Ein Leben für den Trödel: Albert Maier

Flohmärkte

Ein Leben für den Trödel: Albert Maier

Bei ihm dreht sich alles um den Trödel. Albert Maier ist Antiquitätenhändler und Sachverständiger aus Leidenschaft. Der gebürtige Schwabe betreibt seit 1976 seinen Antiquitätenladen in Ellwangen im Osten Baden-Württembergs. Das hindert ihn allerdings nicht daran, so oft wie möglich seine Wochenenden auf dem Flohmarkt zu verbringen, vorzugsweise auf seinem Lieblingsmarkt in Ludwigsburg.

Autodidakt aus Leidenschaft

Porträt von Albert Maier.

Albert Maier: Antiquitätenhändler und Kunstsachverständiger

Bei einem Trödel - und Kunstexperten würde man vermuten, dass Albert Maier eine Ausbildung im Kunsthandel genossen hat. Doch weit gefehlt: Schon als Jugendlicher interessierte er sich für die Adelshäuser im süddeutschen Raum und war begeistert von deren außergewöhnlichen Antiquitäten. Die Idee mit dem Antikhandel kam allerdings später: "Als ich noch Jura in München studiert habe, kam ich zufällig an dem alten Gefängnis in Aalen vorbei und dort lagen acht alte, schöne Gefängnistüren auf einem Haufen." Die hatten es dem Antikfan angetan und so fragte er den örtlichen Polizeidirektor, ob er die Türen übernehmen könne. Er restaurierte sie und verkaufte sie in München erfolgreich weiter. Das war sozusagen die Initialzündung für den Antikhandel.

Richtig auf den "Flohmarkt-Geschmack" kam Albert Maier während eines Praktikums beim Gerichtsvollzieher in München. Dort wurden wertvolle Sachen wie Wanduhren und Antikmöbel gepfändet. Einige der Studenten kauften die Sachen auf und boten sie auf dem Flohmarkt an. Das machte Albert Maier neugierig. Er beschloss nach dem ersten Staatsexamen Mitte der 70er Jahre, sein Juristendasein an den Nagel zu hängen und sich hauptberuflich dem Kunst- und Antikhandel zu widmen. Seitdem ist der Autodidakt nicht nur für das Fernsehen ein gefragter Experte.

Der Trödelmarkt als Lebensphilosophie

Für Albert Maier ist Flohmarkt so etwas wie "antikes Gambling", zu Deutsch: "Spielen". Am Anfang weiß man nicht, ob man etwas Wertvolles oder vielleicht nur Schrott gekauft hat. Und obwohl der Experte schon so viele Jahre im Geschäft ist, packen ihn auf dem Flohmarkt immer noch die Aufregung und das Jagdfieber. Der Flohmarkt ist für ihn eine richtige "Lebensphilosophie". Dann kann es auch mal passieren, dass einem Profi wie ihm ein gutes Stück vor der Nase weggeschnappt wird. Denn nach Schätzung von Albert Maier ist jeder Zehnte auf dem Flohmarkt ein Profi, und die wissen genau, was bestimmte Sachen wert sind. Natürlich sind nicht alle Märkte gleich: Spezielle Veranstaltungen wie Antikmärkte haben meist ein hochwertigeres Angebot als "gewöhnliche" Trödelmärkte, aber auch ihren Preis.

Trotzdem kann man nach Einschätzung Albert Maiers noch tolle Schnäppchen auf dem traditionellen Flohmarkt machen. Wie ein Mann aus Lörrach, der einst zu Schätzexperte Maier kam. Der Mann zeigte ihm einen Teller aus St. Petersburger Porzellan, den er für sechs Euro auf einem Flohmarkt gekauft hatte. Dem Antiquitätenhändler blieb fast das Herz stehen. Er erkannte sofort, dass der Teller aus dem Service des Zaren Nikolaus II. stammte und Zigtausende Euro wert war. Der Mann versteigerte den Teller später auf einer Auktion für sage und schreibe 72.000 Euro.

Deutsche Dachböden - eine unermessliche Schatzkammer

Albert Maier schaut sich eine Taschenuhr mit der Lupe an.

Albert Maier bei einer Schätzaktion für den SWR

Wenn Albert Maier sich nicht auf einem Trödelmarkt befindet, dann fährt er quer durchs Land und durchstöbert deutsche Dachböden. Haushaltsauflösungen sind ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Und ein spannender dazu: Denn Maier schätzt, dass auf deutschen Dachböden noch ungeheure Schätze schlummern. Vor Jahren fand er selbst bei Privatleuten ein Kandinsky-Bild, eine seiner wertvollsten Gemälde-Entdeckungen. Vielen Leuten sei gar nicht bewusst, welch schöne Dinge dort im Verborgenen lägen, so der Kunstkenner. Aber natürlich sei auch oft das Gegenteil der Fall und viel Kitsch und Ramsch dabei. Einen Großteil seiner Ware bezieht Maier aus Wohnungsauflösungen. Die alten Dinge verkauft er dann in seinem Laden oder auf dem Trödelmarkt.

Leider habe sich im Kunsthandel die Lage für Händler drastisch verschlechtert, so der Experte. Der Grund dafür seien die Internet-Börsen. Die Leute gehen nicht mehr so gerne auf Antikmärkte, sondern ersteigern lieber von zu Hause aus. Das vereinfacht die Suche, wenn man spezielle Dinge im Auge hat. Viele von Maiers Kollegen sind mittlerweile als Profihändler im Netz unterwegs, doch für Maier ist das nichts. Er zieht den realen Trödelmarkt vor, wo man die Dinge direkt begutachten und in die Hand nehmen kann. Die Zukunft schätzt der Antikhändler trotz immer noch gut besuchter Trödelmärkte pessimistisch ein: "Ich persönlich sehe für die Zukunft der Flohmärkte etwas schwarz, insbesondere für die Antikmärkte, da die jungen Leute einfach nicht mehr so viel sammeln. Da bricht ein großer Markt weg."

Schaschlik von Meißner Porzellan

Verschiedene Keramikfiguren auf einem Flohmarktstand.

Begeisterung für schöne Dinge

Albert Maier beschreibt sich selbst als einen Sammler, der keine spezielle Sache sammelt. "Mich begeistern einfach schöne Dinge, an denen ich Freude habe, wie eine schöne Dose oder eine schöne kleine Bronzefigur oder kleine Schmuckstücke." Das Objekt der Begierde muss dem Antikkenner einfach gefallen und etwas außergewöhnlich sein. Und da er kein spezielles Sammelgebiet hat, fällt es Albert Maier auch nicht schwer, sich wieder von Dingen zu trennen, die er ersteigert hat. Im Gegenteil: Es gibt für ihn kein größeres Vergnügen, als auf dem Flohmarkt zu verkaufen: "Der Kontakt mit den Leuten ist etwas Fantastisches - es hat etwas Bohèmienhaftes! Man kann vom Meißner-Teller sein Schaschlik essen und lernt dabei interessante Leute kennen. Das ist doch was!"

Autor/in: Sandra Kampmann

Stand: 11.07.2014, 13:00

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