Chronologie des Ukraine-Konflikts

Die Ukraine in der Krise

Planet Wissen 13.11.2015 02:07 Min. Verfügbar bis 13.11.2020 WDR

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Ukraine

Chronologie des Ukraine-Konflikts

Ein geplatztes Abkommen mit der EU, eine Revolution in Kiew, ein Krieg in der Ostukraine – seit fast zwei Jahren beherrscht die Krise in der Ukraine die Agenda zwischen dem Westen und Russland. Die Beziehungen sind angespannt wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Ein Ende ist nicht in Sicht.

21. November 2013

Die Ukraine stoppt überraschend ein geplantes Assoziierungsabkommen für engere Beziehungen der Ukraine mit der Europäischen Union (EU). Russland hatte seinem Nachbarland mit Konsequenzen gedroht. Bereits ab Sommer war die Einfuhr vieler ukrainischer Produkte erschwert.

Menschenmassen auf dem Maidan in Kiew

Dezember 2013: Hunderttausende demonstrieren gegen die Regierung

Nun beugt sich der ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch dem russischen Druck. Viele Bürger aber wollen eine Annäherung an Europa, verärgert gehen sie in den nächsten Tagen in verschiedenen Städten auf die Straße. Zentrum des Protests ist der Unabhängigkeitsplatz in Kiew, der Maidan.

1. Dezember 2013

Mehrere hunderttausend Ukrainer demonstrieren in der Hauptstadt. Regierungsgegner errichten Barrikaden und Zelte. Am Vortag hatte die Spezialeinheit Berkut die Demonstranten gewaltsam auseinandergetrieben. Auch diesmal gibt es bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei Festnahmen sowie zahlreiche Verletzte.

17. Dezember 2013

Moskau verspricht Kiew Finanzhilfen in Milliardenhöhe und einen günstigeren Gaspreis. Gleichzeitig will der Kreml die Integration der Ukraine in die Zollunion mit Russland, Weißrussland und Kasachstan vorantreiben.

Januar/Februar 2014

Die Proteste werden heftiger, es kommt zu Straßenschlachten zwischen Demonstranten und Polizisten, erstmals gibt es Tote. In den folgenden Wochen eskaliert die Gewalt, die Zahl der Todesopfer steigt.

Allein am 20. Februar kommen mehrere Dutzend Menschen bei Straßenkämpfen ums Leben. Die meisten werden von Scharfschützen erschossen. Das Massaker ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt.

21. Februar 2014

Brennende Barrikaden in Kiew

In Kiew kommt es zu Straßenschlachten

Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens versuchen zwischen Regierung und Demonstranten zu vermitteln. Nach einem 30-stündigen Gespräch steht ein Abkommen, durch das der Konflikt beigelegt werden soll.

Noch in derselben Nacht flieht Präsident Janukowitsch überstürzt nach Russland. Kurz darauf nimmt eine Übergangsregierung unter Arseni Jazenjuk die Arbeit auf.

Ende Februar/Anfang März 2014

Der Konflikt verlagert sich auf die Halbinsel Krim. Dort gibt es Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der neuen Führung in Kiew. Bewaffnete Unbekannte besetzen Regierungsgebäude in der Hauptstadt Simferopol.

Das besetzte Parlament ernennt Sergej Aksjonow zum neuen Ministerpräsidenten der Halbinsel. Er bittet Russland um militärisches Eingreifen auf der Krim, zum Schutz der russischsprachigen Bevölkerung. Russlands Präsident Wladimir Putin lässt sich vom russischen Oberhaus zu einem Militäreinsatz ermächtigen.

Auf der Krim tauchen immer mehr uniformierte Kämpfer ohne Erkennungszeichen auf, die Militäranlagen kontrollieren. Moskau spricht von "einheimischen Selbstverteidigungskräften". Erst später wird Putin zugeben, dass es sich bei den Männern um russische Soldaten handelte.

16. März 2014

In einem umstrittenen Referendum stimmt die Mehrheit der Krim-Bewohner für einen Beitritt zu Russland. Offiziell wollen mehr als 95 Prozent der Bürger diesen Anschluss. Die Krim-Tataren, eine turksprachige Minderheit auf der Halbinsel, boykottieren die Wahl weitgehend.

Die EU und die USA kritisieren die Abstimmung als Bruch internationalen Rechts. Beide verhängen am nächsten Tag Sanktionen gegen Russland. Putin besiegelt zwei Tage später die Eingliederung der Krim. Aus russischer Sicht ist die Annexion eine "Wiedervereinigung".

April 2014

Bewaffnete Unbekannte vor dem Parlament in Simferopol

Bewaffnete blockieren das Parlament der Krim

Im Osten der Ukraine kommt es zu ersten gewalttätigen Ausschreitungen zwischen westlich orientierten und pro-russischen Einwohnern. Parlamente in verschiedenen Städten des Landes, darunter Donezk, Lugansk, Odessa und Slawjansk, werden gestürmt.

Die Separatisten rufen unabhängige "Volksrepubliken" aus. Die Kiewer Übergangsregierung entsendet Truppen und Freiwilligenverbände zu einer "Anti-Terror-Operation". Kiew will ein zweites Krim-Szenario verhindern.

2. Mai 2014

In der Hafenstadt Odessa kommt es bei der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen pro-russischen Aktivisten und Maidan-Anhängern zu einem Brand im Gewerkschaftshaus. 46 Menschen sterben, etwa 150 werden verletzt.

11. Mai 2014

Bei stark umstrittenen Referenden in Donezk und Lugansk stimmen die meisten Teilnehmer für eine Unabhängigkeit von der Ukraine und die Autonomie ihrer "Volksrepubliken".

25. Mai 2014

Der Milliardär Petro Poroschenko wird zum neuen ukrainischen Präsidenten gewählt. Er strebt den EU-Beitritt seines Landes an. In der Ostukraine bleiben viele Wahllokale geschlossen. Ende Juni unterzeichnen Poroschenko und die EU den wirtschaftlichen Teil des Assoziierungsabkommens.

17. Juli 2014

Petro Poroschenko

Petro Poroschenko wird neuer Präsident

Flug MH17, eine Boeing 777 der Malaysia Airlines, stürzt östlich von Donezk ab. 298 Insassen sterben. Regierung und Rebellen werfen sich gegenseitig einen Abschuss vor. Internationale Experten sind überzeugt: Das Flugzeug wurde von einer russischen Boden-Luft-Rakete vom Typ Buk getroffen.

Die EU, USA und weitere Staaten beschließen daraufhin Wirtschaftssanktionen. Russland reagiert Anfang August mit einem Lebensmittelembargo für viele Produkte aus dem Westen.

26. August 2014

Absturzstelle des Fluges MH17

Helfer an der Absturzstelle des Fluges MH17

Nach Monaten erbitterter Kämpfe führen Poroschenko und Putin in der weißrussischen Hauptstadt ein Gespräch unter vier Augen. Bei den Konsultationen geht es um einen Friedensplan. Dieser wird am 5. September wird von Unterhändlern besiegelt.

Das Abkommen von Minsk sieht unter anderem den Stopp der Kriegshandlungen vor, die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) soll die Einhaltung überwachen. Der Waffenstillstand bleibt allerdings brüchig. Immer wieder gibt es Berichte von russischen Soldaten, die die Separatisten unterstützen. Russland dementiert das allerdings.

26. Oktober 2014

Die Ukraine wählt ein neues Parlament und die pro-europäischen Parteien gewinnen. Die Separatisten lehnen die Wahl ab und halten am 2. November eigene Abstimmungen in Donezk und Lugansk ab. Die Ukraine erkennt die Wahl nicht an, Russland verteidigt die Abstimmung als legitim.

Januar 2015

Nachdem es in der Vergangenheit immer wieder Verstöße gegen die Waffenruhe gegeben hat, spitzt sich die Gewalt in der Ostukraine erneut dramatisch zu. Besonders umkämpft ist, wie bereits im Herbst, der Flughafen von Donezk, den die Separatisten letztlich einnehmen. Die in Minsk vereinbarte Waffenruhe ist endgültig hinfällig.

12. Februar 2015

Putin, Poroschenko, Merkel, Hollande treffen sich in Minsk

Friedensgespräche in Minsk

Minsk II heißt ein neuer Anlauf für einen Frieden. Putin, Poroschenko sowie die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande einigen sich nach stundenlangen Verhandlungen auf eine Waffenruhe vom 15. Februar an.

Schwere Waffen sollen abgezogen und eine entmilitarisierte Pufferzone eingerichtet werden – so wie es schon das ursprüngliche Minsker Abkommen vorsah. Zunächst verstoßen die Separatisten gegen die neue Abmachung.

Sie erobern die Stadt Debalzewe, durch die eine strategisch wichtige Bahnverbindung läuft. Erst danach nehmen die Kämpfe ab, doch die geltende Waffenruhe wird in den folgenden Monaten immer wieder von beiden Seiten verletzt.

August 2015

Über den Sommer flammen die Gefechte entlang des gesamten Frontverlaufs in der Ostukraine zwischen Regierungstruppen und Separatisten erneut auf, Anfang August wird so stark gekämpft wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Beide Seiten berichten von zahlreichen Verletzten und Toten.

26. August 2015

Flughafen Donezk

Der zerstörte Flughafen von Donezk

Die Konfliktparteien einigen sich auf einen Waffenstillstand ab dem 1. September. Nach UN-Angaben sind bislang mehr als 8000 Menschen dem Krieg zum Opfer gefallen. Die Waffenruhe wird seit Septemberbeginn weitgehend eingehalten.

Autor: Oliver Bilger

Stand: 13.11.2015, 09:00

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