Die Zerstörung der Regenwälder Südamerikas

Goldsucher im Regenwald

Amazonien

Die Zerstörung der Regenwälder Südamerikas

Jedes Jahr wird weltweit Regenwald von der dreifachen Fläche der Schweiz abgeholzt. Die Folgen für unser Klima sind verheerend. Abgesehen von ihrem Artenreichtum und der Schönheit erfüllen sie mannigfaltige Funktionen, die nicht nur für die Bewohner des Regenwaldes wichtig sind. Sie sind unter anderem Speisekammer, Apotheke und Wasserspeicher. Außerdem produzieren die tropischen Regenwälder rund 40 Prozent des Sauerstoffs in unserer Atmosphäre.


Die Gier nach Gold

Mit der Ankunft der Spanier und Portugiesen in Südamerika vor rund 500 Jahren wurde die Zerstörung der tropischen Regenwälder Amazoniens eingeläutet. Die Suche nach dem El Dorado, dem sagenumwobenen Goldland, brachte Leid und Tod für die indianischen Völker, die bis zur Ankunft der ersten Europäer in großer Zahl im Tiefland Amazoniens lebten.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts blieb die Nutzung und Erschließung der Regenwälder gleichwohl auf die Ausbeutung einzelner Rohstoffe beschränkt.

Das Abzapfen von Kautschuk bescherte Städten wie Manaus und Belém in Brasilien oder Iquitos in Peru eine lange Blütezeit. Erst als die Samen des Kautschukbaumes 1876 über den Engländer Henry Wickham nach Asien gelangten, wurde der Aufschwung gestoppt. Amazonien versank vorerst im wirtschaftlichen Tiefschlaf.

Die Besiedelung Amazoniens

In den 1970er Jahren wurde die Region durch die Militärdiktatur Brasiliens wieder entdeckt. Die Militärs gaben zur Besiedlung des Amazonas folgende Losung aus: Ein Land ohne Menschen für Menschen ohne Land.

Beinahe zeitgleich wurde der Bau der ersten großen Straße begonnen, die den Atlantik mit dem Pazifik verbinden sollte. Die Transamazônica durchtrennte allerdings nicht nur den Regenwald, sie zerschnitt auch zahlreiche indigene Gebiete.

Zehntausende Menschen starben durch die eingeschleppten Krankheiten der Holzfäller und Straßenbauarbeiter, gegen deren Viren sie keinerlei Resistenzen besaßen. Der Versuch, den Fortschritt nach westlichem Vorbild zu implementieren, um die Ökonomie anzukurbeln und soziale Spannungen im Land abzubauen, mündete in einem Desaster.

Viele Straßenabschnitte verfielen sogleich wieder. Jahrelang galt der Regenwald als rechtsfreie Zone, deren Schätze sich jeder frei bedienen konnte. Staat und Polizei kapitulierten vor der Korruption und der Zerstörung. Nicht selten waren sie sogar selbst darin verstrickt.

Straßen schlagen Schneisen in den Regenwald

Straßen schlagen Schneisen in den Regenwald

Der Regenwald lässt sich vielfältig ausbeuten

Die gegenwärtige Entwicklung in Form einer systematischen und großflächigen Zerstörung des Regenwaldes begann maßgeblich mit dem Siegeszug der globalen Agroindustrie.

Die Ausbreitung riesiger Rinderfarmen führte zum Kahlschlag ganzer Landstriche. Hinzu kam der großflächige Anbau von Soja, Mais, Zuckerrohr, Palmölbäumen und anderen Monokulturen.

Doch auch unter der Erdkruste lockten riesige Gewinne: Neben der Ausbeutung von Erzen und seltenen Erden, maßgeblich Bauxit zur Herstellung von Aluminium, sowie Edelsteinen und Gold gewann in letzter Zeit auch die Förderung von Öl und Gas an Bedeutung.

Die Gier nach Rohstoffen macht auch vor den Bäumen nicht halt – so blüht nach wie vor der (illegale) Handel mit wertvollen Tropenhölzern.

Ob Rohstoffe und Energie, Transport und Kommunikation: Die Verflechtung der größten Ökonomie Südamerikas mit der Weltwirtschaft ist noch lange nicht ausgereizt.

So verfolgt die IIRSA, die im Jahr 2000 gegründete Initiative zur regionalen Infrastrukturintegration in Südamerika, das Ziel einer immer stärkeren Einbindung des Kontinents in die Weltwirtschaft. Damit ist vorerst die letzte Stufe der ökonomischen Erschließung Amazoniens erreicht.

Mit dem Programm wird hauptsächlich der Bau von Staudämmen, Straßen, Minen und weiteren Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt. Für Brasilien bedeutet dies den Ausbau von Straßennetzen bis nach Peru und Bolivien. Am Ende steht der Zugang zum Pazifik auf dem Plan, um die Rohstoffe aus dem Regenwald leichter nach Asien exportieren zu können.

Baggerarbeiten vor abgeholztem Regenwald

Nach dem Abholzen kommen die Bagger

Kein Schutz für den Regenwald

Die ökologischen Folgen der Vernichtung der Regenwälder sind derzeit kaum absehbar. Ein deutlicher Anstieg der Temperaturen von bis zu fünf Grad zum Ende dieses Jahrhunderts ist allerdings schon jetzt spürbar, auch die Trockenperioden in der Region nehmen zu. Die Zerstörung des ohnehin empfindlichen Ökosystems hat inzwischen erschreckende Ausmaße erreicht.

Allein im Zeitraum 2012/13 hat die Entwaldung in Brasilien gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Viertel zugenommen. Zwischen August 2012 und Juli 2013 kamen offiziellen Angaben zufolge rund 5833 Quadratkilometer an entwaldeter Fläche hinzu.

Hauptursache dafür sind vor allem die Folgen des neuen Forstgesetzes, welches nach langen Verhandlungen zwischen der Agrarlobby, Umweltschützern und Politikern im Sommer 2012, kurz vor der Umweltkonferenz Rio+20, verabschiedet wurde.

Vorangegangen waren unterschiedlichste Bemühungen, die Interessen zwischen Agrarwirtschaft und Umweltschutz auszugleichen. Dafür wurden den Farmern großzügige Konzessionen gewährt und illegal gerodete Waldflächen nachträglich legalisiert.

Auch die neuen Wasserkraftwerke, welche die Regierung an nahezu allen Amazonas-Nebenflüssen errichten lässt, tragen maßgeblich zur Entwaldung bei.

Im Fall von Belo Monte, dem größten Wasserkraftwerks Amazoniens, werden in den kommenden 20 Jahren allein durch Zuzug rund um das Kraftwerk weitere 5100 Quadratkilometern an Wald verschwinden. Eine Fläche, rund zehn Mal so groß wie der riesige Stausee selbst.

Experten gehen davon aus, dass bis 2030 bereits über 55 Prozent der Regenwälder Amazoniens für immer verschwunden sein werden.

Sojapflanzen wachsen vor Resten des Regenwaldes

Anbau von Soja im Regenwald

Autorin: Alicia Rust

Stand: 21.11.2017, 15:40

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