Wissensfrage

Ein Gebäude mit vielen Säulen vor dem Eingang, dahinter sieht man blauen Himmel, davor Touristen, die im Halbschatten auf kleiner Mauer sitzen und ausruhen

Museen

Wissensfrage

Von Kerstin Hilt

Wo ist das älteste öffentliche Museum der Welt?

Es liegt in dem Land, das sich rühmt, auch die älteste Demokratie zu haben – und beides hängt sogar miteinander zusammen. Im Jahr 1753 vermachte der englische Gelehrte Sir Hans Sloane seine umfangreiche Sammlung aus Antiquitäten, Fossilien, Steinen und Münzen dem Staat.

Die Entscheidung, was damit zu tun sei, traf in England nicht – wie andernorts – der König, sondern das Parlament; und das beschloss, die Sammlung unter dem Namen "British Museum" in London der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bereits damals waren die Exponate eindrucksvoll: Sloane war ein besessener Sammler gewesen und hatte versucht, die Kulturgeschichte der Menschheit lückenlos zu dokumentieren. Unter anderem aus Ägypten, Peru und dem Orient stammten seine Ausstellungstücke.

Der englische Staat baute die Sammlung gezielt weiter aus, richtete eine umfassende Bibliothek ein – der Kuppel-Lesesaal des 1848 fertiggestellten Neubaus ist legendär – und hat bis heute am wichtigsten Entscheid der Parlamentarier festgehalten: Der Eintritt ins "British Museum" ist für alle kostenlos.

Umstritten sind dagegen einige Exponate, die dort zu sehen sind. Die sogenannten "Elgin Marbles" etwa, der Skulpturenschmuck des Parthenon-Tempels auf der Athener Akropolis, sind 1801 vom damaligen britischen Botschafter Lord Elgin ungefragt nach England verbracht worden. Seitdem wird diskutiert, ob man sie nicht wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückbringen sollte.

Elgin Skulpturen von der Akropolis im britischen Museum in London

Um die "Elgin Marbles" gibt es Streit mit Griechenland

Auch der berühmte Stein von Rosette, eine Stele mit eingemeißeltem Text, mit dessen Hilfe man die ägyptischen Hieroglyphen entziffern konnte, kam nur über Umwege ins British Museum. Gefunden hatte ihn eine französische Expedition unter Napoleon. Nach dessen Sturz 1814 beanspruchte England den Stein für sich.

Traurig muss Frankreich deswegen allerdings nicht sein, denn das bekannteste französische Museum, der "Louvre" in Paris, kann einen anderen Rekord für sich verbuchen: Es ist seit einigen Jahren das Museum mit den weltweit meisten Besuchern – etwa zehn Millionen pilgern jährlich dorthin.

Auch seine Geschichte hat viel mit der demokratischen Tradition des Landes zu tun. Im Zuge der französischen Revolution beschloss die Nationalversammlung im Jahr 1793, die königlichen Sammlungen in ein öffentliches Museum zu überführen. In den folgenden 20 Jahren tourte die Ausstellung sogar mehrfach durch das ganze Land, um auch die Provinzbevölkerung an den Kunstschätzen teilhaben zu lassen.

Und noch in einer weiteren Hinsicht ist der "Louvre" rekordverdächtig: Es ist das Museum mit der drittgrößten Fläche weltweit, direkt hinter dem New Yorker "Metropolitan Museum of Art" sowie der "Eremitage" in St. Petersburg. Die wurde übrigens auch im 18. Jahrhundert begründet – allerdings ganz undemokratisch: per Dekret von Zarin Katharina der Großen.

Blick in den Innenhof des Louvre in Paris. Zu sehen sind die Fassade des Museums, eine große Glaspyramide und etliche Besucher

Die Glaspyramide ist das neue Eingangsgebäude des "Louvre"

Stand: 06.08.2019, 10:35

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