Moschee Penzberg

Rechtspopulisten der Aktion "Pro NRW" bei einer Kundgebung in Bonn

Islam in Deutschland

Moschee Penzberg

Von Martina Frietsch

Wird in Deutschland eine neue Moschee geplant, gibt es in den meisten Fällen Proteste. Nicht so im bayerischen Penzberg: Dort nahm ein pfiffiger junger Imam sein Vorhaben anders in Angriff. Heute ist die Moschee deutschlandweit ein Vorzeigeprojekt.

Angst vor Überfremdung

Als die ersten Arbeitsmigranten in den 1960er Jahren nach Deutschland kamen, entstanden zahlreiche Moscheen, doch sie wurden wenig beachtet. Es waren meist schmucklose, einfache Räume, sogenannte "Hinterhofmoscheen".

Inzwischen leben viele Muslime in dritter Generation im Land und: Sie wollen bleiben. Jahrzehnte nach der Ankunft der ersten Einwanderer beschlossen viele islamische Gemeinden, Moscheen zu bauen, die einen bleibenden und keinen provisorischen Charakter mehr hatten.

Doch in wenigen Fällen geht ein solches Vorhaben reibungslos über die Bühne. Einwände seitens der Bevölkerung gibt es oft genug – das Gebäude sei zu "exotisch", das Minarett zu hoch. Und oft schwingt auch die unterschwellige Angst vor der Überfremdung mit.

Eine Moschee inmitten von Katholiken

Die Muslime der Islamischen Gemeinde Penzberg hielten ihre Gebete elf Jahre lang in einem umgebauten Kuhstall ab. 1994 war die Islamische Gemeinde gegründet worden, rund 600 Mitglieder leben heute in der 16.000-Einwohnerstadt im überwiegend katholischen Oberbayern.

Bald wurde die Räumlichkeit zu klein, die Idee eines Moschee-Neubaus entstand. Doch was andernorts für hohe Wellen und manchmal offene Feindseligkeiten sorgt, lief in Penzberg überwiegend in Ruhe und Harmonie ab.

Imam Benjamin Idriz, damals noch nicht einmal 30 Jahre alt, nahm Kontakt mit dem bosnisch-stämmigen Architekten Alen Jasarevic auf. Und der machte einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er entwickelte die Idee eines modernen Baus mit Glasfassade, der sich deutlich vom klassischen Erscheinungsbild der Moschee mit Kuppel, zierlichen Minaretten und kunstvollen Ornamenten unterschied.

Imam Benjamin Idriz in der Moschee der Islamischen Gemeinde.

Imam Benjamin Idriz

Von der Idee zur Umsetzung

Die Idee wurde von der islamischen Gemeinde angenommen und Benjamin Idriz ging den entscheidenden Schritt: Er nahm Kontakt zu Penzbergs Politikern auf, zu den Bürgern sowie der katholischen und evangelischen Kirche. Natürlich kam auch in Penzberg die Frage auf, ob die Moschee unbedingt ein Minarett brauche.

Die anfängliche Skepsis Einzelner wurde jedoch schnell ausgeräumt und die neuartige Moschee konnte problemlos gebaut werden. Am 18. September 2005 wurde sie eröffnet – eine Moschee, die weit mehr ist als ein Gebetshaus, und die sich auch anders nennt: In Penzberg heißt sie Islamisches Forum.

Forum für alle

Die eigentliche Moschee macht nur etwa 40 Prozent des Islamischen Forums aus. Im Rest des Gebäudes befinden sich eine Bibliothek, ein Restaurant, Veranstaltungsräume und natürlich die Wohnung des Imams. Die Islamische Gemeinde bietet in ihren Räumlichkeiten Deutschkurse, Grundschulförderung, Berufsberatung, eine Kinderkrippe, Mutter-Kind-Gruppen und vieles mehr an.

Von Anfang an war das Gebäude nicht als reine Institution für die muslimische Bevölkerung geplant, sondern als offenes Forum für alle – ganz gleich welcher Religion. Das Konzept ging auf: Bereits bei der Eröffnung des Islamischen Forums gab sich die politische, religiöse und gesellschaftliche Prominenz ein Stelldichein.

In den ersten vier Jahren kamen rund 20.000 Gäste zu Veranstaltungen, um sich zu informieren, die Architektur zu besichtigen oder um Kontakte zu knüpfen. Die Bibliothek des Forums steht allen Penzbergern offen, ebenso die Veranstaltungsräume.

Die Moschee in Penzberg.

Mehr als eine Moschee: Restaurant, Bibliothek, Veranstaltungsräume

Die Moschee als Touristenattraktion

Auch die moderne Architektur, die sich so problemlos in die kleine oberbayerische Stadt einfügt, gilt als wegweisend. Der Quader mit der Glasfassade erinnert im ersten Moment keineswegs an eine Moschee. Das Minarett hat eher eine künstlerische Funktion – Architekt Alen Jasarevic gestaltete es aus durchbrochenem Stahl und erinnert damit an Penzbergs Tradition als Erzbergbaustadt.

Nachts ist der Turm, in dessen Gestaltung übrigens der Gebetsruf in Schriftform eingearbeitet wurde, von innen beleuchtet. Selbst auf dem Dach gibt sich die Moschee ausgesprochen modern: Dort thront inzwischen eine Solaranlage, die das Gebäude mit Warmwasser und Wärme versorgt.

Die Moschee in Penzberg.

Nachts ist der Turm von innen beleuchtet

Islam der Zukunft

Neue Wege gehen, einen zukunftsfähigen Islam praktizieren, das ist die Devise von Imam Benjamin Idriz. Im Islamischen Forum wird deutsch gesprochen und wenn er die Freitagspredigt hält, spricht er ebenfalls deutsch.

Der Imam tritt für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein, fordert religiöse Reformen und die Integration der Muslime. Er pflegt guten Kontakt zu den Vertretern anderer Religionsgemeinschaften und fördert die Kontakte zu Nicht-Muslimen.

Bundesweit halten viele das Penzberger Beispiel für eine zukunftsträchtige Lösung, die dazu beiträgt, Konflikte zu vermeiden und das Zusammenleben zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen zu verbessern. Der Bau gilt als wegweisend für eine neue Architektur.

Doch nicht überall stoßen der reformfreudige Imam und sein Architekt auf Gegenliebe.

In manch einer islamischen Gemeinde mag man weder seinen modernen Ideen folgen noch einem modernen Moscheebau zustimmen. Auch wenn es nur eine einzige Vorschrift für eine Moschee gibt, nämlich dass der Gebetsraum Richtung Mekka ausgerichtet sein muss, beharren viele Imame auf einer traditionellen Moschee – mit Kuppel und Minaretten.

Stand: 26.06.2019, 15:50

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