Sylter Heimatverein Söl'ring Foriining

Winkende Frauen in weißroter Tracht.

Sylt

Sylter Heimatverein Söl'ring Foriining

"Rüm Haart, klaar Kimming" – im Sylter Friesendialekt bedeutet das: weites Herz, klarer Blick. Der Heimatverein Söl'ring Foriining setzt sich seit 1906 dafür ein, dass Einwohner und Gäste sich ihr Herz für die Insel und den Blick für Traditionen bewahren. Dazu gehören unter anderem der Erhalt der Sylter Inselsprache und die Wiederbelebung der Sylter Tracht.

Die Sylter Friesensprache

"Söl'ring", das ist die eigenständige Sprache Sylts, verwandt mit dem Altenglischen und dem Altniederdeutschen. Friesen aus dem heutigen Holland brachten es mit, als sie Sylt im 7. Jahrhundert besiedelten.

"Wir haben auf Sylt das Problem, dass an den Schulen noch bis vor kurzem ganze Jahrgänge vom Platt befreit waren", erzählt Dr. Maria-Gesine Thies, Mitarbeiterin im Heimatverein.

"Wir haben uns zwar dafür eingesetzt, dass die Kinder jetzt wieder im Kindergarten unsere Sprache lernen, aber wenn sie zu Hause üben wollen, müssen sie sich mit den Großeltern unterhalten." Ein Problem, das sich erst durch die Zeit lösen wird.

Ein Anfang ist mit den Sprachpaten von Söl'ring Foriining gemacht, die in Kindergärten auf Sylt mit dem Nachwuchs auf Platt sprechen, spielen und singen.

Größter Heimatverein Schleswig-Holsteins

Der Erhalt der Sylter Inselsprache ist nicht das einzige Ziel, das sich der Verein mit seiner Gründung im Jahre 1906 gesetzt hat. "Wir sind auf drei Gebieten aktiv, dem der Brauchtumspflege, des Küstenschutzes und der Landschaftspflege", berichtet Thies. An dieser Vielseitigkeit mag es liegen, dass Söl'ring Foriining mit rund 2700 Mitgliedern der größte Heimatverein Schleswig-Holsteins ist.

"Zu unseren Mitgliedern zählen nicht nur die eingesessenen Familien, sondern auch die Butensylter, damit sind Außensylter gemeint", sagt die Kunsthistorikerin. Außensylter? "Das sind alle, die sich der Insel verbunden fühlen. Entweder, weil sie hier geboren und dann weggezogen oder nach Norwegen, Kanada oder Australien ausgewandert sind, oder weil sie Feriensylter sind, die jedes Jahr hier Urlaub machen."

Arbeiter in Tarnanzügen schippen Sand auf Düne auf.

Landschaftsschutz ist eine wichtige Aufgabe

Sylter Tugenden

Auch Dr. Maria-Gesine Thies ist eine Butensylterin, in ihrem Fall bedeutet das: zugereist. "Als ich vor zig Jahren von Berufs wegen nach Sylt kam, blieb ich ein ganzes Jahr lang fremd." Erst mit der Zeit erschlossen sich ihr die Tugenden der Sylter, die Söl'ring Foriining vor der Überfremdung durch die gut halbe Million Touristen, die jährlich das Eiland besuchen, zu bewahren versucht.

"Wenn man ihn erst kennengelernt hat, den Sylter, dann schätzt man an ihm seinen unverstellten Blick, das Selbstbewusstsein und den Eigensinn – und die Zuverlässigkeit des gesprochenen Wortes."

An dieser Stelle sei sie ganz zu Anfang ihrer Karriere bei Söl'ring Foriining heftig ins Fettnäpfchen getreten: "Ich habe nach einem Arbeitsvertrag gefragt – das kam einer der sieben Todsünden gleich. Der Handschlag galt als Vertrag." Gradlinig sei der Sylter, direkt und mit einem ausgeprägten Heimatbewusstsein ausgestattet.

Das Heimatmuseum durch zwei Walfischzähne fotografiert.

Das Heimatmuseum gehört zum Syltverein

Biikebrennen und Ringreiten

Vom Heimatbewusstsein zeugen nicht nur die traditionell mit Reet gedeckten Häuser auf der Insel, sondern auch Feste wie das Biikebrennen am 21. Februar. Damit wird der Petritag, ein ehemaliger Gerichts- und Tanztag und heute das traditionelle friesische Fest am 22. Februar, eröffnet.

"Biiki" bedeutet Zeichen oder Seezeichen, Feuermal. Am Abend des 21. Februars leuchten weithin sichtbar neun große Sylter Holzfeuer von ihren Standorten in den Dünen, auf frühgeschichtlichen Grabhügeln und in der flachen Marsch.

Zu diesem gemeinschaftlichen Frühlings- oder Fastnachtsfeuer, das nach heidnischem Brauch eigentlich die bösen Geister vertreiben sollte, werden feurige Reden auf Friesisch gehalten – zur Sylter Vergangenheit oder zur Tagespolitik. Anschließend geht man gemeinsam zum Grünkohlessen.

Nachtfoto von großem Feuer.

Ein Biikefeuer auf Sylt

Ein weiterer Brauch auf Sylt ist das Ringreiten. Bei dem Wettspiel muss ein Reiter mittels einer etwa zwei Meter langen Lanze einen kleinen Messingring mit einem Durchmesser von zwölf bis 15 Millimetern aufspießen.

Die Verschollene auf dem Dachboden

Zur Bewahrung des Brauchtums gehören nicht nur die friesischen Feste, sondern auch die Erhaltung der Sylter Tracht. "Wir haben eine Trachtengruppe mit 30 Erwachsenen", berichtet Dr. Maria-Gesine Thies. "Leider hat die Sylter Tracht den Wechsel zum Badeort nicht gut überstanden. Von da an wollten die Sylter aussehen wie die Badegäste, und die Trachten verschwanden komplett aus dem Leben."

Erst 1974 fand man beim Reetdachdecken auf dem Speicher eines Hauses eine verschollene Tracht. Eine Gewandmeisterin nähte sie nach. Nun wird das teure, aufwändig geschneiderte rote Kleidungsstück mit weißem Unterkleid wieder zu Tanzaufführungen getragen.

Tanzende Menschen in rotweißen Trachten.

Die Trachtengruppe sucht immer Nachwuchs!

Autorin: Beatrix von Kalben

Stand: 11.07.2018, 13:47

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