Menschen verhungern und verdursten, religiöse Stätten werden zerstört, Dörfer ausgelöscht, Wohnviertel entvölkert. Es ist der Auftakt einer lang anhaltenden Feindschaft zwischen Pakistan und Indien bis in die Gegenwart.

Wem gehört Kaschmir?

Soldat mit Raketengeschoss an der indisch-pakistanischen Grenze.

Dauerkonflikt zwischen Indien und Pakistan: die Region Kaschmir

Getrennt durch Indien, bestand der neue Staat Pakistan aus zwei rund 2000 Kilometer entfernten Landesteilen: Westpakistan, mit den Grenzen des heutigen Pakistans, und Ostpakistan, das 1971 in einem blutigen Bürgerkrieg als Bangladesch unabhängig wurde.

Die indisch-pakistanische Grenze im Nordwesten wurde nicht eindeutig festgelegt, sodass ungeklärt war und ist, zu welchem Land Kaschmir gehört. Der Streit um diese Region führte im Dezember 1947 zum ersten militärischen Krieg zwischen Indien und Pakistan. Bis heute ist der Kaschmirkonflikt ungelöst und so kommt es in der Grenzregion, der Line of Control, immer wieder zu Anschlägen. Beide Länder haben seit dem Ende der Kolonialzeit viermal Krieg geführt und rüsten zudem mit Nuklearraketen.

Die Politik Pakistans ist von Anfang an durch das angespannte Verhältnis zum Nachbarstaat Indien bestimmt. Eine Demokratie hat sich im Land nie entwickeln können, da bereits kurz nach der Teilung von Indien das Militär über Pakistan herrschte.

Scharia, Korruption und Ehrenmorde

Verschleierte pakistanische Frauen.

Pakistan ist für Frauen ein gefährliches Land

Die Religion gewann im Land immer mehr an Bedeutung. Der Islam wurde zur Staatsreligion und nahm Einfluss auf Wirtschaft, Politik und Bildung: Die Koranschulen hatten im Land in den 1980er Jahren einen enormen Zuwachs. Außerdem wurde das islamische Strafrecht, die Scharia, eingeführt und bestraft seitdem Diebstahl, Blasphemie oder Ehebruch mit brutalen Körperstrafen oder sogar dem Tod.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen ist Pakistan das Land mit den meisten Ehrenmorden weltweit. Im Jahr 2011 wurden knapp tausend Frauen und Mädchen umgebracht, heißt es im Jahresbericht der pakistanischen Menschenrechtskommission. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, da viele Morde nicht angezeigt werden.

Im pakistanischen Gesetz sind Ehrenmorde zwar verboten, doch bietet das kaum einen Schutz für Frauen. Pakistans Politik und Justiz gelten als korrupt, alles ist fest in Familienbesitz. Vor Gericht hat die besseren Chancen, wer reich und angesehen ist.

Pakistan gilt als Pulverfass

Zur Zeit des Kalten Krieges wird Pakistan für den Westen politisch interessant, als sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschieren. Das islamische Land verbündet sich mit den USA und erhält Waffen und Finanzhilfen. Aber nach dem Abzug der Sowjets ziehen sich auch die Amerikaner schnell wieder zurück.

Pakistan wird erst wieder mit den Anschlägen vom 11. September 2001 zum Verbündeten der USA. Der damalige US-Präsident George Bush hebt sogar die im Zuge der Atomtests verhängten Sanktionen gegen Indien und Pakistan auf. Doch das amerikanisch-pakistanische Verhältnis ist angeschlagen.

Pakistan wirft den USA vor, sich nur dann um Freundschaft zu bemühen, wenn es um ihr eigenes Interesse gehe wie beim Kampf gegen die Sowjetunion in den 1980er Jahren oder später bei der Jagd nach Al-Quaida und Osama Bin Laden. Ein US-Kommado tötet den Terroristenführer, ohne die pakistanische Regierung einzuweihen. Das deutet das Land als Missachtung seiner Souveränität.

Die USA dagegen werfen Pakistan vor, kein verlässlicher Partner zu sein und islamischen Taliban-Kämpfern Unterschlupf im Land zu gewähren. Ein Großteil der pakistanischen Bevölkerung glaubt, dass die Spannungen ihrer Regierung mit den Taliban und anderen Islamisten vor allem aus Zugeständnissen an die USA resultieren. Es herrscht großes Misstrauen zwischen beiden Ländern.

Pakistanische Kinder hängen hinten an einem Eselkarren.

Viele Pakistaner leben unterhalb der Armutsgrenze

Obwohl Pakistan viel Geld für die Aufrüstung seiner Armee ausgibt und über Nuklearwaffen verfügt, sind einige Regionen sehr wenig entwickelt. Viele Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze und die Arbeitslosigkeit im Land ist gigantisch.

Laut Beobachtern ist Pakistan heute neben Irak und Afghanistan das Land mit den meisten Opfern durch terroristische Attentate. In den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Regierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten.

Autorin: Annika Zeitler

Stand: 01.08.2016, 12:00

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