Watt in Gefahr?

Nationalparkschild am Sylter Strand

Wattenmeer

Watt in Gefahr?

Das Wattenmeer an der Nordsee ist ein hochsensibles Ökosystem, das auf äußere Einflüsse empfindlich reagiert. Es ist der Mensch, der immer wieder durch rücksichtslose Umweltverschmutzung oder Unachtsamkeit zerstörerisch auf das Wattenmeer einwirkt.

Giftige Altlasten

Noch vor wenigen Jahrzehnten verpesteten Gifte, chemische Altlasten und mit Schwermetallen belastete Abwässer aus den Flüssen Rhein, Ems, Weser und Elbe rings um die Nordsee das Wattenmeer. Ölverschmutzungen durch Tanker und Ölbohrinseln taten ihr Übriges, um Flora und Fauna des Wattenmeers zu schädigen.

Und auch die Überdüngung des Wassers ist nach wie vor ein echtes Problem. Die übermäßige Zuführung von Nährstoffen wirkt sich schädlich auf den ökologischen Kreislauf des Watts aus.

Störenfriede im Watt

Heute gibt es eine Reihe von Interessengruppen, die Ansprüche auf die Nutzung des Wattenmeeres erheben. Obwohl das Wattenmeer eine geschützte Landschaft ist und nur für drei Prozent ausgewiesener Wattenmeerfläche ein ausdrückliches Fischfangverbot besteht, wird auch in den geschützten Gebieten weiterhin gefischt.

Neben der Überfischung gibt es auch immer noch Umweltverschmutzungen durch Ölbohrungen und -transporte.

Auch die an den Wattküsten inzwischen großflächig errichteten Windkraftanlagen werden kritisch beurteilt, da sie einen gewaltigen Eingriff ins Landschaftsbild darstellen.

Zum Problem ist auch der zunehmende Massentourismus geworden, der das Wattenmeer als Urlaubsregion und Naherholungsgebiet nutzt. So stören Reiter, Liebhaber extravaganter Fun-Sportarten sowie unkundige, unbedachte und laute Wattwanderer die brütenden Vögel und Robbenkolonien.

Junger Seehund am Strand

Bitte nicht stören

Nationalpark Wattenmeer

Demgegenüber gibt es jedoch internationale Initiativen, die sich zum Schutz der Wattenmeere zusammenfinden. So erklärten die Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Wattenmeerterritorien in den 1980er und 1990er Jahren zu Nationalparks, was erheblich zu einer Regenerierung dieser ökologisch wertvollen und einzigartigen Landschaft beitrug.

Inzwischen ist das weltweit einzigartige Wattenmeergebiet der Nordsee auch von der Unesco als Weltnaturerbe anerkannt worden.

Umweltschutz durch Umweltbildung

Dabei befürworten auch die Nationalparks und ihre Unterstützer grundsätzlich den Tourismus in der Wattenmeerregion. Die Umweltschützer der Nationalparks verfolgen sowohl die Förderung des Naturschutzes als auch des Naturerlebnisses. Das bewusste Erleben einer der größten zusammenhängenden Naturlandschaften Europas soll durch eine aktive Landschaftsbewahrung auch für künftige Generationen garantiert werden.

Genau das kann aber nur der aktive Schutz der Region durch die Nationalparkidee leisten. Daher betreiben Umweltverbände vor Ort einen bildungsorientierten Naturschutz. Neben dem Umweltschutz spielt damit auch die Umweltbildung eine große Rolle.

So sollen Einheimische sowie Besucher und Touristen vor Ort mit Kampagnen, Wattführungen und gezielter Informationsarbeit über die komplexe Tier- und Pflanzenwelt des Wattenmeergebiets genau informiert und zur Eigenverantwortung und Mitarbeit inspiriert werden.

Müll und Strandgut am Strand

Müllsammeln für den Umweltschutz

Natur- kontra Küstenschutz?

Ein besonders wunder Punkt für die Naturschützer ist der aktive Küstenschutz. Gerade durch die historischen, oft leidvollen Anstrengungen, dem Meer Land abzuringen, ist der Küstenschutz für die Nordfriesen zu einer sehr emotional besetzten Angelegenheit geworden. So liegt es in der Natur der Sache, dass Konfrontationen unvermeidlich sind zwischen dem Naturschutz, der die natürlichen Gegebenheiten grundsätzlich unangetastet lassen will und dem Küstenschutz, der immer auch einen Eingriff in die Natur bedeutet.

Aus Sicht der Umweltschützer sind die Eingriffe des Menschen in die Natur selten von Vorteil. Es gilt vielmehr, mit größerer Verantwortung und Voraussicht zu handeln, da die sensible Wattenmeerregion durch künstliche Veränderungen immer wieder gefährdet ist.

Der Biologe und Wattexperte Rainer Borcherding gibt etwa zu bedenken: "Durch die zunehmende globale Erwärmung dehnt sich das Wasser weiterhin aus, das heißt der Meeresspiegel steigt auch in Zukunft beständig. Durch die Deiche kann die See aber nicht länger landeinwärts wandern – das Wattenmeer ertrinkt also bald an sich selbst. Dieser Tatbestand stellt künftig eine echte Bedrohung für das Ökosystem Wattenmeer dar, wenn der Mensch nicht von sich aus zurückweicht."

Dabei könnten sich die Interessen der Natur- und Küstenschützer nach rationalen Kriterien durchaus in der Mitte treffen, so Borcherding: "Das Stichwort heißt Rückdeichung, was zum Beispiel die Engländer ganz gut beherrschen. Das heißt, man rechnet vorher aus, was die Erhaltung von Land kostet. Wenn der Kosten-Nutzen-Faktor nicht mehr gegeben ist, die Erhaltungskosten einer bestimmten Fläche höher sind, als das Land letzten Endes wert ist, dann sollte man das Stück Boden besser wieder der Nordsee überlassen."

Ein Bagger und ein Kipplader auf einer Deichbaustelle

Der aufwändige Deichbau sollte sich auch rechnen

Autor: Gregor Delvaux de Fenffe

Stand: 15.06.2018, 09:00

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