Pakistans Nationalsport Cricket

Indien und Pakistan spielen bei der Cricket-WM gegeneinander.

Pakistan

Pakistans Nationalsport Cricket

Cricket ist in Pakistan mehr als nur ein Sport, es ist so etwas wie eine zweite Religion. Manche sagen sogar, dass Cricket die Wunden des Krieges heilen kann und die verfeindeten Nachbarstaaten Indien und Pakistan wieder näher zusammenbringt. Denn wer Cricket spielt, nimmt in dieser Zeit kein Gewehr in die Hand.

Mit den Briten kam Cricket nach Asien

Junge Pakistaner spielen Cricket auf der Straße.

Überall wird in Pakistan Cricket gespielt

Pakistaner und Inder haben Cricket von den britischen Kolonialherren als eine Art Erbe übernommen. Das Schlagballspiel ist in beiden Ländern unumstritten Nationalsport Nummer eins, vergleichbar mit Fußball bei uns in Europa.

Neben England, Pakistan und Indien spielen noch sieben weitere Nationen First-Class-Cricket: Australien, Südafrika, die Westindischen Inseln, Neuseeland, Sri Lanka, Simbabwe und Bangladesch. Alle gehören zum Commonwealth und sind ehemalige Kolonien Großbritanniens. In Deutschland gehört Cricket zu den Randsportarten.

Die Geschichte des Sports geht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Cricket kommt ursprünglich aus dem Süden Englands und ist der erste Teamsport des britischen Landadels. Aber auch das einfache Volk wird vom Cricket schon damals nicht ausgeschlossen: Bauern treten gegen Wohlhabende an, und so ist es dem Volk möglich, den Adel auf dem Spielfeld zu besiegen – ein moderner Gedanke im absolutistischen Europa.

Cricket ist ein Spiel, bei dem viel Wert auf Fairplay gelegt wird, Körperkontakt kommt nicht vor. Es geht nicht um Kraft oder Schnelligkeit, sondern um Geduld und Taktik. Mit Cricket wird das englische Volk symbolisch zu Mitspielern erhoben.

Politik auf dem Cricket-Feld

Pakistanische Cricket-Fans im Stadion.

Für Pakistaner ist Cricket eine zweite Religion

Kann eine Sportart wie Cricket zwischen zwei Staaten vermitteln? Die verfeindeten Länder Pakistan und Indien lieben beide das Schlagballspiel. Zu Zeiten Britisch-Indiens, als die Länder noch nicht getrennt waren, haben sie es gemeinsam gespielt: Seite an Seite, Muslime und Hindus in den Straßen und Parks von Kalkutta, Lahore oder Bombay. Die Sportart erinnert daran, das Pakistan und Indien vor nicht allzu langer Zeit eine gemeinsame Lebenskultur hatten.

Doch seit ihrer Teilung im August 1947 herrscht zwischen den beiden Ländern Krieg; die Länder streiten um die Region Kaschmir. Vier Kriege, der Wettkampf um die nukleare Vorherrschaft Südasiens und die Angst Indiens vor Extremisten haben auf beiden Seiten Spuren hinterlassen.

Wann immer Pakistan und Indien in einem Spiel aufeinander treffen, kochen die Emotionen hoch. Aber über alle Rivalität hinweg verbindet der gemeinsame Lieblingssport die beiden Atommächte auch. Zwischen den Nachbarn hat die sogenannte Cricket-Diplomatie Tradition: Wenn eine Mannschaft ins andere Land reist, öffnen sich für kurze Zeit die Grenzen, Fans feiern gemeinsam und die Staatschefs reden miteinander.

Im Jahr 2004 verabredeten sich die zwei Länder für eine Reihe von Freundschaftsspielen in Pakistan – es war die erste Annäherung seit Jahren. Die Angst vor Terroranschlägen gegen die indischen Gäste war groß und dementsprechend riesig das Polizeiaufgebot. Doch alle Spiele verliefen friedlich, vereinzelt waren in den Stadien sogar zusammengenähte Flaggen beider Nationen zu sehen. Ein Jahr später reiste dann die pakistanische Mannschaft nach Indien.

Das Duell zwischen Werfer und Schläger

Zwei junge Pakistaner spielen Cricket auf der Straße.

Das Duell: Wurfmann gegen Schlagmann

Für den Laien ist Cricket ein chaotisches Durcheinander aus Schreien, Rennen, Werfen und Schlagen. Gespielt wird auf einem Rasenfeld mit zwei Mannschaften und je elf Spielern. Beim Cricket dreht sich alles um das Duell zwischen Werfer und Schlagmann.

Der Werfer läuft an und zielt den Ball aus Kork und Leder in das gegnerische Tor. Wenn er trifft, scheidet der Schlagmann der anderen Mannschaft aus. Der wiederum versucht natürlich ein Tor zu verhindern und den Ball mit seiner breiten Kelle so zu schlagen, dass die Mannschaft des Werfers ihn auf dem Feld nicht so schnell bekommt.

In dieser Zeit kann der Schläger durch Laufen punkten. Fängt ein Spieler der gegnerischen Mannschaft jedoch seinen geschlagenen Ball direkt aus der Luft, ist er draußen. Wer Cricket spielt oder schaut, braucht jede Menge Geduld, denn eine Begegnung kann locker sieben Stunden dauern.

Terroranschläge lassen die Beziehungen abkühlen

Im November 2008 töteten pakistanische Terroristen in der indischen Hafenstadt Mumbai 174 Menschen, mehrere Menschen wurden verletzt. Dehli brach daraufhin die Friedensgespräche mit Islamabad ab. Zunächst war noch geplant, dass Indien, Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan gemeinsam die Cricket-Weltmeisterschaft 2011 ausrichten. Doch als Terroristen vor dem Turnier in der pakistanischen Stadt Lahore mit Panzerfäusten auf den Bus der Cricket-Mannschaft aus Sri Lanka feuerten, wurde Pakistan das Gastrecht entzogen. Das Team entkam dem Anschlag nur knapp.

Trotzdem, die Cricket-Diplomatie der beiden Länder wurde bei der Weltmeisterschaft 2011 wiederbelebt. Nachdem die beiden Mannschaften im Halbfinale aufeinandertrafen, haben die Politiker die Friedensverhandlungen wieder aufgenommen.

Pakistan hat mit Cricket eine Mission. Die Menschen dort wissen, dass sie mit dem Sport ein wenig dazu beitragen können, ihren schlechten Ruf in der Welt zu reparieren. Gute Nachrichten aus Pakistan sind selten, doch die Leidenschaft und Begeisterung für Cricket im Land zeigt, dass Pakistan für mehr steht als Terror, Korruption und Armut.

Autorin: Annika Zeitler

Stand: 01.08.2016, 12:00

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