Die christlichen Konfessionen

Das Deckblatt einer Bibel von 1834.

Christentum

Die christlichen Konfessionen

Von Christiane Tovar

Christ ist nicht gleich Christ. Wie in jeder anderen großen Religion gibt es auch im Christentum viele Strömungen und Glaubensrichtungen. Unterschiede zeigen sich unter anderem bei der Liturgie, also den Gebeten und Ritualen während des Gottesdienstes.

Die römisch-katholische Kirche

Mit rund 975 Millionen Christen gehört die römisch-katholischen Kirche zu den größten Kirchen weltweit. Ihr religiöses Zentrum ist Rom. Das Wort "katholisch" leitet sich aus dem Griechischen ab ("katholikós") und bedeutet so viel wie "über alles" oder "allumfassend".

Heute werden alle christlichen Strömungen, die sich nicht der Reformation angeschlossen haben, als katholisch bezeichnet. Die bedeutendste darunter ist die römisch-katholische Kirche. Bis ins 15. Jahrhundert war sie hauptsächlich in Europa aktiv.

Im Unterschied zu den anderen christlichen Kirchen hat sie ein Oberhaupt, den Papst. Die römisch-katholischen Christen sehen in ihm den Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden und erkennen ihn als unfehlbar an. Auch die Priester haben einen Sonderstatus in der Gemeinde.

Eine wichtige Rolle spielen die sieben Sakramente. Dazu gehören unter anderem die Taufe, die Firmung und die Beichte. Zudem hat die Verehrung der Heiligen einen hohen Stellenwert. Während in den westlichen Ländern immer mehr Menschen aus der römisch-katholischen Kirche austreten, hat sie in Afrika, Asien und in Lateinamerika großen Zulauf.

Der Protestantismus

Der Protestantismus geht auf die Reformierung der Kirche im 16. Jahrhundert zurück. Mehr als 400 Millionen Menschen hängen ihm an. Eine Schlüsselrolle spielte dabei der deutsche Theologieprofessor Martin Luther, der 1521 begonnen hatte, die Bibel ins Deutsche zu übersetzen.

Damit wollte er auch dem einfachen Volk ermöglichen, die Heilige Schrift zu lesen. Denn zu seiner Lehre gehörte es auch, dass vor Gott alle Menschen gleich sind. Außerdem kritisierte Luther die Ablasszahlungen, mit denen man sich von den Sünden freikaufen konnte und mit denen die Kirche viel Geld verdiente.

Porträt Jean Calvin.

Auch Jean Calvin gehörte zu den Reformatoren der Kirche

Aber nicht nur in Deutschland stieß die immer größer werdende Macht und der Prunk der Kirche auf Widerstand. In der Schweiz setzten sich Huldrych Zwingli und Jean Calvin dafür ein, dass sich die christliche Kirche wieder auf ihre Wurzeln besinnen sollte. Dazu gehörte auch, dass die Heilige Schrift eine zentrale Rolle spielte – daran hat sich bis heute nichts geändert.

Im Gegensatz zu den Katholiken lehnen die Protestanten die Heiligenverehrung genauso wie die Unfehlbarkeit des Papstes ab. In der protestantischen Kirche kann jeder Gläubige Gott direkt begegnen – ohne einen Mittler wie den Papst.

Der Begriff "protestantisch" wird heute meist gleichbedeutend mit dem Begriff "evangelisch" verwendet. Im 16. Jahrhundert wurden alle Kirchen als protestantisch bezeichnet, die aus der Reformation hervorgegangen waren. Die deutschen Kirchen, die in der Tradition der Reformation stehen, bezeichnen sich heute als evangelisch. Eine Ausnahme bildet die protestantische Landeskirche in der Pfalz.

Außerdem nennen sich einige Kirchen, die reformatorisch ausgerichtet sind, protestantisch, genauso wie einige Freikirchen. Im Gegensatz zur katholischen Kirche haben die Priester in der evangelischen Kirche keine herausgehobene Stellung.

Ein weiterer Unterschied zu den Katholiken: Auch Frauen dürfen Priester werden und andere kirchliche Ämter übernehmen. Und bei den reformierten Kirchen gibt es kein Zölibat, das heißt: Priester und andere kirchliche Würdenträger dürfen heiraten.

Die Glaubensreform – Von Mitteleuropa in die ganze Welt Planet Wissen 13.04.2017 02:19 Min. Verfügbar bis 15.03.2022 WDR

Die orthodoxe Kirche

Zur orthodoxen Kirche bekennen sich nach groben Schätzungen rund 250 Millionen Menschen. Damit machen die orthodoxen Christen nach den Katholiken und den Protestanten die drittgrößte Gruppe innerhalb des Christentums aus.

Von allen Konfessionen ist die orthodoxe Kirche am engsten mit dem christlichen Altertum verbunden. Sie geht noch auf Kaiser Konstantin zurück. Die orthodoxe Kirche sieht sich deswegen als einzige legitime Nachfolgerin der alten Kirche und als Bewahrerin der ersten christlichen Tradition.

Sie ist vor allem in Osteuropa und dem vorderen und mittlerem Orient beheimatet. Sie wird nicht, wie bei den Katholiken, von einem einzigen Oberhaupt geleitet, sondern es gibt verschiedene Patriarchate, unter anderem in Moskau, Istanbul, Jerusalem, Sofia und Antiochia.

Der Patriarch wird von einem Bischofsgremium gewählt. Zu den größten orthodoxen Kirchen gehören die griechisch-orthodoxe und die russisch-orthodoxe Kirche. Aber auch in Serbien, Rumänien und Bulgarien leben orthodoxe Christen, genauso wie in Ägypten und Afrika.

Obwohl die Gläubigen auf der ganzen Welt verteilt sind, haben die orthodoxen Christen viele Gemeinsamkeiten. Sie glauben an den dreifaltigen Gott und an Jesus Christus und legen großen Wert auf ihre Liturgie, also auf bestimmte Riten und die Form des Gottesdienstes.

Die orthodoxe Kirche verzichtet auf starre Dogmen und misst dem theologischen Unterbau weniger Bedeutung bei als andere christlichen Kirchen. Einen wichtigen Stellenwert hat die Verehrung der Heiligen. Die orthodoxen Christen werfen sich zum Beispiel vor den Ikonen nieder, um sie zu küssen.

Patriarch Kirill.

Patriarch Kirill ist das derzeitige Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche

Die Kopten

Die Kopten sind die größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten. Die koptische Kirche gehört zu den altorientalischen Kirchen und damit zu den ältesten im Christentum. Wahrscheinlich geht sie auf den Evangelisten Markus zurück, der Bischof in Alexandria gewesen sein soll.

Eigenständig wurde die koptische Kirche um das Jahr 451, als es zu Differenzen in Glaubensfragen kam. Unter anderem ging es darum, ob Jesus als Gott oder als Mensch gesehen wird. Unterschiede zu anderen christlichen Glaubensrichtungen gibt es auch bei den Festen. Weihnachten wird zum Beispiel in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar gefeiert.

In Ägypten gehört jeder Zehnte dieser Glaubensrichtung an. In dem islamischen Land werden die koptischen Christen seit Langem diskriminiert. Ein trauriger Höhepunkt war der Anschlag auf die Kirche in Alexandria 2011: Nach einem Neujahrsgottesdienst starben in der Al-Qiddissine-Kirche mehr als 20 Menschen, als eine Autobombe explodierte.

Der koptische Patriarch Tawadros II. mit Papst Franziskus.

Der koptische Patriarch Tawadros II.

Die Freikirchen

Auch die Freikirchen gehen auf die Reformation zurück. Die Gläubigen sind häufig bibeltreu, das heißt, sie verzichten auf eine Deutung der Heiligen Schrift durch Theologen und beziehen sich stattdessen direkt auf die Bibel. Freikirchen sind nicht an die Strukturen des Staates gebunden und finanzieren sich ausschließlich durch Spenden.

Eine weitere Besonderheit vieler Freikirchen ist die freiwillige Entscheidung für den Glauben. Während bei den Katholiken die Kinder oft kurz nach der Geburt getauft werden und sich nicht selbst für den Glauben entscheiden können, wird in den Freikirchen häufig die Erwachsenentaufe praktiziert. Auch die Missionierung hat einen großen Stellenwert.

Das Spektrum der Freikirchen ist groß. Es reicht von konservativen bis hin zu modernen Glaubensauffassungen. Zu den großen Freikirchen gehört die Pfingstbewegung. Die Pfingstkirche und andere sogenannte charismatische Gruppen berufen sich auf das Wirken des Heiligen Geistes.

Bei den Gläubigen spielen Wunderwirkungen und Prophezeiungen eine besondere Rolle. Auch das Zungenreden, ein unverständliches Sprechen als Zeichen der sogenannten Geistestaufe, ist typisch für diese Strömung.

Die Pfingstkirche gehört mit den anderen charismatischen Kirchen zu den am schnellsten wachsenden religiösen Bewegungen weltweit. Theologen schätzen, dass sich mittlerweile rund 400 Millionen Menschen dazu bekennen.

Die Mitglieder der Pfingstkirche sind ultrakonservativ. Scheidungen, Sex außerhalb der Ehe und das Gutheißen von Homosexualität führen in der Regel zum Ausschluss aus der Gemeinschaft. An die Evolutionstheorie glauben die Pfingstler nicht, dafür unter anderem an Wunderheilungen.

Gebäude einer Freikirche.

In Deutschland gibt es zahlreiche Freikirchen

Eine der Freikirchen: Baptisten-Gemeinden

Auch die Baptisten-Gemeinden gehören zu den Freikirchen. Die erste Gemeinde in Deutschland gründete der Hamburger Kaufmann Johann Gerhard Oncken 1834. Ihre Ursprünge haben die Baptisten in England. Dort wollten sich calvinistische Protestanten von der anglikanischen Kirche unabhängig machen.

Die Baptisten streben wie die Quäker oder die Presbyterianer, die aus den baptistischen Gemeinschaften hervorgingen, eine einfache Lebensweise an. Das spiegelt sich auch in den Gottesdiensten wider, die wenig feierlich sind. So tragen zum Beispiel die Priester keine Gewänder.

Außerdem gibt es keine Hierarchie bei den kirchlichen Ämtern und Kirche und Staat sind streng voneinander getrennt. Die Gemeinden finanzieren sich unter anderem durch Spenden.

Zu den Besonderheiten der Baptisten (griechisch für Täufer) gehört es auch, dass die Gläubigen als Erwachsene getauft werden. Die Kindstaufe halten die Baptisten für unbiblisch. Die Baptisten leben nach der Bibel und haben sich die Missionierung auf ihre Fahnen geschrieben. Trotzdem gelten sie als tolerante Gemeinschaft, die auch das Gespräch mit anderen Christen sucht.

Zu den berühmtesten Glaubensbrüdern zählen der amerikanische Präsident Abraham Lincoln, der Bürgerrechtler Martin Luther King und der Sänger Johnny Cash. In Deutschland leben rund 44.000 Baptisten, weltweit sind es um die 44 Millionen.

Ein junger Mann wird im Fluss getauft.

Bei den Baptisten ist die Erwachsenentaufe üblich

Stand: 21.06.2019, 15:00

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