Die ersten Siedler

Farbige gemalte Postkarte: Leif Eriksson auf einem Wikingerschiff.

Kanada

Die ersten Siedler

Als "dunkelhäutige Leute, zwergartig und kränklich aussehend, mit schaurigem Haar, großen Augen, breiten Backenknochen" – so beschreiben die isländischen Sagen die Eingeborenen der nordamerikanischen Küste. Denn es waren nicht etwa die Briten und Franzosen, die im 16. Jahrhundert als erste Europäer ihren Fuß auf Kanadas Festland setzten. Es waren die Wikinger rund 500 Jahre früher.

Darum geht's:

  • Schon 1000 nach Christus landeten Leif Eriksson und seine Nordmänner an der nordamerikanischen Küste.
  • Das Land, das sie dort vorfanden, nannten sie Vinland.
  • Bis ins Mittelalter hinein trieben sie Handel mit den Inuit und brachten wertvolle Fracht nach Europa.

Leif Eriksson landet an der Küste

Die Nordmänner nannten die Ureinwohner "Skraelinger", was so viel bedeutet wie "Schwächlinge". Ob es sich dabei um die Indianer oder die Inuit gehandelt hat, kann man heute nicht genau nachvollziehen. Denn die Experten sind sich noch immer uneins darüber, wo genau Leif Eriksson, der Glückliche, Sohn von Erik dem Roten, im Jahr 1000 nach Christus an der nordamerikanischen Küste landete.

Liegt sein "Vinland", wie das neu entdeckte Gebiet genannt wurde, in Neufundland, Cape Cod oder gar in Florida? Und woher rührt die Bezeichnung? Steht der Begriff "Vin" für die Weinreben, die die Entdecker dort gefunden haben sollen, oder für das üppige Weideland, das sie beeindruckte?

Eine Wikingersiedlung in Nordamerika

Der norwegische Forscher Helge Ingstad hat das legendäre Vinland wahrscheinlich in Neufundland entdeckt. Dort nämlich, am nördlichsten Zipfel der Insel, genauer gesagt in L’Anse aux Meadows, grub er gemeinsam mit seiner Frau Anne Stine in den 1960er Jahren eine Wikingersiedlung aus der Zeit um 1000 nach Christus aus.

Sie fanden acht altnordische Häuser und in den Ruinen zahlreiche Gegenstände, die denen gleichen, die bei Ausgrabungen auf Island und Grönland gefunden wurden. Auch Schlacken aus einer Eisenschmiede wurden gefunden sowie eine große Zahl von eisernen Schiffsnägeln.

All das machte die Forscher sicher, eine Wikingersiedlung entdeckt zu haben, die einzige, die in Nordamerika bekannt ist. Im Jahr 1978 erklärte die Unesco sie zum Weltkulturerbe.

Zwei Häuser wurden originalgetreu wieder aufgebaut und sind heute eine Touristenattraktion. Die Siedlung war wahrscheinlich nur wenige Jahre bewohnt. Ob Kämpfe mit den "Skraelingen" zum Rückzug der Nordmänner geführt haben, ist wie so vieles nicht geklärt.

Waren aus der Neuen Welt

Über zwei weitere Länder, die Leif Eriksson auf seiner Reise taufte, bestanden kaum je Zweifel: Helluland – Land mit flachen Steinen – ist Baffin Island, und Markland – Waldland – das heutige Labrador. Die Wikinger unternahmen noch viele Reisen an die nordamerikanische Küste.

Zwei mit Gras bewachsene Hütten vor der Kulisse des Meeres. Im Vordergrund ein geflochtener Zaun, über dem zwei Felle hängen.

Wikingerhäuser in L'Anse aux Meadows

Ja, sie brachten sogar einige begehrte Waren an die europäischen Höfe des Mittelalters: "Elfenbein" von Walrossen, lebende Eisbären und Eiderdaunen. Als "Tunnit" gingen sie in die Sagen der Inuit ein. Im 14. Jahrhundert aber zogen sich die Wikinger aus ungeklärten Gründen aus Grönland zurück – und auch die Überfahrten nach Nordamerika hatten damit ein Ende.

Autorin: Katrin Lankers

Stand: 09.06.2017, 12:45

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