Geschichte Floridas

Seminolen-Angriff auf US-Fort am Lake Okeechobee in Florida 1837

Florida

Geschichte Floridas

Zum traditionellen österlichen Blumenfest, auf spanisch "Pascua Florida", entdeckten die Spanier 1513 die Halbinsel und nannten sie daher Florida. Unbewohnt ist Florida zu dieser Zeit aber nicht: Der südlichste Zipfel der heutigen USA war schon seit langer Zeit Heimat der Indianer.

Darum geht's:

  • Die ersten Siedler ernährten sich vom Fischfang und von der Landwirtschaft.
  • Spanische Konquistadoren suchten nach Gold in Florida.
  • Die europäischen Eroberer bekämpften sich untereinander und vetrieben die Indianer.
  • Florida wird zum Touristenmagnet und bevorzugten Exil von Kubanern.

Wie Florida zur Halbinsel wurde

Florida, so heißt es, ist anders als die übrigen US-amerikanischen Staaten: Nicht nur der Lebensstil ist hier karibisch, auch die Erde, auf der man steht. Die Vorgeschichte Floridas zeigt, dass diese südliche Halbinsel des nordamerikanischen Kontinents nicht immer zu Nordamerika gehört hat. Sie war Teil einer vulkanischen Kette, die die karibischen Inseln hervorgebracht hat.

Über Jahrmillionen brachen hier Vulkane aus. Was sie ausspuckten, wurde vom Meer überspült. Einige Teile kamen dann wieder als Inseln zum Vorschein. Florida wurde auf diese Weise mit dem nordamerikanischen Kontinent verbunden.

Kolorierter Kupferstich: Rund 50 Hütten sind durch einen Zaun aus übermannshohen Baumstämmen geschützt. Im Vordergrund, außerhalb des Dorfes, laufen Indianer, die mit Speeren bewaffnet sind.

Indianerdorf um 1591

Die Eroberer kommen

Archäologische Funde haben ergeben, dass schon vor über 10.000 Jahren Menschen in dem Feuchtgebiet der Everglades gelebt haben. Ihre Kultur war hoch entwickelt: Sie besaßen Töpfe aus Ton und Werkzeuge aus Muschelschalen. Sie jagten mit Schilfrohren und hatten Fisch- und Schildkrötenteiche angelegt.

Warum es diese Kultur irgendwann nicht mehr gab, weiß man bis heute nicht. Erst um die Zeitwende herum, vor rund 2000 Jahren, wurden die Feuchtgebiete wieder von den Calusa bewohnt. Sie lebten vermutlich, wie auch die Tequesta im Süden Floridas, vom Fischfang. Die Tamucua im Norden ernährten sich dagegen von der Landwirtschaft.

Juan Ponce de Léon, ein spanischer Seefahrer, erreichte 1513 als erster Europäer die Küste Floridas. Dann folgten spanische Konquistadoren. Sie waren auf der Suche nach Gold und versuchten das Gebiet zu kolonialisieren.

Farbige Zeichnung aus einem Buch: Sieben Männer, nur mit einem Lendenschurz bekleidet, sind mit der Goldsuche beschäftigt. Drei stochern mit Schilfrohren im wadentiefen Gewässer, einer schüttet Goldsand aus dem Rohr auf eine Sammelstelle. Einer hat einen Korb mit Goldsand vor sich und zwei tragen gefüllte Körbe fort.

Goldsucher um 1550

Schon 1562 kam eine Gruppe von Hugenotten. Sie bauten ein Fort, um das Gebiet für Frankreich in Besitz zu nehmen. Das sollte aber nicht gut gehen: Spanische Truppen zerstörten 1565 das Fort und töteten die Eindringlinge.

Noch im selben Jahr gründeten die Sieger die Stadt St. Augustine. Sie ist die älteste noch heute existierende Stadt der Europäer in den USA. Zu dieser Zeit waren die Spanier nur an Mittel- und Südamerika interessiert, während Engländer, Franzosen und Niederländer vorrangig versuchten, Nordamerika für sich einzunehmen. So kamen sich die Amerika-Eroberer nur selten in die Quere.

Die spanischen Eroberer brachten nicht nur das Christentum ins Land, sondern auch Krankheiten. Dagegen waren die Indianer nicht gewappnet, und viele von ihnen starben. Während die Engländer im Norden Amerikas selten eine Ehe mit einem Indianer eingingen, kam das bei den Spaniern recht häufig vor.

Probleme zwischen Indianern und Spaniern kamen erst auf, als immer mehr Indianer nach Süden drängten: Flüchtlinge, die von amerikanischen Pionieren im Norden verdrängt worden waren.

Sie ließen sich in der Nähe von Tallahassee nieder und mischten sich mit den Sklaven, die zu dieser Zeit vor ihren Peinigern aus dem Norden Amerikas nach Florida geflohen waren. Es entstand ein Mischvolk. Später nannte man sie Seminolen. Ab dem 18. Jahrhundert waren sie die vorherrschende Volksgruppe.

Farbige Zeichnung: Eine Säule der Eroberer ist von den im Hintergrund kauernden Indianern mit Nahrungsmitteln geschmückt worden. Rechts neben der Säule empfängt der geschmückte Indianerhäuptling den Oberst, der eine blau-weiß-goldene Uniform trägt.

Indianer empfangen französische Eroberer

Wie die Eroberer sich gegenseitig erobern

Die Engländer wollten ihre neu eroberten Kolonien in Richtung Süden erweitern. Das veranlasste sie, den Spaniern in Florida den Kampf anzusagen. Sieben Jahre dauerte der Krieg, bis sie 1763 die Macht tatsächlich übernehmen konnten.

Doch im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, der 1775 begann, wurden die Karten neu gemischt: Nun ging es darum, dass sich die Kolonien vom jeweiligen Mutterland lösen wollten, um selbstständige Staaten bilden zu können.

In diesem Krieg kämpften die Spanier auf der Seite der Franzosen gegen die Engländer und erhielten auf diese Weise Westflorida zurück. Zwei Jahre nach der Kapitulation der Briten, 1783, sicherte der "Friede von Paris" den Spaniern ganz Florida zu und den britischen und französischen Kolonien im Norden die Unabhängigkeit.

Fünf Jahre später war es offiziell: Am 21. Juni 1788 wurden die "Vereinigten Staaten von Amerika", die USA, gegründet, die Verfassung trat in Kraft. Jetzt waren es nicht mehr die einzelnen europäischen Staaten, die in Amerika um größere Territorien kämpften.

Jetzt gingen die Vereinigten Staaten von Amerika in die Offensive. 1810 gaben sie bekannt, dass Westflorida amerikanischem Recht unterstehe: Es gehöre zu dem Gebiet, das sie von Louisiana 1803 käuflich erworben hätten.

Die entflohenen Sklaven aus dem Norden hatten inzwischen die Feindschaft zwischen den Spaniern und den USA heftig geschürt. An eine freiwillige Übernahme war folglich nicht zu denken.

So marschierten die US-Truppen in die spanische Kolonie ein und besetzten Westflorida. Die Spanier gaben nach und verkauften 1819 ihr gesamtes Territorium an die USA. Es soll ein Notverkauf gewesen sein, um alte Schulden in Millionenhöhe begleichen zu können.

Ein Haus aus Holz. In der Mitte eine Tür, rechts und links davon je ein Fenster. Darüber ein Schild mit dem Hinweis, dass es sich um die älteste Schule der USA handelt. Auf dem Dach ein Schornstein und mittig im Dach ein gekipptes Dachfenster.

Gebaut 1763: ältestes Schulhaus der USA in Saint Augustine

Vertreibung der Indianer und Bürgerkrieg

Weiße Siedler zogen her und beschlossen, dass alle Indianer bis zum Januar 1836 das Land zu verlassen hätten. Es ging um die Bevölkerungsmehrheit, die Seminolen-Indianer. Sie sollten laut des "Indian Removal Acts" von 1832 hinter den Mississippi deportiert werden.

Das führte zu einem weiteren Krieg, dem sogenannten Seminolenkrieg, und schließlich noch zu einem dritten. Sechs Jahre lang versuchte man den Widerstand der Seminolen zu brechen und sie zum Rückzug zu bewegen.

Einer der berühmtesten Seminolen-Häuptlinge war Osceola. Er wurde von den USA offiziell zu Verhandlungen eingeladen, am Ende aber gefangen genommen und verschleppt. Der Häuptling Coa Choochee kämpfte weiter.

Auch er wurde hintergangen. Die restlichen Seminolen wurden zwangsausgewiesen. Nur wenigen gelang die Flucht in die Everglades. Während dieser Kriege wurde Florida am 3. März 1845 offiziell als 27. Bundesstaat in die Union aufgenommen.

Im politischen Gerangel der Parteien der USA hatten sich die Demokraten gespalten. Damit änderten sich die Machtverhältnisse, und das führte dazu, dass sich elf Staaten aus der Union lösten: die Südstaaten, darunter auch Florida.

Das bedingte 1861 den amerikanischen Bürgerkrieg, der erst nach vier Jahren für die Union der Nordstaaten siegreich beendet werden konnte.

Drei Jahre nach Ende des Krieges verabschiedeten die USA 1868 eine neue Verfassung, in der die Abschaffung der Sklaverei und das Wahlrecht für die Schwarzen festgelegt wurde. Gleichzeitig wurden Florida und die anderen Südstaaten wieder Mitglieder der USA.

"Eisenbahnbaron", Zirkuselefanten und Spekulanten

Nach den Jahren der Kriege begann der wirtschaftliche Aufschwung. Die Bevölkerung verdoppelte sich zwischen 1870 und 1890.

Der Tourismus erlangte seit den 1880er Jahren immer mehr an Bedeutung. Auch der Anbau von Zitrusfrüchten auf Großplantagen nahm zu. Doch im eisigen Winter 1894 erfroren die Orangenblüten im Norden Floridas. Etliche Farmer waren ruiniert.

Da kam der "Eisenbahnbaron" Henry Morrison Flagler auf die Idee, dass man die Eisenbahnstrecke in Richtung Süden weiterführen müsse, um das Anbaugebiet verlegen zu können. Schon 1897 fuhr der erste Zug nach Miami, wo damals nur ein paar hundert Menschen lebten.

Dazu kam eine Anbindung der Eisenbahn an die nördlichen US-Staaten. Sie zog die sonnenhungrigen Urlauber aus dem Norden an. 1925 waren es bereits anderthalb Millionen.

Der Tourismus-Boom beförderte seinerseits den Immobilien-Boom. Land zu erwerben wurde immer teurer. In den Jahren zwischen 1920 und 1925 verdoppelten sich die Preise. Überall, wo es Eisenbahnstationen gab, ließ Flagler luxuriöse Hotels bauen.

Angefangen in St. Augustine über Palm Beach bis Miami. In den Flagler-Hotels stiegen die Reichen ab: die Rockefellers, Ghettys, Rothschilds und Astors.

Der Ausbau der Bahnstrecke hatte sich auch für einen Mann aus Indiana namens Carl G. Fisher gelohnt. Er ließ mit Hilfe von zwei Zirkuselefanten den Mangrovendschungel auf der Insel vor Miami roden und bereicherte sie mit tropischen Pflanzen und exotischen Vögeln. Er ließ Tennisplätze und eine Pferderennbahn anlegen und errichtete stillose Prachtbauten.

Nach der Zerstörung durch einen Hurrikan 1926 wurde dann eine Architektur im Stil des französischen Art déco hochgezogen. Danach gab es in Miami Beach 480 Hotels und Appartementhäuser.

Der mondäne Ort zog aber nicht nur ehrenwerte Geschäftsleute und reiche Urlauber an, auch zwielichtige Gestalten wie den Gangsterkönig Al Capone. Er wollte Miami Beach in seine Gewalt bringen. Seine letzte Bleibe war weniger luxuriös: Er starb 1947 auf der Gefängnisinsel Alcatraz bei San Francisco.

Das Schwarzweiß-Foto zeigt unter bewölktem Himmel einen Strand mit Urlaubshütten, die wie Wohnwagen ohne Räder aussehen. Dazwischen stehen junge Palmen.

Eine preiswerte Urlaubsvariante in Miami um 1937

Platzt Florida "aus allen Nähten"?

Es sind nicht die Touristen, die Florida "zum Platzen" bringen. Es sind die Menschen, die hier bleiben wollen, die Immigranten. Sie sind nicht gerne gesehen. 1929 kam wieder ein neuer Schub: Es begann mit dem sogenannten Schwarzen Freitag.

Der Börsenkrach an der Wall Street stürzte viele in den wirtschaftlichen Ruin und noch mehr in die Arbeitslosigkeit. So kamen Tausende Arbeitslose aus den Nordstaaten nach Florida, um hier neu anzufangen. Im Sonnenscheinstaat wurde es immer enger.

Dann 1959: Nach der Revolution in Kuba und der anschließenden Machtübernahme durch Fidel Castro flüchteten viele Castro-Gegner ins benachbarte Florida. Durch den Flüchtlingsansturm entstand in Miami ein kubanisches Viertel.

Es ist bis heute die größte kubanische Gemeinde außerhalb Kubas. Auch Einwanderer aus Europa und weiten Teilen der USA kamen in den 1960er Jahren dazu. In den 1980er und 1990er Jahren bevölkerten Tausende von Immigranten aus Mittel- und Südamerika vor allem die Gegend um Miami.

1997 schwappte eine weitere Flüchtlingswelle aus Kuba an die Küste Floridas. Florida drohte auf seinen 151.670 Quadratkilometern "aus allen Nähten zu platzen", Infrastruktur und Umwelt litten unter dieser Belastung – befürchten jedenfalls seine Bewohner.

1900 zählte Florida nur 528.000 Einwohner, 1960 waren es fast fünf Millionen, 1970 knappe sieben Millionen und im Jahr 2014 waren es schon fast 20 Millionen. Damit hat Florida die höchste Bevölkerungsdichte der USA erreicht.

Autorin: Bärbel Heidenreich

Weiterführende Infos

Stand: 09.06.2017, 12:55

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