Die Architektur des Doms

Geschichte des Dombaus 02:27 Min. Verfügbar bis 25.11.2020

Kölner Dom

Die Architektur des Doms

Der Kölner Dom gilt als Meisterwerk der gotischen Architektur. Der Begriff der "Gotik" wurde dem mittelalterlichen Baustil erst im Nachhinein gegeben und war eigentlich ein Schimpfwort. Der italienische Künstler Giorgio Vasari (1511-1574) leitete "Gotik" von den Goten, den Barbaren, ab. Vasari wollte so die Kunst und Architektur der Renaissance positiv von der des Mittelalters abheben. Erst in der Romantik verlor der Begriff seinen negativen Beigeschmack.

Gotik - der neue Stil

Die gotische Architektur ist zwar eine europäische Erfindung. Ohne die orientalischen Eindrücke, die die Kreuzritter mitbrachten, ist sie jedoch undenkbar. Der Spitzbogen, das Hauptkennzeichen der gotischen Architektur, war in Persien und Ägypten schon seit Jahrhunderten bekannt, ebenso Blattverzierungen, Maßwerk und Kreuzrippen.

Diese Einflüsse verschmolzen erstmals auf der Île-de-France, dem damaligen Zentrum geistiger Auseinandersetzungen. So legten die Franzosen bereits um 1140 den Grundstein für die gotische Kathedrale von Saint-Denis. Sie wurde maßgebend für die Architektur der nächsten Jahrhunderte.

Die Gotik wollte die Schwere der romanischen Architektur überwinden und ließ das Mittelschiff der Kathedralen auf langen, schlanken Säulen ruhen. Strebepfeiler stabilisierten die Außenmauern, erstmals konnten große Glasfenster eingesetzt werden. Sie ersetzten die Fresken der romanischen Kirchenbauten.

Insgesamt entstand der Eindruck gigantischer, lichtdurchfluteter Hallen, die sich scheinbar bis in den Himmel hinein fortsetzten. Wer eine Kirche betrat, sollte sich fühlen, als habe er die Pforte zum Paradies überschritten, als sei das himmlische Jerusalem nah.

Kölner Dom

Auch von innen ein imposanter Anblick

Architektonische Neuerungen der Gotik

Die Handwerksberufe spezialisierten sich im 12. und 13. Jahrhundert immer mehr. Auch in den Bauhütten am Dom wurden die einzelnen Arbeitsgebiete immer spezifischer. Eine genaue Arbeitsteilung entstand.

Indem Baukräne eingesetzt wurden, konnten weniger Arbeiter schwerere Lasten in größere Höhen schaffen. Einzelne Teile produzierten die Arbeiter in Masse vor und verbauten sie erst später an Ort und Stelle. Dadurch war es möglich, in den Domhütten auch ganzjährig zu arbeiten.

Die Architekten der Gotik entwickelten architektonische Neuerungen, die den Druck auf die Außenwände großer Bauten verringerten. Strebewerk am Außenbau, Spitzbögen und Rippen-, Netz- oder Sterngewölbe im Inneren ermöglichten es, dünnere und höhere Wände zu bauen, ohne dass die Stabilität des Baus gefährdet wurde. So konnten hohe, verzierte Fenster in die Außenmauern eingesetzt werden. Das machte die Kirchen der Gotik heller und gleichzeitig monumentaler.

Hebebühne im hoch oben im Domgewölbe

Architektonische Neuerungen erlaubten den Bau in die Höhe

Autoren: Sven Gummich/Christine Buth

Stand: 22.02.2017, 08:54

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